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Besucherandrang beim achten Mössinger Apfelfest
Halbmarathonläufer am Fuße des Farrenbergs – darunter Dieter Schneider, Vorsitzender der LG Steinlach (zweiter von rechts).
Apfel in der Hauptrolle

Besucherandrang beim achten Mössinger Apfelfest

Erst wenige Minuten hatte das Apfelfest geöffnet, da waren die Straßen rings um das Pausa-Quartier längst zugeparkt. Die Sonne lockte gestern unzählige Besucher in die Innenstadt. Zum achten Mal feierte Mössingen das heimische Streuobst.

05.10.2014
  • Susanne Wiedmann

Mössingen. „Es war traumhaft“, schwärmte Dieter Schneider. Und fügte gleich hinzu: „Wir haben es verdient.“ Beim dritten Apfellauf hatten die über 100 Läuferinnen und Läufer endlich trockenes, noch dazu sonniges Wetter. In den vergangenen beiden Jahren waren sie pitschnass auf den Mössinger Löwensteinplatz zurückgekehrt. „Heute war es sehr gut zu laufen“, sagte Schneider, der Vorsitzende der LG Steinlach. Der Weg entlang des Albtraufs sei bereits abgetrocknet gewesen. Und erstmals hatten die Apfelläufer vom Panoramaweg aus auch einen Panoramablick.

30 Halbmarathonläufer waren gestartet. Bei 750 Höhenmetern ist die Strecke anspruchsvoll und anstrengend. Wer sich das nicht zutraute, wählte zwischen elf Kilometer Laufen, zehn, sieben oder fünf Kilometer Walking. Keine Zeit wurde erfasst, weil der Apfellauf kein Wettkampf sein soll. Naturgenuss, Eindrücke und Ausblicke zählen. „Die Stimmung war toll“, sagte Schneider euphorisch und applaudierte den Teilnehmern, die ins Ziel liefen.

Als die Halbmarathonläufer gegen Mittag zurückkehrten, waren auf dem Löwensteinplatz längst alle Bierbänke belegt und die hungrigen Besucher mussten sich gedulden, bis ihnen Wurst und Steak, Apfelflammkuchen und Crêpes gereicht wurden. „Das ist ja wie auf einem Volksfest“, rief ein Besucher.

An den rund 40 Ständen wurde verkauft, was aus Streuobst hergestellt worden war: Gelees, Schnaps, Dörrobst, Säfte. Der Nabu verarbeitete die Äpfel an einer historischen Apfelpresse. Wer mochte, konnte den frischen Saft gleich probieren. Oder im Kanister nach Hause tragen. Die Klasse 4c der Mössinger Gottlieb-Rühle-Schule verkaufte Apfel-Vanille-Marmelade und Apfelwaffeln. „Das Obst wird frisch reingerieben“, erklärte Alessia. Dennis und Marcel erzählen, dass sie die Marmelade in der Schule selbst gekocht haben – mit Lehrer und Eltern. „Es war nicht schwierig“, fand Marcel.

Erstmals war die Grüngruppe der AIS (Arbeit in Selbsthilfe) vom Bodelshäuser Kastanienhof auf dem Apfelfest, in der körper- und mehrfachbehinderte Menschen arbeiten. Sie boten selbst hergestellte Produkte an – wie etwa die Holzvasen, die sie aus Restmaterialien der Baumpflege fertigten. Denn die Gruppe erledigt auch Gartenarbeiten. „Die Nachfrage ist da“, sagte Marcus Hölz, Leiter des Projekts Streuobst. Am Morgen erhielten sie bereits mehrere Aufträge für die Gartenpflege.

Oberbürgermeister Michael Bulander lobte die engagierten Bürger und Vereine, die sich für den Erhalt der Streuobstwiesen einsetzen. „Das höchste Lob“ gehörte dem Netzwerk Streuobst für die Organisation der Apfelwoche und des Apfelfests. Dass Mössingen dem Streuobst nicht nur ein Festtag, sondern eine ganze Festwoche schenke, sei ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt, habe Netzwerker Uli Eder recherchiert. „So was gibt es sonst nirgendwo“, dass Unternehmen, Institutionen, Vereine, Stadt und Schulen, Kindergärten, Kino und Künstler sich mit Aktionen rund um den Apfel für die Streuobstlandschaft einsetzen.

Die VR Bank Steinlach-Wiesaz-Härten sponserte einen Freischneider und einen Hochentaster für das Modellprojekt zur Biomassenutzung „Energiebündel und Flower Power“. An Streuobstbewirtschafter sollen diese verliehen werden, wie Sabine Mall-Eder erklärte.

Immer mehr junge Familien pachten städtische Allmandteile, berichtete Hans Wener vom Netzwerk Streuobst und Vorsitzender des OGV Mössingen. Und wer Obsthochstämme auf Streuobstwiesen neu pflanze, erhalte pro Baum einen Zuschuss des Landes von 15 Euro. So könnten Lücken in der Streuobstlandschaft gefüllt und überalterte Bäume ersetzt werden. „Bei uns muss man nur noch zehn Euro pro Baum bezahlen“, sagte Wener. „Und der Bedarf ist da.“ 350 Bäume – Apfel, Kirschen, Birnen – hat der OGV Mössingen dieses Jahr bereits verkauft. Oft alte Apfelsorten wie Gewürzluike und Goldparmäne. Sie wurden auch in der Tonnenhalle präsentiert. Rund 100 Apfel- und Birnensorten waren ausgestellt. Dort lag die saftige Goldrenette von Blenheim neben der Goldparmäne. Nicht weit entfernt waren der süßsäuerliche Himbeerapfel, der rotbackige Kardinal Bea und Kaiser Wilhelm aufgetischt.

Besucherandrang beim achten Mössinger Apfelfest
Zur Mittagszeit waren alle Sitzplätze auf dem Löwensteinplatz im Pausa-Quartier voll belegt. Bilder: Rippmann

Zum Apfelfest veranstaltete der Mössinger HGV zum zweiten Mal einen Regionalmarkt sowie einen verkaufsoffenen Sonntag. „Es hat alles gepasst, es war ganz arg gelungen“, fand HGV-Mitglied Hildegard Speidel von „Speidel Dessous“. Aber der Regionalmarkt sei noch „ausbaufähig“. Sie werde sich dafür einsetzen, dass es die Verbindung von Apfelfest, Regionalmarkt und verkaufsoffenem Sonntag auch im nächsten Jahr gebe, kündigte Speidel an. Dafür möchte sich auch HGV-Mitglied Ralf Thaler von „Optik Nill“ stark machen. Er fand, der verkaufsoffene Sonntag lief besser als im vergangenen Jahr. „Durch das Wetter war die Frequenz deutlich höher.“

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05.10.2014, 12:00 Uhr

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