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Platz des Gedenkens und zugleich Lebensraum vieler Tiere

Bergfriedhof: Ort des Erinnerns und des Lebens

In kunstvoll gestalteten Grabanlagen wie dem Rosengarten oder dem Buchenhain finden Verstorbene auf dem Tübinger Bergfriedhof ihre letzte Ruhe. Daneben beheimatet der Friedhof viele unterschiedliche Pflanzen und Tiere. Zum 65- jährigen Bestehen des Bergfriedhofs gab es gestern eine Sonderführung.

22.11.2015

Von Ingmar Lorenz

Tübingen. „Friedhöfe müssen Kulturstätten sein, keine Deponien“, sagte Bernd Walter. Zum 65-jährigen Bestehen hatte der Leiter des städtischen Friedhofswesens am gestrigen Totensonntag zu einer Sonderführung auf den Tübinger Bergfriedhof eingeladen. Im Laufe seiner Führung verdeutlichte Walter, wie er den Friedhof in den vergangenen Jahren als Kulturstätte konzipiert und umgesetzt hat.

Zuvor jedoch bekamen die etwa 70 Besucher, die trotz der niedrigen Temperaturen auf den Galgenberg gekommen waren, einen Überblick über die Geschichte des Tübinger Bergfriedhofs. Vorbei an den Gräbern der gefallenen Soldaten führte Walter die Gruppe zur Waldkapelle. Direkt daneben zeigte er den Besuchern die wohl berühmteste letzte Ruhestätte auf dem Bergfriedhof: das Grab des Philosophen Ernst Bloch.

Im Zentrum von Walters Führung aber stand die Gestaltung der verschiedenen Urnengemeinschaftsgräber und die damit verbundenen Möglichkeiten der Erinnerung an die Verstorbenen.

Sehr innovativ und symbolträchtig gestalteten Walter und sein Team während der letzten Jahre beispielsweise eine Anlage mit dem Namen „Garten der Zeit“. Dort werden die Urnen kreisförmig zwischen verschiedenen Bepflanzungen bestattet, die jeweils eine der vier Jahreszeiten symbolisieren. Den Verlauf der Lebenszeit, an deren Ende der Tod steht, versinnbildlicht die steinerne Sonnenuhr im Zentrum.

Auf ähnliche Weise wurden auch die übrigen Urnengemeinschaftsgräber gestaltet. „Generell geht der Trend sehr stark zur Urnenbestattung“, berichtete Walter, woraus sich deren große Anzahl auf dem Bergfriedhof erklärt. So wünschten sich auch immer mehr Menschen eine Urnenbestattung im Buchenhain – dem Friedwald des Bergfriedhofs. Ausschlaggebend sei dabei, dass die Angehörigen durch die Pflege des Grabes nicht weiter belastet werden wollten.

Aber auch Erdbestattungen im Gemeinschaftsgrab erfreuen sich auf dem Bergfriedhof zunehmender Beliebtheit, wie Walter den Besuchern vor Augen führte. Im so genannten Rosengarten befinden sich die Gräber allerdings direkt unter der begehbaren Rasenfläche. Das sei für viele ungewohnt, sagte Walter, und tatsächlich wichen die Besucher den Stellen im Rasen aus, wo die Ruhestätten der Toten durch eingefallene Gräber erkennbar sind.

Bei der Konzeption der Anlagen stand für Walter und seine Mitarbeiter aber nicht nur die Verwirklichung einer innovativen Idee im Vordergrund. Auch auf die Tiere, die auf dem Bergfriedhof leben, wurde bei der Planung geachtet. So bieten Bepflanzung und Bebauung der Gemeinschaftsgräber Nahrung und Lebensraum für unterschiedliche Tiere. „Wir haben hier verschiedene Vögel und Eidechsen, aber auch Rehe und Waschbären“, so Walter.

Am Ende lud der Friedhofsvorsteher die Besucher noch zum gemeinsamen Umtrunk in die große Trauerhalle ein, wo nach Walters Führung von Trauer oder Beklemmung jedoch nichts zu spüren war.

Zum 65-jährigen Bestehen führte Bernd Walter die rund 70 Besucher durch die verschiedenen Grabanlagen auf dem Tübinger BergfriedhofBild: Metz

Offiziell eröffnet wurde der Tübinger Bergfriedhof im Jahr 1950 und ist seitdem der Hauptfriedhof der Stadt.
Allerdings wurden bereits ab 1944 Soldaten und Kriegsopfer auf dem Galgenberg bestattet.
Dem ersten Bau einer kleinen Friedhofskapelle, folgte 1969 die Errichtung der großen Trauerhalle.
Während der 1970er Jahre folgte eine Erweiterung der Anlage, die etwa 15 Hektar groß ist und sich durch ihren parkartigen Charakter sowie seine große Zahl von Gemeinschaftsgrabstätten auszeichnet.
Im vergangenen Jahr wurde der Tübinger Bergfriedhof als drittschönster Friedhof Deutschlands ausgezeichnet.

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Erstellt:
22. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
22. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. November 2015, 12:00 Uhr

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