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Benennen, was uns die Freiheit raubt
Demonstriert in Aalen die Macht und Kraft von Sprache: Saša Stanišic. Foto: Peter Hageneder
Literatur

Benennen, was uns die Freiheit raubt

Aalen verleiht den Schubart-Preis an den einstigen Flüchtling Saša Stanišic für seinen Erzählband „Fallensteller“.

24.04.2017
  • WOLFGANG NUSSBAUMER

Aalen. Wie selten zuvor bei der Verleihung des mit 15 000 Euro dotierten Schubart-Literaturpreises der Stadt Aalen zog sich die Erinnerung an dessen Namensgeber wie ein roter Faden durch die Ehrung für den in Hamburg lebenden Autor Saša Stanišic. Weshalb, das machte bei der Preisverleihung am Samstag in der Aalener Stadthalle der gerade erst aus der Partnerstadt Antakya zurückgekehrte Oberbürgermeister Thilo Rentschler deutlich: In Deutschland müsse heute niemand mehr befürchten, wie einst Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791) für seine freisinnigen und provokanten Worte und Schriften auf dem Hohenasperg eingekerkert zu werden. Der Türkei nach dem Referendum galt offensichtlich seine mahnende Feststellung, es sei das große Verdienst der Demokratie, mit uneingeschränktem Recht seine Meinung frei äußern zu dürfen.

Man darf hinzufügen: Schubart würde in Erdogans Autokratie das Schicksal seines Journalistenkollegen Deniz Yücel teilen. Hinter Gittern könnte dort auch der 1992 vor dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland geflohene Saša Stanišic.

Dem unter anderem mit dem Alfred-Döblin-Preis sowie dem Preis der Leipziger Buchmesse gewürdigten 39-jährigen Sprachvirtuosen bescheinigte Laudator Stefan Kister eine seherische Gabe, in seiner Erzählung „Fallensteller“ aus dem gleichnamigen Erzählband das zu benennen, „was uns die Freiheit wirklich raubt“. Nationalismus, Protektionismus, Abschottung vor denjenigen, die Opfer kolonialer Ausbeutung von einst bis heute sind. „Spielerischer kann man sich darauf keinen Reim machen. Ernster auch nicht.“ Von der Macht und der Kraft des treffenden Wortes erfuhr man in Stanišics Ironie und Selbstironie brillant verschränkender Dankesrede.

Die 1979 in Bonn geborene Isabelle Lehn erhielt den mit 5000 Euro dotierten Förderpreis der Stadt und der Kreissparkasse Ostalb für ihren Debütroman „Binde zwei Vögel zusammen“. Darin thematisiert sie Identitäts- und Realitätsverlust. Die Autorin hielt beim Festakt die Fahne der Freiheit mit einem Schubart-Gedicht hoch. Wolfgang Nußbaumer

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24.04.2017, 06:00 Uhr

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