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Besser tot als lebendig?!

Der kleine Emil hat schon so oft nachts gestrampelt, die ersten Spielzeugklötze sind gekauft und der hellblaue Strampler liegt bereits im Kleiderschrank. Wer glaubt, dass eine werdende Mutter, die sich nach der zwölften Woche zu einer Abtreibung entschließt, diese Entscheidung leichtfertig und eigensinnig trifft, hat gewiss ein falsches Bild von schwangeren Frauen. Ein Entschluss diesen Ausmaßes erfordert viel von einer Frau. Sie muss sich nicht nur vor dem Kind, dem Vater und dem sozialen Umfeld verantworten, sondern, am allerwichtigsten, vor sich selbst.

25.09.2012

Das Deutsche Gesetz bietet einer Schwangeren in dieser Situation beides: Entscheidungsfreiheit und eine ärztliche Beratung. Und wenn nach einer dreitägigen Bedenkzeit tatsächlich „eine Gefahr für das Leben oder die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren“ besteht, welche nur durch einen Schwangerschaftsabbruch abgewendet werden kann, bleibt eine Spätabtreibung in Deutschland straffrei. Das bedeutet, dass eine Frau in Deutschland ihr schwer behindertes Kind abtreiben darf, wenn für sie, auch angesichts sozialer und finanzieller Umstände, die Geburt und das Leben mit Kind unzumutbar erscheinen.

Entscheidungsspielraum der Frau ist notwendig

Der Entscheidungsspielraum, den das Gesetz lässt, ist notwendig, um auf spezifische Situationen und individuelle Verhältnisse, wie sie bei den Abtreibungen nach der zwölften Woche (knappe drei Prozent der Abtreibungen in Deutschland in 2011) geherrscht haben, entsprechend reagieren zu können. Und um für jeden einzelnen Fall angemessene und nicht pauschal verpflichtende Entscheidungen durch eine Verschärfung des Gesetzes zu treffen.

In jedem einzelnen Fall muss abgewogen werden: zwischen den Interessen des Fötus und denen der Mutter. Zumindest im Fall einer lebensgefährlichen Situation für Mutter (und Kind) sollte die Abwägung zugunsten eines voll entwickelten Menschen inklusive sozialem Umfeld im Vergleich zu einem begrenzt empfindungsfähigen Embryo angesichts der Forschungen nicht sonderlich schwer fallen: „Vor der 26. Woche ist die Großhirnrinde nicht funktionsfähig“, schreibt etwa die britische Neurobiologin Maria Fitzgerald. „Deshalb ist es unzutreffend, von einer ,Wahrnehmung‘ oder einer ‚bewussten Reaktion‘ des Fötus zu sprechen.“

Die Praxis muss man mitbedenken

Für die schwierigere Situation, in der keine Gefahr für die leibliche Gesundheit der Mutter besteht, aber die Schwangerschaft abgebrochen werden soll, weil ein schwer behindertes Kind der Mutter als unzumutbare Belastung erscheint, muss man einen Blick auf die Praxis werfen: Selbst falls das Gesetz zugunsten der Rechte des Fötus verschärft würde, hätte das wohl wenig Einfluss auf die Entscheidung vieler Schwangeren: Es ist immer möglich, für eine Abtreibung ins Ausland zu gehen – wo die Bedingungen teilweise deutlich schlechter und somit risikoreicher sind.

Und zuletzt ist es wichtig zu fragen, wie sinnvoll es wirklich ist, eine Frau zur Geburt eines schwer behinderten Kindes zu zwingen, von dem sie selbst sagt, dass es eine Gefahr für ihre seelische Gesundheit darstellt. Zu fragen, ob es nicht besser sein kann, die Schwangerschaft, wenn auch im fortgeschrittenen Stadium, abzubrechen. Eine Verschärfung des Gesetzes würde selbst dann wohl niemanden glücklich machen. Nicht die Schwangere, die zur Geburt eines schwer behinderten Kindes gezwungen wird, welches ihr als unzumutbare Belastung erscheint. Und auch nicht das Kind, das im schlimmsten Fall entweder ohne Familie aufwächst oder an eine Familie gebunden ist, in der es nicht nur unerwünscht ist, sondern auch als Ballast betrachtet wird.Samuel Wörz, 18

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25.09.2012, 12:00 Uhr

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