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Rückblick und neue Wege

Betzinger Sängerschaft feiert 175-jähriges

1837 wurde er als Männerchor gegründet, 1909 gliederte er als einer der ersten Gesangsvereine in Württemberg einen Frauenchor ein und erlangte im folgenden Jahrhundert überregionales Renommee. Dieses Jahr blickt die Betzinger Sängerschaft auf ihre 175-jährige Geschichte zurück und stellt die Weichen für die Zukunft.

23.02.2012
  • Moritz Siebert

Reutlingen. Als der Schullehrer Dr. Philipp Ludwig Griesinger 1837 in Betzingen einen Männerchor gründete, ahnte er wohl selbst nicht, dass sich 175 Jahre später immer noch jede Woche rund 70 Menschen zum gemeinsamen Singen treffen würden. Die Betzinger Sängerschaft gilt heute als einer der traditionsreichsten Reutlinger Vereine und ist der letzte Chor der Stadt mit einem eigenen Vereinsheim.

Schon 20 Jahre nach der Gründung wurde der Verein als „Liederkranz Betzingen“ in den Schwäbischen Sängerbund aufgenommen. Nach der Eingliederung des Frauenchors im Jahr 1909 erlangte der seit 1937 als Betzinger Sängerschaft firmierende Chor überregionales Renommee. Unter anderem erfolgten 1936 Auftritte bei den olympischen Sommerspielen in Berlin und im Ausland.

In den frühen siebziger Jahren errichtete die Sängerschaft in Eigenregie und mit eigenen Mitteln ihr Vereinsheim, die Gaststätte Karlshöhe. In dieser Zeit erhielt der Chor unter dem Vorstand Klaus Peterson, der als Architekt den Bau des Heims leitete, mit vielen Auftritten in der Region und jenseits der Landes- und Bundesgrenzen neuen Aufwind.

Heute trifft sich der Chor regelmäßig in seinem Vereinsheim für Besprechungen, und hier lagern auch kistenweise Dokumente aus der 175-jährigen Vereinsgeschichte. Derzeit arbeitet die Sängerschaft die Geschichte des Vereins professionell auf. „Wir wissen selbst noch zu wenig über die Tradition und die Historie des Chors“, erklärt Martin Künstner, künstlerischer Leiter der Sängerschaft. Im März soll es auch eine Publikation zur Chorgeschichte geben.

Jubiläumsjahr mit ambitioniertem Programm

Ein weiteres „Geschenk“ hat Künstner in petto: Im Betzinger Museum ist eine Schellack-Platte aus den dreißiger Jahren mit Liedern der Sängerschaft aufgetaucht. Diese Aufnahmen sollen nun digitalisiert werden. Künstner hat die Leitung der Sängerschaft 1994 übernommen. Mit dem heute 53-Jährigen begann eine Ära, die für ein mit Meisterwerken der Chormusik gespicktes Programm steht, von Händels Messias über Orffs Carmina Burana oder das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns. „Ich bin selbst erschrocken, als ich gesehen habe, was wir in den letzten Jahren alles im Programm hatten.“

Auch das Jubiläumsjahr 2012 bestreitet die Sängerschaft mit anspruchsvollen wie interessanten Werken und einem ambitionierten Rahmenprogramm. Am 29. April startet der Chor mit einer Jubiläums-Matinee in der Betzinger Zehntscheuer. Künstner möchte in diesem Konzert von Heinrich Isaaks „Innsbruck ich muss dich lassen“ über ein Ständchen für Frauenchor von Franz Schubert bis hin zu Ausschnitten aus Leonard Bernsteins West Side Story einen Überblick über die Geschichte der Chormusik geben. Am sechsten Mai wird dann eine Ausstellung mit Bildern zur Vereinsgeschichte in der Betzinger Volksbank eröffnet. Der ehemalige TAGBLATT-Redakteur und Kulturwissenschaftler Wolfgang Alber wird in einem Festvortrag über den historischen Wandel der Chöre am Beispiel der Betzinger Sängerschaft informieren.

Am 21. Juli folgt mit einem Gastchor aus Pistoia, Solisten und einem Programm von Minimal Music über Oper bis Musical das Open-Air-Konzert im Kreuzeichestadion. Die Mezzosopranistin Hermine May, die derzeit an der Mailänder Scala singt, und die bekannte Musical-Sängerin Sanni Luis werden zu Gast sein. Mit Violinist Fabian Wettstein und Bratschist Sebastian Steinhilber treten zusätzlich zwei regionale Solisten auf.

Für das Jubiläumskonzert am 28. Oktober im Autohaus bhg, für das Highlights aus Opern, Operetten und Musicals auf dem Programm stehen, ist ein gemeinsamer Auftritt mit den Jugendchören der Leonhardskirche und der Mauritiuskirche sowie der jungen Sinfonie geplant. Künstner freut sich über die „erhebliche Senkung des Altersdurchschnitts“ des Ensembles bei diesem Konzert und spricht damit gleichzeitig einen wunden Punkt der Betzinger Sängerschaft an: Der Chor leidet in den letzten Jahren am Ausbleiben des Nachwuchses. Es werde immer schwieriger, junge Leute für das gemeinsame Singen zu begeistern und sie an den Chor zu binden, bedauert Künstner.

So blickt man in diesem Jahr in Betzingen zwar mit Stolz auf die bedeutende Tradition seines Chors zurück, allerdings genauso mit dem Bewusstsein für die Herausforderungen der Zukunft. Einerseits müsse man Leistung bringen, um in der Chorlandschaft bestehen zu können, so Künstner, andererseits wolle man auch neue Wege gehen, um Nachwuchs zu gewinnen.

Betzinger Sängerschaft feiert 175-jähriges
Die Trachtengruppe des Betzinger Gesangsvereins in den späten zwanziger Jahren. Bilder: Sängerschaft

Betzinger Sängerschaft feiert 175-jähriges

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23.02.2012, 12:00 Uhr

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