Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
"Ich gestehe, mir wurde schwindlich“

Berthold Auerbach als Vorkämpfer für Deutschlands Einheit und Freiheit

Schon als Tübinger Student war der Nordstetter Berthold Auerbach Feuer und Flamme für die Einheit und Freiheit Deutschlands. Und als der junge Schriftsteller sich über Nacht einen Namen gemacht hatte mit seinen "Schwarzwälder Dorfgeschichten“, stritt er vom Schreibtisch aus wacker für eine neue, freiere und bessere Zeit. Als Augenzeuge der revolutionären Ereignisse in der Kaiserstadt Wien allerdings ist dem unverzagten Menschenfreund die Courage dann doch ein wenig abhanden gekommen. Ihn hat im revolutionären Trubel ein mächtiges Schwindelgefühl ergriffen. Über diese und andere Erregungszustände des Schriftstellers Berthold Auerbach im Revolutionsjahr 1848 und davor, hat der Stuttgarter Journalist und Autor Helmut Engisch gestern abend im Nordstetter Schloß gesprochen. Hier — in Auszügen — sein Vortrag, den der Referent und dessen Sangeskumpan Udo Kinsler mit zwei munter geträllerten Lieder aus der Revolutionszeit garnierten.

12.12.1998

Ein stattlicher Maibaum aus dem Dettenseer Wald ist in Berthold Auerbachs Dorfgeschichte vom "Befehlerles“ das Corpus Delicti eines Streits zwischen der sturen Obrigkeit und dem Jungbauern Matthes, der seinem Aivle dieses Wahrzeichen der Liebe vors Haus pflanzte. Nur hat die Herrschaft diesen schönen Brauch inzwischen verboten, und so muß der vermeintliche Waldfrevler vor Gericht. Aber die Sache geht mit einer Geldstrafe noch einmal glimpflich ab. Allerdings ist die herzergreifende Geschichte vom "Befehleres“ damit noch nicht zuende.

Diese wirklich kleinkarierte Obrigkeit — es ist eindeutig die württembergische — will in ihrem Regulierungswahn den selbstbewußten Bauern auch das althergebrachte Recht verbieten, bei ihren Gängen über Land eine Handaxt am Arm zu tragen. Und diese Schikane nun reizt die stolzen Bauern zu einer mannhaften Rebellion. Doch hat dieser kleine Aufstand ganz andere Folgen als jene, die sich der bocksterriche Oberamtmann Rellings erhofft. Am Ende jedenfalls siegt der Bauernstolz gründlich über den Bürokrateneifer. So gilt in diesem literarischen Bauerndorf, es ist natürlich Nordstetten, fortan wieder das alte, das bewährte Recht.

Ungefähr so, wie es der Demokrat und Dichter Ludwig Uhland im Jahr 1816 in seinem noch heute berühmten Lied vom "guten alten Recht“ seinen Landsleuten ins Stammbuch geschrieben hat. Da aber war der Moses Baruch Auerbacher gerade erst vier Jahre alt und erfreute sich munter seiner unbeschwerten Nordstetter Bubenfreiheit. Dennoch war diese Botschaft, wie man an der Geschichte vom "Befehlerles“ sieht, auch 27 Jahre später, im Jahr 1843 und als die "Schwarzwälder Dorfgeschichten“ erschienen,noch aktuell und hochpolitisch. Diese Botschaft blieb deshalb so ausdauernd aktuell, weil im Deutschland des "Vormärz“ alles politische und poetische Aufbegehren nur wenig fruchtete gegen das ausgeklügelte Unterdrückungssystem des Fürsten Metternich.

Aber so perfekt dieses System der Gesinnungsschnüffelei auch funktionierte, es konnte die heimliche Begeisterung für ein einiges und freies Deutschland doch nicht nachhaltig unterdrücken. Auch in Tübingen nicht, wo der Student Auerbach, kaum ist er ein Jungbürger der schwäbischen Gelehrtenrepublik, heftig für die revolutionären Ideen entflammt. Schließlich wird in seinem Freundeskreis nicht nur dem Weingeist, sondern auch dem Geist der Freiheit gehuldigt. So interessiert sich auch Berthold Auerbach bald für die verboteten Burschenschaften. Ein Interesse, das natürlich auch der allgegenwärtigen Tübinger Staatspolizei nicht verborgen bleibt.

Also macht sich Berthold Auerbach, nachdem er von diesen Nachstellungen Wind bekommen hat, im Juni 1833 in Richtung Bayern aus dem Staub. Nur kennt der Verfolgungswahn der württembergischen Staatsbüttel keine Grenzen. So wird der Münchner Student am Morgen des 23. Juni, früh um fünf Uhr, von zwei Gendarmen des Münchner Stadtge-richts aus dem Bett heraus verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt, doch mangels eindeutiger Indizien tags darauf wieder entlassen. Nur ist diese wiedergewährte Freiheit nicht mehr die wie noch am Tag zuvor.

Das begreift Berthold Auerbach sofort, als er wieder auf seiner Studentenbude im Haus des Weinhändlers Stern sitzt. Er ist in seiner Heimat jetzt als Staatsfeind registriert und steht zumindest im Verdacht, sich an umstürzlerischen Machenschaften beteiligt zu haben. In dieser prekären Situation entschließt sich der Student Auerbach zur Flucht nach vorn, was in seinem Fall die Flucht zurück ist, zurück nach Tübingen, wo er sich im August seinen Verfolgern stellt und prompt in Untersuchungshaft genommen wird.

Auf dem Hohenasperg

Fünf Stunden lang wird er am 13. August 1833 verhört. Dabei gibt er seine Kontakte zur Burschenschaft zwar vorsichtig zu, stellt sich allerdings als ein harmloser Mitläufer dar. Dennoch wird er von Tübinger Universität gewiesen, verliert sein Stipendium und steht fortan unter Polizeiaufsicht. Gnadenhalber wird ihm im Mai 1834 zwar erlaubt, sein Studium in Heidelberg fortzusetzen, doch als er sich im Herbst 1835 zum Rabbinatsexamen anmeldet, wird ihm die Teilnahme wegen des schwebenden Hochverratsverfahrens versagt.

Aus also ist's für ihn mit dem Beruf eines württembergischen Rabbiners, dem 23jährigen ist wegen seines sicher mehr zaudernden als leidenschaftlichen Liebäugelns mit der Revolution die Zukunft verstellt und verbaut. Und es kommt noch schlimmer: Als der "Königliche Gerichtshof“ im Dezember 1836 sein Urteil spricht über die Tübinger Burschenschaftler, muß er für zwei Monate Festungs—Arrest auf dem Hohenasperg. Und mehr als die vage Aussicht, sich vielleicht als Literat durchs Leben zu schlagen, bleibt ihm nicht, als er am 8. März wieder die Frühlingsluft der Freiheit atmet.

Mit literarischen Auftragsarbeiten schlägt er sich nun mehr schlecht als recht durchs Leben. Ein wenig Geld bringt ihm zwar sein "Spinoza“—Roman, halbwegs einträglich ist seine Arbeit als literarischer Kritiker der Zeitschrift "Europa“. Dann aber, im Herbst 1843, erscheinen seine "Schwarzwälder Dorfgeschichten“, und bald ist er alle materielle Not los und auch allen künstlerischen Selbstzweifeln enthoben. Alles kauft, alles liest und fast alles rühmt diese Geschichten aus dem Volksleben. Der 31jährige, der fast Gescheiterte, hat's geschafft. Aber der junge Bestseller—Autor vergißt die Demütigungen nicht, die er wegen seines Engagements für Deutschlands Einheit und Freiheit erleiden mußte. In seinem "Kalender für Stadt— und Landbürger“ wirbt er als "Gevattersmann“ unverzagt für eine neue, bessere Zeit.

Und dann kommt nun tatsächlich dieses Jahr 1848 und eine deutsche Revolution. Das Volk versammelt sich, das Volk bewaffnet sich, das Volk baut Barrikaden. Aber nirgends in diesem Getümmel ist der "Gevattersmann“ zu entdecken. Er sitzt, fern von allem Geschrei und Pulverdampf daheim, in seinem Haus in Heidelberg. Und alles, was sein wahrhaft mitfühlendes Herz bewegt, ist Sorge. Er sorgt sich um seine Frau, die am 4. März einen Sohn geboren hat und nun todkrank im Wochenbett liegt. Die Ärzte, die der jungen Frau bald keine Überlebens-chance mehr geben, behalten recht. Am 4. April stirbt Auguste Auerbach an Herzlähmung.

Zaungast der Wiener Revolution

Ins politische Getümmel flüchtet sich jetzt der 36jährige Witwer nun, um seinen Schmerz zu betäuben. Er reist in seine alte Heimat, um sich als Abgeordneter des Wahlkreises Herrenberg—Horb ins deutsche Parlament wählen zu lassen. Doch ist er dort natürlich nicht der einzige Kandidat. Und bald merkt er auch, daß man in der Heimat nicht gerade auf ihn gewartet hat. So zieht er eine Kandidatur erschrocken wieder zurück. Nun hat ihm also auch die alte Heimat die Aufgabe verwehrt, bei deren Erfüllung er vielleicht seinen tiefen Schmerz um den Tod der geliebten Frau hätte betäuben können. Und wieder einmal weiß er nicht recht, wohin.

Also löst er bald seinen Hausstand in Heidelberg auf und nimmt sein Büble August mit zum Schwiegervater nach Breslau. Auch dort beteiligt er sich an Versammlungen, in denen um die Zukunft Deutschlands gerungen und gestritten wird, und doch bleibt er bei allem Trubel einsam und allein. Und das ist nicht auszuhalten für einen Menschen wie ihn, für diesen Hansdampf der Freundschaft, dessen herzerfrischender Plauderton in allen Salons und Sälen so amüsiert und gefallen hat. "Soll ich weiterleben, und nicht in mir vergehen, muß ich meinen Zustand ändern“, sagt er sich und anderen. Und dann rafft er sich auf zu einer Reise.

"Um sich zu zerstreuen, um zu vergessen“, bricht er am 12. September 1848 auf nach Wien. Der Ausflug läßt sich zunächst auch ganz gemütlich an. Doch mit dieser Gemütlichkeit ist es bald vorbei. Berthold Auer-bach wird Zeuge der aufregenden und turbulenten Ereignisse, die am 6. Oktober 1848 mit der Ermordung des Kriegsministers Latour ihren blutigen Anfang nehmen und noch grausamer enden, als der Fürst Windischgrätz Ende Oktober der Revolution in Wien ein Ende macht.

Als ein mitfiebernder Beobachter streift Auerbach, in dieser Zeit mit "der übergehängten Büchse“ auf der Schulter und einem "Dutzend Patronen und Zünder in der Tasche“ durch die aufgewühlte Kaiserstadt. Und er wird dabei nicht müde, alles, was er sieht, erlebt und erleidet, in sein Tagebuch zu notieren. Von "Latour bis auf Windischgrätz“ wird er bald dieses Revolutionstagebuch aus Wien nennen, das bereits zu Weihnachten 1848 auf dem Markt ist.

So manches Erhellende über das letzte Aufbäumen und das endgültige Scheitern der Wiener Revolution ist auf den 227 Seiten dieses Tagebuchs zu lesen. Aber diese Chronik der Revolution spiegelt in sehr deutlichen Farben auch die Befindlichkeit ihres Verfassers und zeigt einen treuherzigen Romantiker der schönen und menschenfreundlichen Ideen, der es auch mitten im Revolutionsgetümmel nicht wahrhaben will, daß die gerechte Sache in der Wirklichkeit nicht ebenso leicht und glücklich siegt, wie in seiner anrührenden Dorfgeschichte vom "Befehlerles“.

Das kühle, ja vielleicht auch kaltschnäuzige politische Kalkül ist die Sache dieses Zaungastes ganz und garnicht. Seine Stärke ist das Mitbangen und das Mitleiden mit den Menschen oder noch individueller — mit dem Menschenbruder. Und darin zeigt er sich zuweilen nun wirklich couragiert, wie zum Beispiel an jenem 22. Oktober, als ein Trupp Revolutionäre einen als Spion verdächtigen Gefangenen mit sich führt und die aufgebrachte Menge noch vor einer Untersuchung dessen Kopf fordert.

Auerbach als Lebensretter

"Ich trat dazwischen“, erzählt der Auerbach zurecht mit einem Anflug von Stolz in seinem Tagebuch, "und da man mich für einen Studenten hielt, ward mir Gehör und ich konnte den Rasenden bemerklich machen, daß man Niemanden vor der Aburtheilung bestrafen dürfe, gewiß aber nicht gleich ein Todesurteil vollziehen, denn habe man da einen Spion, so müsse man noch mehr von ihm erfahren, sei er aber todt, so könne er nichts mehr berichten.

Das wirkte.“ Das war nicht nur couragiert, das war auch ziemlich raffiniert. Und daß sich der vermeintliche Spion dann bald als harmloser Bote erwies, macht das Ganze umso schöner: Der Schriftsteller als Lebensretter und das allein mit der Kraft der beseelten Rede und mit der Macht der klugen Argumente. Das ist fast schon eine Heldentat der Nächstenliebe.

Auf die Barrikaden allerdings wagt sich der wackere Menschenbruder zur Verteidigung der Revolution dann doch nicht, denn dieser Mensch ist für den Streit mit der Feder und nicht für den Kampf mit der Büchse geschaffen. Und weil er ein grundehrlicher Mensch ist, gibt er das auch unumwunden zu: "Ich gestehe, mir wurde schwindlich auf den hochgehenden Wellen des Revolutionssturmes“, notiert er im Schatten der Barrikaden.

Und er schämt sich aufrichtig seiner Unfähigkeit, am bewaffneten Kampf teilzunehmen angesichts der drohenden Niederlage der Revolution. Doch auch der Schriftsteller erlebt in diesem Kampf bald seine ganz persönliche Niederlage. Und zwar am 9. November, als Windischgrätz, der Held der Reaktion und Totengräber der Revolution, den demokratischen Frankfurter Gesandten Robert Blum von kroatischen Soldaten hinrichten läßt.

"Wo solche Dinge geschehen“, schreibt Auerbach angesichts dieser Ungeheuerlichkeit, "da ist alles Wort verloren, das gesprochene und das geschriebene.“ Dem Chronisten fehlen die Worte, und das nun ist für einen Schriftsteller wahrhaft eine vollkommene Kapitulation.

Revolutionär als Volkserzieher

Mit der Zeit hat Berthold Auerbach dann wieder herausgefunden aus seiner Sprachlosigkeit. Und er hat auch nach dem Scheitern dieser Revolution wieder Gefallen daran gefunden, die Zeitläufte zu kommentieren. Nun aber nicht mehr als Beobachter und Kommentator der laufenden Ereignisse, sondern in dem ihm ureigenen Genre, als Romancier, der den Stoff seiner Romane aus der Gegenwart zog. Zum Beispiel in seinem Roman "Neues Leben“, der zu Weihnachten 1851 in dreibändiger Ausgabe erschien.

In diesem Roman nun erzählt Auerbach die wunderliche Geschichte eines als Volksschullehrer verkleideten Grafen, der sich während der Revolution auf die Seite der Aufständischen geschlagen hat und jetzt das Standgericht fürchten muß. Also versteckt er sich auf dem Land und versucht, seine Ideale nun als Volkserzieher in die Zukunft zu retten. Nur strotzt dieser Idealist von einem Edelmut, daß es selbst einem wohlwollenden Leser von Herzen schwindlich wird über diesem Buch.

Interessant dabei aber ist bei allem süßlichen Selbstlosigkeitsbrei, wie hinter der Kulisse aus Rechtschaffenheit und Idealismus auch schon die kleinen Flämmchen jenes nationalen Chauvinismus aufflackern, die zwei Jahrzehnte später mächtig genug sind, den deutsch—französischen Krieg zu entfesseln. Eine kleine Episode aus dem Roman zeigt das recht deutlich. Sie spielt zur traulichen Weihnachtszeit in der Stube des Dorfpfarrers. Dort wird's diesem sonst so wohlgesitteten Helden Eugen Baumann plötzlich so richtig franzosenfresserisch zumute.

Dabei ist der Anlaß zu dieser nationalistischen Gefühlsaufwallung eingentlich recht harmlos. Eine sangesbegabte Jungfrau gibt ein französisches Liedchen zum besten, das von einem Kind erzählt, das verhungert ist, und von einer Mutter, die diesen Tod nun in ihrer Verzweiflung jammernd beklagt. Doch kaum ist dieses Klagelied verklungen, sieht sich der sonst so menschenfreundliche Eugen Baumann zu einer gar nicht freundlichen Bemerkung genötigt. "Wie innerlich vermo-dert muß eine Bildung sein“, philosophiert er, "in der man die grauenvollsten Schrecken in eine amüsierte Dudelei umsetzt. Gesegnet sei die starke Hand, die diese Mumienwelt in Staub zerfliegen macht . . . “

Knapp 20 Jahre später ist es dann soweit. Die Deutschen marschieren gegen Frankreich. Und unser Berthold Auerbach, der ebenso wie sein alter Weggefährte Ferdindand Freiligrath in markiges "Hurra Germania“—Geschrei ausbricht, wagt sich wieder einmal ins Kampfgetümmel. Das Feldlager des Großherzogs von Baden im Elsaß ist sein nicht allzu kriegsnaher Standort.

Und dort gefällt er sich, mit einer martialischen Soldatenmütze auf dem Kopf und mit einer eine "Anzahl Orden in Miniaturformat“ auf der Brust, als literarischer Kanonier. Doch dann, als er während einer Ausfahrt der Front und damit der Kriegswirklichkeit doch ein ganzes Stück näherkommt, da wird's ihm halt wieder ziemlich schwindlig ums Gemüt. Er packt seine Koffer zur Heimreise. "Wisset se, i baß ebe net doher, so a kleiner Jud onder dene mächtige Offizier ond geschtern . . . geschtern Abends bin i mit `em Großherzog `nausg'fahra ond do hent se en Dode an mer vorbeitraga ond dees kann i amol net verbutza“, antwortete er auf die Frage, weshalb er so eilig aufbreche. Als Papierkrieger war er eben stets recht beherzt, dieser gute Auerbach, die grausame Wirklichkeit aber war ganz und garnichts für sein empfindsames Herz.

Die Augen des Dichters

Nur war auch dieser so zartbesaitete Auerbach in seiner Kriegsbegeisterung, hinter der verheißungsvoll die lang ersehnte Einheit Deutschlands aufleuchtete, nun eben auch dort angekommen, wo so viele Alt—48er mit ihrem schönen Idealismus gelandet oder auch gestrandet sind: Unter der Zufriedenheitskuppel des neuen nationalen Glorienscheins, der endlich über dem geeinten Deutschland strahlte, und vor dem die schöne, aber altgewordene Sehnsucht nach demokratischen Bürgerrechten rettungslos verblaßte. Doch immerhin belebte der Kriegsgewinn bald die wirtschaftliche Konjunktur des nagelneuen deutschen Reichs, und auch den neuen Produktionen aus der Schreibwerkstatt des Berthold Auerbach blieb der Erfolg nicht versagt.

Er konnte nun wieder seinen schönen Traum träumen von der Rechtschaffenheit der kleinen Leute, von einer schöneren und edleren Zukunft und von einer Welt, in der sich der Mensch vollkommen frei und auch schwindelfrei bewegen dürfe. Für Berthold Auerbach war das eine Welt in den milden und herzerwärmenden Farben seines Nordstetter Kindheitsparadieses. Diese erinnerte Wirklichkeit der frühen Jahre dachte er sich ein Leben lang in die Gegenwart hinein, und wenn die Gegenwart nicht danach war, eben in die Zukunft. Aber diese Welt war schon damals eine Welt, die sich wohl leider nur Kinderaugen zeigt. Und natürlich auch Dichteraugen, die jene wunderbare Kraft haben, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie vielleicht einmal werden könnte zum Besten der Menschen und der Welt.

Berthold Auerbach als Vorkämpfer für Deutschlands Einheit und Freiheit
Dichter Portrait - Berthold Auerbach

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.12.1998, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball