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Bewegung auf dem Markt
Einer der mehr als 130 Ladepunkte: Ulm liegt bundesweit unter den Großstädten auf Platz eins. Foto: Matthias Kessler
Elektroautos

Bewegung auf dem Markt

Der Ausbau der Lade-Infrastruktur gewinnt dank diverser Förderprogramme an Tempo. Ulm ist gemessen an der Einwohnerzahl Spitzenreiter.

20.03.2018
  • GERD BLÄSKE

Ulm. Die Zulassungszahlen für Elektroautos und Plug-In-Hybride nehmen deutlich zu. Doch die unzureichende Ladeinfrastruktur, die geringe Reichweite und die langen Aufladezeiten verhindern eine noch schnellere Entwicklung. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gab es zum Stichtag 30. Juni 2017 bundesweit 11 000 öffentlich zugängliche Ladepunkte, davon 1786 in Baden-Württemberg. Gut versorgt sind die Ballungsräume. Dazwischen sieht es mau aus.

Bezieht man die öffentlichen Ladepunkte auf die Einwohnerzahl, ist Ulm Spitzenreiter unter den deutschen Großstädten. Dort teilen sich rechnerisch 911 Bürger eine Ladesäule. Auf den weiteren Plätzen folgen Ingolstadt (1490), Stuttgart (1570), Hamburg (2390) und Düsseldorf (2890).

Für 2020 hat die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) bundesweit einen Bedarf von 70 000 öffentlichen Ladepunkten und 7100 Schnellladesäulen ermittelt, die unter anderem entlang von Autobahnen lange Fahrten sichern sollen. Die NPE ist ein Beratungsgremium der Bundesregierung zur Elektromobilität. Damit wäre nach Ansicht von Wolfgang Bernhart, Roland-Berger-Experte, eine „vernünftige Abdeckung“ erreicht. „Das ist ein klassisches Henne-Ei-Problem. So lange es wenig Elektroautos auf den Straßen gibt, lohnt sich die Investition in die Ladestruktur nicht und solange es wenig Ladestationen gibt, ist es schwierig mit dem Verkauf der Autos“, fügt er hinzu.

Die öffentliche Hand hat das erkannt. Die Bundesregierung fördert nun den „bedarfsgerechten Ausbau“ der Infrastruktur bis 2020 mit 300 Mio. EUR. Die Landesregierung in Baden-Württemberg stellt in ihrer Landesinitiative III (2017-2021) 10 Mio. EUR zur Förderung der Ladeinfrastruktur zur Verfügung. Nun kommt Bewegung in den Markt.

BMW, Daimler, VW und Ford haben die Gesellschaft Ionity gegründet, die bis 2020 in Europa 400 Schnellladestationen errichten will. Die börsennotierte niederländische Firma Fastned eröffnet demnächst zwischen Frankfurt und Koblenz seine erste deutsche Schnellladestation. Auch Supermärkte wie Aldi, Lidl oder Rewe wollen investieren.

Es sind vor allem Unternehmen der Energiewirtschaft, die in Vorleistung gegangen sind. Sie haben bisher rund 100 Mio. EUR in die Ladeinfrastruktur investiert. Bis Jahresende soll sich der Betrag auf 300 Mio. EUR erhöhen. Insgesamt will die deutsche Industrie bis Ende 2018 etwa 750 Mio. EUR investiert haben.

In Baden-Württemberg betreibt die ENBW 390 Ladestationen (800 Ladepunkte), davon 74 Schnellladesäulen. Schnelllademöglichkeiten bestehen etwa an den Autobahnen A81 (Hegau West) sowie an der A7 (Allgäuer Tor Ost/West). Ohne öffentliche Förderung gehe es nicht, sagt ein Unternehmenssprecher: „Wir verdienen Stand heute mit Ladestrom kein Geld.“

Problematisch ist, dass viele „Laternenparker“ zuhause keine Auflademöglichkeit haben. „Das wird oft in Eigentümerversammlungen blockiert“, sagt Bernhart. 85 Prozent der Ladevorgänge finden zuhause oder im Büro statt. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) fordert, dass Bauordnungs-, Miet- und Eigentumsrecht angepasst und die Regeln für das Mitarbeiter-Laden beim Arbeitgeber vereinfacht werden. Doch die Verteilnetze sind nicht darauf ausgelegt, dass in Mehrfamilienhäusern oder einer Wohnstraße Autos gleichzeitig laden. Die ENBW-Tochter Netze BW investiert daher 500 Mio. EUR in den Netzausbau.

Bei den Schnellladestationen liegt das Problem auch in unterschiedlichen Ladestandards. Zwar gibt es den europäischen Ladestandard CCS. Doch viele Elektroautos vertragen die starke Stromspannung nicht. Auch die unterschiedlichen Bezahlsysteme zur Nutzung von Ladestationen bremsen die Entwicklung. „Die Bedürfnisse des Kunden nach einfacher Benutzung und problemloser Bedienung können so nicht erfüllt werden“, meint der VDA.

Doch es geht voran. Laut VDA wird sich das Angebot der Hersteller bis 2020 verdreifachen. „Auch die Zahl der Normalladepunkte über das Förderprogramm der Bundesregierung wird sich auf gut 30 000 verdreifachen, die Zahl der Schnellladepunkte wird sich sogar verfünffachen.“

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20.03.2018, 06:00 Uhr

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