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Billig alleine reicht nicht · Discounter verlieren Umsatz

Besserer Service: Kundentoilette und Tankstelle für E-Autos

Während das Geschäft der klassischen Supermärkte boomt, leiden die Billiganbieter unter Umsatzrückgängen. Doch ein Abgesang wäre verfrüht. Aldi, Lidl und Co. sind gerade dabei, sich neu zu erfinden.

06.11.2015
  • ERICH REIMANN, DPA

Düsseldorf Billig alleine reicht nicht mehr. Das spüren Deutschlands Discounter immer deutlicher. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) büßten die Billiganbieter allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres 0,8 Prozent Umsatzvolumen ein. In den "klassischen Supermärkten" lief das Geschäft dagegen bombig.

Die einst erfolgsverwöhnten Billigheimer leiden unter akutem Kundenschwund. "Käuferverluste sind einer der Hauptgründe für die anhaltende Umsatzschwäche dieser Vertriebsschiene", bilanziert die GfK. Daran habe auch der von den Discountern zuletzt angezettelte Preiskampf bei Markenartikeln nichts ändern können.

Dennoch wäre ein Abgesang auf die Billiganbieter verfrüht. Denn Aldi, Lidl und Co. sind gerade dabei, sich im Kampf um die immer anspruchsvoller werdenden Kunden neu zu erfinden. Das spiegelt sich im Ladendesign, im Warenangebot, aber auch im Umgang mit den Kunden.

Lange vorbei ist die Zeit, in der es für die Discounter ausreichte, in einem kargen Laden günstige Ware in vernünftiger Qualität aufzutürmen. Inzwischen investieren Aldi und Co. Millionen in ihr Image und in Serviceangebote, die Discount-Manager alter Schule als überflüssige Spielereien abgetan hätten.

Eine Folge: Die Läden werden immer aufwändiger. "Sowohl Aldi als auch Lidl erproben derzeit Formate, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären" urteilt das Fachblatt "Lebensmittel Zeitung". So präsentiere sich die gerade eröffnete Filiale von Aldi Süd in Karlsdorf-Neuthard bei Karlsruhe nicht nur in neuem Design mit hellem Holz, sondern biete mit einer Kundentoilette und einer Sitzbank mit Kaffeeautomat auch einen bislang nicht üblichen Service.

Und in Lidls neuesten Märkten im italienischen Verona erinnert erst recht kaum noch etwas an klassische Discounter-Ästhetik. Das Design orientiert sich unübersehbar an dem klassischen Supermärkten - und zwar nicht an den billigsten. Selbst eine Wickelecke für Kleinkinder ist vorhanden.

Auch das Warenangebot der Discounter ist seit Jahren im Wandel. Backstationen, Frischfleisch und Fisch aus der Kühltheke sowie immer mehr Markenartikel in den Regalen sollen für die Kunden den zusätzlichen Besuch im Supermarkt überflüssig machen - und setzen nebenbei Bäckern und Metzgern zu.

Zudem beschränkt sich die Werbung längst nicht mehr auf großformatige Zeitungsannoncen und Handzettel mit Aktionsangeboten. Lidl investierte in diesem Jahr Millionen in Fernsehwerbespots, die auch das Image des Unternehmens aufwerten sollten. Aldi Süd bietet den Kunden an rund 50 Filialstandorten die Möglichkeit, ihre Elektroautos kostenfrei an Schnellladestationen aufzufüllen.

Verstärkt wendet sich das Unternehmen auch der Zielgruppe Kinder zu: Mit Sammelkarten und neuerdings auch mit der Website aldilino.de, auf der nach Unternehmensangaben "kindgerechte Unterhaltung bei gleichzeitiger Wissensvermittlung" für Kinder von fünf bis zwölf angeboten werden soll. Das Unternehmen will damit offenbar Kinder und junge Familien wieder stärker an sich binden. Für Jugendliche bietet der Discounter in Zusammenarbeit mit dem Streaming-Anbieter Napster für kleines Geld einen Musik-Dienst.

Fazit: Auch wenn sie im Moment eine Schwächephase haben: Niemand sollte die Discounter unterschätzen.

Besserer Service: Kundentoilette und Tankstelle für E-Autos
Ein Beispiel für die Service-Offensive: An 50 Filialen bei Aldi Süd können Kunden kostenlos ihr Elektroauto mit Strom auftanken. Foto: dpa

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06.11.2015, 12:00 Uhr

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