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Berlin bricht Ratten
das Genick
Von Aufräumarbeiten der Berliner Stadtreinigung aufgeschreckt: Eine Ratte rennt in Deckung. Foto: dpa
Plage

Berlin bricht Ratten das Genick

Die Hauptstadt geht mit einer mechanischen Tötungsmethode gegen die Krankheitsüberträger vor.

24.04.2017
  • PETER GÄRTNER

Berlin. Immer wieder müssen in Berlin Spiel- und Bolzplätze wochenlang gesperrt werden. Den Grund nennen kleine Aufkleber: „Rattenbefall“. Die Stadt geht den Ratten jetzt mit einer mechanischen Methode ans Fell. Die bricht ihnen das Genick.

Ratten sie sind Krankheitsüberträger. Kot im Sandkasten reicht bereits als Ansteckungsquelle. Deshalb werden sie amtlicherseits getötet. Aber Ratten gelten als besonders anpassungsfähige Tiere, zu ihren typischen Wesensmerkmalen gehören Scheu und Vorsicht.

Die vielen Baustellen in der Innenstadt bewirken, dass Ratten aus ihren Behausungen im Untergrund verdrängt, derzeit häufiger gesichtet und sich auch neuen Unterschlupf suchen müssen. Selbst die Diensträume einer Polizeiwache in Schöneberg mussten kürzlich gesperrt werden; die Ratten gelangten über die Toiletten ins Haus.

Die Berliner Wasserbetriebe (BWB), die das riesige unterirdische Netz der dicht verzweigten Abwasserkanäle betreiben, haben permanent mit Ratten zu tun. „Die Ratte wohnt zwar nicht in der Kanalisation“, sagt BWB-Sprecher Stephan Natz unserer Zeitung. „weil sie in dem feuchten Klima krank werden würde und in den Mischwasser- und Regenwasserkanälen bei Niederschlägen für sie Lebensgefahr besteht“.

Aber sie seien intelligent, sagt Natz. Sie nutzten die Unterwelt, um von ihren drei Hauptfeinden – „der Mensch mit seinem Auto, der Stadtfuchs und die -krähe“ – ungesehen die Straße zu wechseln.

Eine Erfahrung der Wasserbetriebe ist, dass die Hauptstadt-Ratten längst nicht alle Gift-Köder schlucken. Auch deshalb wird seit dem vergangenen Jahr eine mechanische Tötungseinrichtung verwendet. Sie bricht den Tieren das Genick.

Die Geräte eines dänischen Herstellers, „Smart Trap“ genannt, sind in der Kanalisation montiert. Sie reagieren auf Bewegung und Körperwärme: Erfassen die Sensoren eine Ratte, wird sie von Kunststoffbolzen erschlagen.

Zwölf Würfe im Jahr

„Das geht blitzschnell“, sagt Natz. Die toten Tiere werden mit dem Abwasserstrom weggespült und landen über die Rechenanlage zumeist in der Müllverbrennung, im „Rattenkrematorium“.

19 solcher „Smart Traps“ sind nahe den Treptowers installiert worden. Sie haben im Laufe des vergangenen halben Jahres mehr als 1200 Ratten getötet.

Das ist angesichts der vermuteten Millionen-Population ein Tropfen auf den heißen Stein. In Berlin sind immer wieder Horrorzahlen im Umlauf, die von zwei bis drei Ratten pro Einwohner – bei derzeit mehr als 3,5 Millionen Menschen – ausgehen.

Die BWB haben „hochrechnen“ lassen, wie viele Ratten es sein könnten: 2 241 481 Stück. „Die Zahl kann jederzeit schwanken“, sagt Natz. „Ratten vermehren sich bis zu zwölfmal jährlich.“

Seit wenigen Wochen werden neue High-Tech-Boxen mit einer Glocke getestet, die bei steigendem Wasserpegel die Köder umschließt. Stephan Natz erwartet gleichwohl keine Wunder. „Die Erfahrungen zeigen: Ist eine Rattenfamilie ausgelöscht, dann dauert es nicht lange, bis die nächste eingewandert ist. Der Mensch hat es in Jahrtausenden nicht geschafft, der Ratte Herr zu werden. Auch wir können sie nur dezimieren. Es würde aber helfen, wenn weniger Nahrungsmittel weggeworfen werden.“

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24.04.2017, 06:00 Uhr

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