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Bernstein wird tonnenweise geschmuggelt
Bernstein in der Asservatenkammer des Zolls in Grzechotki (Polen). Foto: dpa
Preise für das Gold der Ostsee durch die Nachfrage in China rapide gestiegen

Bernstein wird tonnenweise geschmuggelt

Der polnische Zoll findet derzeit Unmengen an geschmuggeltem Bernstein. Angesichts steigender Preise und eines Booms vor allem in China wird Bernstein für Schmuggler interessanter.

01.04.2016
  • EVA KRAFCZYK, DPA DPA

Danzig. Piotr Maciejewski zieht einen prall gefüllten Plastiksack aus dem Regal der Asservatenkammer des polnischen Zolls in Grzechotki. Was wie ein Müllsack aussieht, enthält einen wertvollen Inhalt. Der Zöllner lässt die teils hühnereigroßen Steine durch die Finger gleiten.

Wenn Licht auf die Bruchstellen fällt, glänzt es golden: Der Sack enthält Bernstein, das "Gold der Ostsee". Und der etikettierte Plastiksack ist nicht der einzige im Regal. Maciejewski macht eine weit ausholende Armbewegung: "Das sind 350 Kilogramm Bernstein. Alle von einem Aufgriff."

Hinter dem Schlagbaum beginnt die russische Exklave Kaliningrad. Hier, an der EU-Außengrenze, verläuft auch eine der europäischen Wohlstandsgrenzen. Der Schmuggel blühte hier schon immer. In den Kartons des Zollmagazins in Grzechotki, wo konfiszierte Schmuggelware als Beweismaterial für künftige Gerichtsverfahren aufbewahrt wird, lagern vor allem Zigarettenstangen. Doch Bernstein ist als Schmuggelgut im Kommen. Vor allem die starke Nachfrage aus China hat die Bernsteinpreise rapide steigen lassen. Die Millionen Jahre alten Steine werden, entsprechende Qualität vorausgesetzt, mittlerweile teurer als Gold gehandelt.

Dariusz Kowalczyk, der Leiter der Abteilung für Verbrechensbekämpfung bei der Zollkammer in Gdynia (Gdingen) bei Danzig, weiß mehr über die Geschichte des Bernsteins, der jetzt in Grzechotki lagert. Es war im September 2015: "Wir hatten bei der Kontrolle einer russischen Jacht Verdacht geschöpft, weil der Kapitän sichtlich nervös war", erinnert er sich. "Also nahmen wir das Schiff genauer unter Kontrolle, schweißten Hohlböden auf. Eigentlich hatten wir nur mit Zigaretten und Alkohol gerechnet. Die 350 Kilo Bernstein waren eine Überraschung."

Mittlerweile ist die damalige Rekordmenge schon übertroffen. Am polnisch-ukrainischen Grenzübergang Dorohusk haben polnische Zöllner in einem Lastwagen vor kurzem 1,5 Tonnen Bernstein sichergestellt. Der Wert der Ware wird auf 24 Millionen Zloty (etwa sechs Millionen Euro) geschätzt.

"Bernstein ist nach wie vor nicht das Hauptschmuggelgut", sagt Kowalczyk, der seit 20 Jahren beim Zoll arbeitet. "Aber wir bemerken eine deutliche Zunahme."

Angesichts des Schiffsverkehrs nicht nur in der Danziger Bucht, sondern auch entlang der polnischen Ostseeküste können die Zollpatrouillen in den Häfen und auf dem Wasser nur begrenzt kontrollieren. Obendrein gebe es die Danziger Werft, auf deren Docks vor allem Reparaturarbeiten laufen. "Das bedeutet, es können Schmuggelgüter versteckt oder aus Hohlräumen herausgeschweißt werden."

Was aber geschieht mit dem geschmuggelten Bernstein? "Die Staatsanwaltschaft hat ihn für ihre Ermittlungen sichergestellt", sagt Zollsprecher Marcin Daczko. Nach einem Prozess wird die Schmuggelware versteigert. Schmuckhersteller können angesichts der stark gestiegenen Rohstoffpreise bei diesen Zollauktionen auf ein Schnäppchen hoffen. Auch den Ermittlern ist geholfen: Die Einkünfte aus der Versteigerung fließen etwa in Anschaffungen neuer Fahrzeuge.

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01.04.2016, 06:00 Uhr

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