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Geschichte

Bestseller wider Willen

Binnen eines Jahres ist die wissenschaftliche Edition von „Mein Kampf“ 85 000 Mal verkauft worden.

04.01.2017
  • DPA

München. Vor der „Büchse der Pandora“ hatte die Vorsitzende der Israelitschen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, gewarnt, bevor die kommentierte Ausgabe von Adolfs Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“ veröffentlicht wurde. Ein Jahr danach ist die kritische Edition des Institutes für Zeitgeschichte ein Bestseller. 85 000 Exemplare wurden nach IfZ-Angaben verkauft, Ende Januar erscheint die sechste Auflage des Buches, das Hitlers Machwerk mit wissenschaftlichen Kommentaren versieht.

Im April 2016 schaffte es das Buch auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste – und das, obwohl ein Bestseller nie geplant war. „Diese Verkaufszahlen haben uns überrollt“, sagt Institutsdirektor Andreas Wirsching. An 70 Veranstaltungen zum Thema haben Mitarbeiter des Institutes teilgenommen – auch im Ausland.

Vor rund zwei Monaten haben Projektleiter Christian Hartmann und sein Team den mit 50 000 Euro dotierten Wissenschaftspreis „Gesellschaft braucht Wissenschaft“ erhalten. „Die Publikation zeigt Hitlers Falschaussagen und Verdrehungen auf“, heißt es in der Begründung. Sie „korrigiert sachliche Fehler und erläutert den zeitgenössischen Kontext“.

Das Institut selbst fasst zusammen: „Es gab keine Strafanzeigen gegen die kritische Edition des IfZ, keine Propaganda-Aktionen von rechter Seite und auch keine durchschlagenden Kampagnen rechtsgesinnter Verlage, unmittelbar nach Ablauf des Urheberrechts ,Mein Kampf' auf den Markt zu bringen.“

Eine unrühmliche Ausnahme bildet nur der rechte Verlag „Der Schelm“, der ankündigte, Hitlers Originaltext ungekürzt und „ohne lästige Kommentare von Gutmenschen“ nachdrucken zu wollen und das Buch auf seiner Homepage bewirbt. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig wegen des Tatvorwurfs der Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Viele Lehrer als Käufer

Eine Buchhändlerin aus Forchheim hatten den Schelm-Nachdruck von „Mein Kampf“ ebenfalls im Internet beworben. Die Polizei fand bei ihr Bestelllisten. Sie wurde zu einer Geldstrafe von 4000 Euro verurteilt.

Das Ziel, solchen Vorhaben den Wind aus den Segeln zu nehmen, sieht Wirsching mit der wissenschaftlich kommentierten Ausgabe erreicht. „Es wäre unverantwortlich gewesen, diesen Text vagabundieren zu lassen.“ Die Käufer „sind keine Ewiggestrigen oder gar Rechtsradikale“, sondern seien vielmehr politik- und geschichtsinteressierte Leser. Viele Lehrer seien darunter. dpa

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04.01.2017, 06:00 Uhr

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