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Urteil

Bewährung für reuigen IS-Kämpfer

Vor fast zwei Jahren zog Samy W. in den Djihad. Dreimal floh er und wurde gefasst. Jetzt ist er verurteilt worden.

22.11.2016
  • ANDREAS BÖHME

Stuttgart. Was nur hat Samy W. im Frühling 2015 von seinem Waldshuter Gymnasium in den Terrorkrieg nach Syrien getrieben? Das Oberlandesgericht hat eine Klärung versucht – an 16 Verhandlungstagen, mit 17 Zeugen, drei Gutachtern und einer Unmenge Dokumenten. Es arbeitete weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Denn der 20-Jährige, angestachelt von seiner Mutter und verführt von der Internetpropaganda, ist ein psychologisch komplizierter Fall.

Als erwiesen gilt: Ende 2014 entschied sich Samy W. zur Ausreise, einer Flucht aus der Hölle seiner Familie. Er fuhr im Februar 2015 in den Nahen Osten, traf Anfang März in Syrien ein. Es folgte eine dreiwöchige Militärausbildung auch am Gewehr – und spätestens dann die Ernüchterung. Schon im Mai wollte Samy W. nichts als nach Hause.

Er floh, wurde gefasst und landete in einem IS-Knast. Er floh erneut, wurde aber in Syrien von kurdischen Rebellen ergriffen und erneut unter schwierigen Bedingungen eingesperrt. Er floh ein drittes Mal, schaffte es in die Türkei und kam auch dort ins Gefängnis. Ende 2015 wurde er nach Deutschland abgeschoben und bis Mitte Dezember inhaftiert. Dann setzte der Bundesgerichtshof den Haftbefehl außer Vollzug.

Asperger-Syndrom

Der junge Mann leidet unter einer Form des Asperger-Syndroms, einer milden Variante des Autismus. Schon vor seiner Ausreise war er deshalb in ambulanter psychologischer Behandlung gewesen.

Die Kammer erkannte rasch: Hier sitzt ein sehr junger Mensch auf der Anklagebank, dem man nicht mit dem Stil einer Staatsschutzkammer gerecht werden kann, sondern besser in der moderaten Tonlage eines Jugendschöffengerichts und unter größtmöglichem Schutz für eine unterentwickelte Persönlichkeit.

Aber Samy W. war geständig, erkannte das Gericht an, ebenso wie den Willen zur Flucht, der mit erheblichem Risiko verbunden gewesen sei. Und er hatte schon den Kurden detaillierte Angaben über Gebäude und Trainingsstätten des IS geliefert. Das ändere nichts daran, so der 5. Strafsenat, dass der IS eine besonders gefährliche, brutale Terrortruppe ist. Auch für die Anklage ist erwiesen, dass Samy W. wusste, „wofür er kämpfen und sterben wollte.“

Dann kam die Reue: Einen größeren Fehler als er könne man nicht machen, gestand Samy W. Das überzeugte die Richter: Weil er sich „früh und eindeutig vom IS distanzierte und von den Hafterfahrungen tief beeindruckt ist“, wurde die Strafe auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Andreas Böhme

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22.11.2016, 06:00 Uhr

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