Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Tempo 30 für saubere Luft

Beschränkung gilt nun fast in der ganzen Innenstadt

Gedrosselte Fahrweise und weniger abgasreiche Autos in der Stadt: Damit soll die Tübinger Luft besser werden. Für Autofahrer gilt ab sofort in der Innenstadt fast durchweg Tempo 30. Und ab Januar 2013 dürfen nur noch Wagen mit grüner Plakette in die Umweltzone. Zudem wird diese nächstes Jahr voraussichtlich auf die Stadtteile ausgedehnt.

22.11.2012
  • Gernot Stegert

Tübingen. Oberbürgermeister Boris Palmer entrollte gestern auf der Brücke über die Steinlach beim Blauen Turm gut gelaunt ein Transparent. Darauf sind ein blaues Tempo-30-Schild und eine grüne Umweltplakette zu sehen. Die Banner hängen auch an der Kreuzung B 28/Westbahnhofstraße (jeweils eines von zwei Fahrtrichtungen), in der Mohlstraße und an der Calwer Brücke in der Schnarrenbergstraße. Sie sollen Autofahrer auf neue Einschränkungen hinweisen, „damit niemand aus Versehen einen Fehler macht“, wie Palmer sagte. Auf die gestern ebenfalls enthüllten Tempo-30-Schilder wolle man sich nicht verlassen.

Durchfahrt nur noch mit Tempo 30 und Grüner Plakette

© Ziehe 02:00 min

Trotz des blauen Verkehrsschildes auf dem Transparent ist die Tempobegrenzung keine Tübingen-macht-Blau-Aktion des Grünen-Politikers. Sie ist eine Anordnung des Regierungspräsidiums. Was Palmer dankend erwähnte und so kommentierte: „Wir hätten es ohne Anordnung des Regierungspräsidiums nicht gewagt zu tun.“ Gleichwohl rechnet der OB damit, „dass es Diskussionen gibt, das ist bei Verkehrsthemen in Tübingen unvermeidbar“.

Die größere Tempo-30-Zone ist Ergebnis des Luftreinhalteplans für Tübingen. „Jede Maßnahme, die wirkt, muss umgesetzt werden“, erklärte Stephan Czarnecki, Referatsleiter Luftreinhaltung beim Regierungspräsidium Tübingen. Das sei EU-Gesetz, da gebe es keinen Deutungs- oder Handlungsspielraum. „Wir senken mit Tempo 30 nachweislich die Emissionen von Feinstaub und Stickstoffdioxid“, sagte Czarnecki.

Vorausgegangen seien umfangreiche Untersuchungen mit Testfahrten im Sommer 2011 auf den Tübinger Straßen. Sogar die Häufigkeit verschiedener Autotypen – die „Tübinger Flotte“ – sei mitberechnet worden. Ergebnis: Die Feinstaubwerte seien durch Tempo 30 um 3,5 bis 7,0 Prozent gesunken. Czarnecki hofft, dass zumindest die Wilhelmstraße und die Rümelin-straße künftig unter die Grenzwerte kommen. Palmer ergänzte: „Die Mühlstraße ist die Messstelle, aber nicht allein das Problem.“

Zeitgleich sind gestern die Ampelschaltungen umgestellt worden. Die „Grüne Welle“ sei nun bei der neuen Höchstgeschwindigkeit möglich.

Schon lange steht fest, dass ab 1. Januar 2013 nur noch Autos mit grüner Plakette in die Umweltzone fahren dürfen. Ausnahmen – etwa für Handwerker – bleiben zwar wie bisher. Aber wer nur eine gelbe Plakette auf der Windschutzscheibe kleben hat, muss draußen bleiben.

Palmer begrüßte das, anders als früher. Das sei aber kein Meinungswandel. Denn mittlerweile „ist die Umweltzone nicht mehr löchrig wie ein Schweizer Käse“. Erstens weil die Autos mit gelben Plaketten nun erfasst würden. Zweitens weil demnächst Kontrollen möglich seien, die der Oberbürgermeister sogleich ankündigte. Bisher seien diese der Stadt nicht möglich gewesen, weil der Fahrer erwischt werden musste. Das sei für den städtischen Vollzugsdienst nicht möglich gewesen, weil sich keiner auf die Lauer legen wollte und konnte. Der Bundesrat habe mittlerweile jedoch beschlossen, von der Fahrer- auf die Halterhaftung umzusteigen. Ab April 2013 gelte die neue Regelung. Dann können die städtischen Ordnungshüter Knöllchen an PKW ohne grüne Plakette verteilen.

Czarnecki kündigte gegenüber dem TAGBLATT zudem eine Fortschreibung des Luftreinhalteplans und eine wahrscheinliche Ausweitung der Umweltzone auf alle Tübinger Stadtteile an. Diese würden nicht gesondert berechnet. Auch wer vor Ort recht saubere Luft habe, wäre von hohen Gesamttübinger Feinstaubwerten betroffen.

Schon bisher galt auf vielen Straßen Tübingens Tempo 30 – etwa in der Hechinger Straße, der Mühlstraße und der Gartenstraße. In den Wohnstraßen ohnehin. Jetzt kommt ein großes Gebiet hinzu. In der Mitte liegt der Einbahnstraßenring um den Alten Botanischen Garten. Doch die Tempo-30-Zone reicht weiter. Sie beginnt in der Weststadt an der Kreuzung B 28/Westbahnhofstraße, geht über Kelternstraße und Am Stadtgraben in die Wilhelmstraße. Erst ab Höhe Kep-lerstraße darf wieder 50 Kilometer in der Stunde gefahren werden. In umgekehrter Richtung beginnt die langsame Fahrweise bereits in der Mohlstraße, führt über die Hölderlin- und die Rümelin-straße in die Herrenberger Straße, dort jetzt auch links ab in die Belthlestraße und von dort bis an die Weststadt-Kreuzung. Im Schlossbergtunnel gilt seit einiger Zeit Tempo 50 und nicht mehr 60.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.11.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball