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Bestatterin Julia Friedrichson informierte beim Empfinger Frühstück
Sterben gehört zum Leben

Bestatterin Julia Friedrichson informierte beim Empfinger Frühstück

Beim jüngsten Empfinger Frühstück ging es um Themen, die von manchen Menschen verdrängt werden, denen aber niemand entrinnen kann – Sterben und Bestattung. Die Horber Bestattungsmeisterin Julia Friedrichson gab Einblick.

25.11.2015
  • WERNER BAIKER

Empfingen. Jeder geht mit der Trauer anders um, aber sie braucht Platz im Leben der Hinterbliebenen, wenn jemand gestorben ist. Und es gibt neben der Trauer noch Dinge, die getan werden müssen, bevor man den Verstorbenen auf den letzten Weg begleitet. Das Bestattungsunternehmen berät hier die Hinterbliebenen und nimmt ihnen vieles ab, an was in diesem Moment alles zu denken ist.

Julia Friedrichson betonte , dass viele Menschen zu Lebzeiten nicht über die eigenen Tod sprechen wollen, dabei wäre es sinnvoll, sich vorher zu informieren und mit den Lieben in der Familie zu klären, was der letzte Wunsch ist. Am Besten sei eine Beratung zusammen mit der Familie. Die Bestatterin spricht hier aus Erfahrung, denn im Todesfall sind sich die Angehörigen nicht immer einig, welche Bestattung im Sinne des Verstorbenen richtig ist.

Auch sollte mit den Kindern geklärt werden, in welcher Grabform man bestattet werden will. Immer häufiger wollen sich Personen anonym bestatten lassen, um den Kindern keine Grabpflege aufzubürden. Dabei werde vergessen, dass die Hinterbliebenen einen festen Platz für die Trauer brauchen.

Der Bestatter, seit zehn Jahren ein Ausbildungsberuf, informiert bei der Beratung über alles und es kann auch schon zu Lebzeiten mit dem Bestattungsunternehmen ein Vertrag geschlossen werden, der alles regelt.

Für das Abschiednehmen vom Verstorbenen gibt es für die Angehörigen die Aufbahrung des Toten in der Leichenhalle. Das Bestattungsunternehmen bietet aber auch einen eigenen Trauerraum in Horb an, in dem auch auf Wunsch ein Mitarbeiter anwesend ist. Nach wie vor ist es aber auch weiterhin möglich, den Verstorbenen zuhause aufzubahren lassen, wie früher.

Die Frühstücksteilnehmer hatten vielerlei Fragen an Julia Friedrichson. Was kostet eine Beerdigung? Hier nahm Julia Friedrichson als Vergleich den Autokauf. Die Preisspanne nach oben kenne keine Grenze. Weiterhin gelte es zu unterschieden zwischen den Kosten beim Bestatter und den Kosten für die Grabstelle und andere Formalitäten. Sie empfahl, sich ein Angebot machen zu lassen, denn es gibt viele Möglichkeiten, dieser traurigen Stunde eine nachhaltig positive Erinnerung zu verleihen.

Auch das Thema Krematorium blieb bei den Fragestellern nicht außen vor. Das Bestattungsunternehmen arbeitet mit einem Krematorium in Rutesheim zusammen (die SÜDWEST PRESSE besuchte dieses und berichtete darüber, als es die Anfrage nach einem Krematorium in der „Alten Kaserne“ gab). Die Einäscherung dauert ungefähr 90 Minuten. Künstliche Ersatzteile, mit Ausnahme des Herzschrittmachers kommen aber nicht in die Urne. Ein Beisein der Angehörigen, die Einäscherung zu begleiten, wird zwar angeboten, aber so gut wie nicht genützt.

Es gab noch unzählige Fragen, von muslimischer Bestattung, über Friedwald oder Kleidung des Verstorbenen und Sargbeigaben, hier wird der Wunsch der Angehörigen berücksichtigt, solange er sich im gesetzlichen Rahmen bewegt.

Dass man beim Thema Sterben auch Lachen oder Schmunzeln kann, wurde im evangelischen Gemeindehaus auch deutlich. Julia Friedrichson erzählte von einem Fall in Heidelberg, wo beim Toten ein kleines Bierfässle entdeckt wurde, das ihm Freunde heimlich beigelegt hatten, weil er zu Lebzeiten ein leidenschaftlicher Biertrinker war.

Das Thema Sterben gehört zum Leben und ist ein täglicher Begleiter. Darum war es schön, das trotz einer gewissen Mulmigkeit so offen darüber gesprochen werden konnte. Der Referentin gelang es, einfühlsam zu vermitteln, dass Sterben in den Köpfen kein Tabuthema mehr sein darf – und hatte während ihres Vortrages eine ganze Zeit lang ihr munteres Töchterchen Klara auf dem Arm.

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25.11.2015, 01:00 Uhr

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