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Der Trend zum Hochschulstudium macht der Handwerks- sowie der Industrie- und Handelskammer zu schaffen

Betriebe suchen geeignete Lehrlinge

Jugendliche haben weiter gute Chanen, geeignete Lehrstellen zu finden. Auch im Ausbildungsjahr 2014/15 gab es mehr offene Stellen als Bewerber.

13.11.2015
  • Maik Wilke

Reutlingen. „Der Ausbildungsmarkt ist weiterhin ein Bewerbermarkt“, bilanzierte Wilhelm Schreyeck, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Reutlingen, bei der gestrigen Pressekonferenz. Im Agenturbezirk, der die Landkreise Reutlingen und Tübingen umfasst, wurden bis Ende September 3069 Stellen gemeldet – 2729 junge Menschen waren lediglich auf der Suche nach einer Lehre. In Reutlingen war der Trend ganz extrem: 1,7 Prozent mehr gemeldeten Ausbildungsplätzen steht ein Minus von 5,4 Prozent an Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber. „Wir dürfen keinen Bewerber verloren geben“, erklärt Schreyeck und nimmt Bezug auf Flüchtlinge, Menschen mit Handicap und Studienabbrecher.

Der Mangel an potenziellen Lehrlingen veranlasse Betriebe, schneller zu agieren und auch schwächeren Kandidaten eine Lehre anzubieten, erklärt Rainer Neth, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Reutlingen. „Die Firmen werden mutiger, weil sie es sein müssen..“ Generell werde auf Fördermaßnahmen wie dem einjährigen Betriebspraktikum bei der Einstiegsqualifizierung verzichtet.

Insgesamt ist Neth aber mit der Bilanz der HWK zufrieden. Gegenüber dem Vorjahr werde mit 2716 abgeschlossenen Verträgen ein Plus von 4,3 Prozent verzeichnet (wir berichteten). „Aber wir haben nach wie vor freie Plätze in unserer Börse, die wir nur schwer vergeben können.“ Spürbar sei hier der Trend zur akademischen Ausbildung an Universitäten und Hochschulen. „Das ist leider schon feststellbar. Aber Abbruchquoten an den Hochschulen sprechen nicht dafür, dass dieser Weg für jeden mit Erfolg gekrönt ist.“

Ähnlich sieht das Petra Brenner, Bereichsleiterin Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Reutlingen. Bis zum 31. Oktober registrierte die IHK 2553 neue Lehrverträge – 124 weniger als im Vorjahr. Verluste seien vor allem bei den Industriekaufleuten zu vermerken: „Junge Menschen strömen ins duale Studium. Das sorgt dafür, dass große Betriebe überlegen, die Lehre zur Industriekauffrau oder Kaufmann gar nicht mehr anzubieten, sondern nur noch duale Plätze.“ Ein weiteres Sorgenkind bliebe laut Brenner der Bereich Hotel und Gastronomie mit einem Rücklauf von 32 Prozent. „Dort gibt es nicht die besten Arbeitsbedingungen. Den Jugendlichen wird viel abverlangt.“

Flüchtlinge in den Markt zu integrieren, sei im Ausbildungsjahr 2014/15 kein großes Thema gewesen, sagt Schreyeck. „Wir sprechen von einer Handvoll Leuten, die eine Stelle gefunden haben. Aber im neuen Jahr wird diese Zahl rasant ansteigen.“ Daher haben sich sowohl die Agentur für Arbeit als auch die beiden Kammern für Förderprogramme von Land und Bund beworben, die den Einstieg der Flüchtlinge in Betriebe vereinfachen sollen.

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13.11.2015, 12:00 Uhr

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