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Bauarbeiten im Fahrplantakt

Betzinger Bahnunterführung erhielt eine Behelfsbrücke

Beginn der Bauarbeiten: Freitag um 23.30 Uhr. Ende: Sonntag um 12.10 Uhr. Der Bau der Betzinger Behelfsbrücke hat einen strikten Zeitrahmen. Sie war erforderlich geworden, damit die Widerlager der Brücke saniert werden können. Sie stammen aus dem Jahr 1905.

10.12.2012
  • Fred Keicher

Reutlingen. Dieses Wochenende war das Gleis Richtung Reutlingen dran. Am Samstag um 18 Uhr hatte der Eisenbahnkran das Brückenteil auf die Widerlager gehoben. Die Behelfsbrücke hat eine Spannweite von 14,40 Metern und wiegt etwa 32 Tonnen.

„Für Eisenbahnverhältnisse ist das nicht viel“, sagt Bauingenieur Micha Müller, der Chef auf der Betzinger Baustelle. Der Gleisbauer arbeitet bei der Göppinger Niederlassung der Baufirma Leonhard Weiss. Von deren 3500 Mitarbeitern arbeiten 700 im Gleisbau, zehn Niederlassungen dafür hat die Firma in Europa.

Der alte Überbau der Brücke liegt jetzt drüben neben dem Bahnhofsgebäude. Die schwarze Wanne wiegt zwar auch nicht viel mehr, sie wird aber mit Schotter gefüllt. Das sind immerhin 55 bis 60 Tonnen. Überbau nennen die Eisenbahner die Wanne auch, wenn sie unter den Gleisen liegt. Diese hier stammt wohl von 1935, die Widerlager und die Betonteile der Brücke drunter aus dem Jahr 1905.

Das begründe aber keinesfalls den Verdacht, dass alles marode sei, sagt Sven Augustin, der als Bauingenieur bei der Firma Augeon für die Bodenuntersuchungen zuständig ist. So ein Bauwerk werde über 75 Jahre abgeschrieben und danach regelmäßig untersucht.

Müllers Schicht geht an diesem eiskalten Tag zu Ende. Er wird am Sonntagmorgen um acht Uhr wieder antreten. In der Nacht wird weitergearbeitet. Zwischen den beiden Gleisen und am Rand wird eine Art Holzbalkon eingezogen, das sind Fluchtwege für alle Fälle. In der Nacht um halb drei kommt die Gleistopfmaschine. Die ist „groß, gelb und laut“, sagt Müller. Sie richtet das Schotterbett, damit die Übergänge in den Behelfbauteil möglichst sanft passieren.

„Das kann man auch überhören, wenn man es gewohnt ist“, sagt Müller, als eine nervenerschütternde Pfeife durch die Nacht gellt und einen Zug auf dem Nachbargleis ankündigt. Seine Männer arbeiten ungerührt weiter. Den Anliegern der lärmigen Bauarbeiten hat die Bahn Hotelzimmer angeboten.

Um halb zehn am Sonntagmorgen beginnen die Schweißarbeiten. Die beiden am Freitagabend herausgetrennten Gleisstücke werden wieder eingebaut. Sie sind ungefähr 25 Meter lang. Das Wort ungefähr ist hier angebracht. „Als wir sie Freitagnacht herausgetrennt haben, hat es hörbar einen Knall gegeben. Und sie waren zwei Zentimeter kürzer“, erzählt Müller. Durch die Temperaturschwankungen stehen die Gleise unter einer enormen Spannung. Bevor sie wieder eingebaut werden, müssen sie auf 23 Grad erwärmt werden. Dann passen sie in die Lücke.

Um 12.10 Uhr ist die Baustelle wieder geräumt.

Betzinger Bahnunterführung erhielt eine Behelfsbrücke
Bei eisigen Temperaturen wird die Behelfsbrücke in die Lücke eingepasst. Bild: Haas

Bei einer Sonderprüfung hat das Eisenbahnbundesamt 257 Eisenbahnbrücken untersucht. Jede vierte davon habe Mängel, die Stand- und Verkehrssicherheit unmittelbar gefährden. In 47 Fällen verlangte das Amt sofortige Sanierungsmaßnahmen.
Die Bahn erhält pro Jahr 2,5 Milliarden Euro aus der Bundeskasse für die Instandhaltung des Streckennetzes und soll dazu noch 500 Millionen aus eigenen Mitteln dafür investieren. Die Bahn hat dem Bund eine Expertise vorgelegt, in dem sie von einem Nachholbedarf bei Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 40 Milliarden Euro ausgeht, davon 14 Milliarden allein für Brücken. Es könnte das Eingeständnis sein, dass sie das Netz in den letzten Jahren vernachlässigte. Oder die Bahn pokert um einen höheren Bundeszuschuss.

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10.12.2012, 12:00 Uhr

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