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Kein bisschen amtsmüde

Bernhard Knauss kandidiert zum fünften Mal

Am Sonntag in drei Wochen, am 7. November, ist in Kirchentellinsfurt Bürgermeisterwahl. Einer der vier Kandidaten ist der amtierende Schultes Bernhard Knauss.

14.10.2010
  • Sabine Lohr

Kirchentellinsfurt. Es ärgert Bernhard Knauss, wenn er gefragt wird, warum er denn in seinem Alter und nach so langer Amtszeit noch einmal antreten wolle. 63 Jahre ist er, und seit 31 Jahren ist er Bürgermeister in Kirchentellinsfurt. An die Rente will Knauss jedoch noch gar nicht denken: „Ich bin gesund, belastbar und hoch motiviert“, sagt er. Er könne sich überhaupt nicht vorstellen, nur spazieren zu gehen und seinen Hobbys zu frönen. Im Gegenteil: „Ich will weitermachen, weil mir dieser Beruf und die Möglichkeit, die Gemeinde mitzugestalten, unglaublich viel Spaß machen“, sagt er. Außerdem: „Jung zu sein, ist so wenig ein Vorteil wie alt zu sein ein Nachteil.“

Rathausanbau und Kinderbetreuung

Eine ganze Amtsperiode, also acht Jahre lang, wird Knauss aber nicht mehr weitermachen können. Nach rund vier Jahren, wenn er 68 geworden ist, wird Schluss sein, ob er nun will oder nicht, so schreibt es das Gesetz vor. Vier Jahre, findet er, seien aber genug Zeit, um noch einiges auf die Reihe zu bringen. Da wäre etwa das Rathaus, an das angebaut werden soll, weil es zu klein geworden ist und auch den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügt. „Wir müssen den Service für die Bürger verbessern“, sagt Knauss. Eine Anlaufstelle im Erdgeschoss etwa sei heutzutage Standard, außerdem müsse ein Rathaus behindertengerecht sein. Ein Denkmal wolle er sich mit dem Anbau gewiss nicht setzen – er selber habe ja auch nichts vom neuen Rathaus: „Mein Büro wird nicht größer sein als mein jetziges.“ Die ganzen Jahre über hätten eben auch andere Dinge Priorität gehabt: Die Schulerweiterung zum Beispiel oder die Turnhalle.

Anpacken will er auch die Kinderbetreuung. Für Kleinkindgruppen will er Ende des Jahres eine Konzeption vorstellen. „Da ist noch nicht klar, ob das ein Verein macht oder die Gemeinde.“ In den Kindergärten soll die Ganztagsbetreuung ausgebaut werden. Und auch in der Schule: „Ich bin fast davon überzeugt, dass die Ganztagsschule die Schule der Zukunft ist“, sagt er. Funktionieren soll sie „unter Einbindung des Ehrenamts“. Die Gemeinde jedoch müsse unterstützen, wo immer es gehe und nötig sei.

In den drei Jahrzehnten seiner Amtszeit habe sich viel getan in Kirchentellinsfurt, sagt Knauss und betont immer wieder, dass er als Bürgermeister ja nur „mitwirke“: „Da haben viele andere eine Rolle gespielt.“ Für ein Problem allerdings hat auch er keine Lösung gefunden: Für den Baggersee. Jedesmal, wenn er auf der B 27 von Stuttgart her nach Hause fahre und den See sehe, freue er sich über diesen „Edelstein“. Doch stolz darauf, dass dort nur ein Toilettenwagen stehe, sei er nicht. Viele Wünsche gebe es für den See und viele Ideen. Bessere Einstiegsmöglichkeiten ins Wasser und einen Kiosk etwa.

Sogar über ein Hotel hat der Gemeinderat vor nicht allzu langer Zeit gesprochen. Doch mit jeder noch so kleinen Maßnahme steige die Verkehrssicherungspflicht der Gemeinde. Umso mehr der See zu einem Strandbad werde, desto mehr Konsequenzen habe das. „Man braucht zum Beispiel eine dauernde Badeaufsicht während der Saison“, so Knauss. Weil allein die schon finanziert werden müsse – ganz zu schweigen von einer Infrastruktur samt Wasser, Abwasser und Strom –, müsse der Badebetrieb auch Einnahmen bringen.

Statt der Parkplatzgebühren müsste die Gemeinde also Eintritt verlangen. Was wiederum einen Zaun nötig mache, der ziemlich teuer sei. Rechnen würde sich der Betrieb am See für die Gemeinde trotzdem nicht, glaubt Knauss. Die Investitionen würden also zu Lasten anderer Investitionen in der Gemeinde gehen. Und das für einen See, den vor allem Auswärtige besuchen, für den das Land aber keinen Cent zuschießt.

Eine Idee für den Baggersee wird also vermutlich nicht auf dem Wahl-Flyer auftauchen, den Knauss noch an die Haushalte verteilen will. Darin wird er sich aber den Kirchentellinsfurtern als erfahrener Bürgermeister empfehlen, der in der Gemeinde noch viel vor hat.

Kirchentellinsfurter Kandidaten: Bernhard Knauss

Bernhard Knauss wurde 1947 in Schwäbisch Hall geboren, ist gelernter Industriekaufmann und bildete sich im gehobenen Verwaltungsdienst weiter. In Aichtal war er Stadtamtmann, als er 1978 als Nachfolger von Bürgermeister Richard Wolf in Kirchentellinsfurt kandidierte. Im zweiten Wahlgang schaffte er es und schlug dabei noch den Sieger des ersten Wahlgangs aus dem Feld. Damals versprach er, dieses Amt als seine Lebensaufgabe zu betrachten. Knauss ist verheiratet und hat drei Kinder.

Bernhard Knauss kandidiert zum fünften Mal
Bernhard Knauss will weiterhin Bürgermeister in Kirchentellinsfurt sein: „Ich bin hoch motiviert.“ Archivbild: Metz

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14.10.2010, 12:00 Uhr

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