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Wenn in Ammerbuch Montag Sonntag ist

Betreuungsnachmittag für Ältere und Demenzerkrankte

Kaffeetrinken, Spaziergänge, Singen und Gymnastik: Einmal in der Woche treffen sich in Altingen ältere oder demenzkranke Menschen aus ganz Ammerbuch. Jetzt sucht die Diakoniestation Ehrenamtliche für den Betreuungsnachmittag.

06.02.2010
  • Uschi Hahn

Altingen. Die Kaffeetafel im evangelischen Gemeindehaus in Altingen ist festlich gedeckt. Dicke Kerzen stehen auf dembestickten Leinentuch. Es gibt Stachelbeertörtchen mit Joghurtcreme oder Hefegebäck. Es ist Montag. Aber alles dreht sich um den Sonntag.

Was denn besonders am Sonntag sei, fragt Mara Weiand in die Runde. Die fünf Frauen am Tisch müssen überlegen nicht lange. Kuchen gebe es, und zwar „immer mit dem Belag, den man hat“, sagt eine. „Und wenn man nix hat, dann macht man einen gerührten Kuchen“, ergänzt eine andere. „Oder es gibt Hefekranz“, meint eine dritte.

Kuchen bäckt von den fünf Frauen wohl kaum mehr eine selbst. Aber das Backen und Kochen bestimmte ihr Leben. Daran können sie sich gut erinnern – auch wenn sie im Alltag immer vergesslicher werden.

Mara Weiand – einer der beiden hauptamtlichen Fachkräfte, die sich wöchentlich abwechseln – überlegt sich für jeden Betreuungsnachmittag ein anderes Thema, um ihre Schützlinge zum Erzählen zu bringen. Es sind viele Geschichten, die sich die Frauen im Alter zwischen 80 und 85 da berichten. Bei Hildegard Döttling aus Entringen zum Beispiel gab es jeden Sonntag um 9 Uhr Familienfrühstück. Zu den Kindern habe ihr Mann immer gesagt: „Ob ihr danach wieder ins Bett geht, ist mir egal.“ Am Sonntagnachmittag wurde bei Döttlings das Wachstuch gegen ein „echtes Tischtuch“ ausgetauscht. Zu Kaffee und Kuchen brachten die Kinder Freunde und Freundinnen mit. „So hat man sich kennen gelernt“, erinnert sich die Entringerin.

Lebhaft wird über den Sonntagsbraten geredet, über Kartoffelsalat und Spätzle, die es dazu gab. „Alles selbstgemacht“, wie die schwäbischen Hausfrauen stolz betonen. Und der Nachtisch? „Wenn man Glück hatte, gab‘s einen Pudding, wenn‘s ganz gut war, gab‘s ein Eis“, berichtet Rita Norz aus Poltringen. „Wir haben noch gewusst, wann Sonntag ist“, sagt Hilde Brendle aus Entringen mit einem tiefen Seufzer.

Mit am Tisch sitzt Margareta Belser. Die 66-jährige lebt erst seit eineinhalb Jahren in Altingen. Früher hat sie in der Altenpflege gearbeitet. Als die Ammerbucher Diakoniestation im Spätsommer nach ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für den Betreuungsnachmittag suchte, hat sie sich gemeldet. „Es macht Spaß“, sagt sie kurz und bündig. „Ich mag alle miteinander und freu’ mich, wenn sie kommen.“

Zugewandtheit und Offenheit

Mit „alle“ ist auch Wolfgang Pöhlmann gemeint. Am Gespräch beteiligt er sich nicht. Und doch ist auch die Vergangenheit des emeritierten Theologieprofessors präsent: Weiand hat eine CD mit Pöhlmanns Lieblingsmusik eingelegt: jüdische und griechische Volksweisen. Während die anderen Erinnerungen austauschen, wandert der Entringer Emeritus herum und doziert leise vor sich hin. Ganz versunken in seiner eigenen Welt. Elisabeth Schneck hat stets ein Auge auf den dementen Mann, fasst beruhigend seine Hand, geleitet ihn zurück zum Stuhl. Sie gehört nicht zum Team der Ehrenamtlichen, sondern ist eingesprungen. Aus dem Betreuerkreis fallen drei Mitarbeiterinnen wegen Krankheit länger aus. Sich in der Altenarbeit zu engagieren, ist für Schneck selbstverständlich: „Wir werden ja alle älter, und man kriegt so viel zurück.“ Als Voraussetzung für die Mitarbeit in der wöchentlichen Betreuung der älteren und dementen Menschen nennt Schneck „Zugewandtheit und Offenheit“. Die müsste „man schon mitbringen“.

Fürs Konzeptionelle sind dagegen Mara Weiand und ihre Kollegin zuständig. Und ein bisschen auch die Betreuten. Zum Beispiel, wenn es ums Singen geht: Da bestimmen sie das Programm. „Ein Männlein steht im Walde“, wünscht sich Hildegard Döttling. „Hoch auf dem gelben Wagen“, wählt Lise Maier aus Pfäffingen, als sie an der Reihe sind. Alle singen mit. Selbst Wolfgang Pöhlmann hält in seinem Herumwandern inne und summt mit.

Info

Wer Interesse an der Mitarbeit in der Betreuungsgruppe hat, kann sich an Ingrid Bückle von der Beratungsstelle für ältere Menschen und deren Angehörige in Ammerbuch wenden. Telefon 0 70 73 / 9 15 31 53, E-Mail: iav-stelle.ammerbuch@web.de

Betreuungsnachmittag für Ältere und Demenzerkrankte
Im Altinger evangelischen Gemeindehaus werden einmal in der Woche von 14.30 bis 18 Uhr ältere oder demenzerkrankte Menschen aus Ammerbuch betreut. Für den Betreuungsnachmittag, der auch pflegende Angehörige entlasten soll, werden ehrenamtliche Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter gesucht. Bild: Sommer

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06.02.2010, 12:00 Uhr

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