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Für Arme und Arbeiter kämpfen

Bewerber um die Landtagskandidatur der Tübinger Linken (2): Wolfgang Schäfer

„Ich werde in Arbeitskleidung in den Landtag gehen“, sagt Wolfgang Schäfer. Der Rottenburger hat nicht vor, sich im Politikbetrieb einzurichten. Im Fall seiner Wahl würde er die Ressourcen seines Landtagsmandats nutzen, um sich vor Ort um Menschen zu kümmern.

07.07.2015
  • Renate Angstmann-Koch

Tübingen. Um die Landtagskandidatur der Tübinger Linken bewarb sich Wolfgang Schäfer schon vor fünf Jahren. Damals wurde Bernhard Strasdeit aufgestellt. Beide sind auch am heutigen Mittwochabend wieder Konkurrenten. Die Nominierungsversammlung beginnt um 19.30 Uhr im Tübinger Bürgerheim.

Schäfer, selbstständiger Unternehmensberater und Versicherungsmakler, hat den Ortsverband Rottenburg, Neustetten, Starzach und Hirrlingen der Linken mitgegründet. Er ist auch im überparteilichen kommunalen Arbeitskreis Rottenburg aktiv, wo er sich vor allem mit den Themen Wohnen und Sozialticket befasst. Im Musikverein Hirrlingen spielt er Tenorsaxofon. Er ist im Naturschutzbund Rottenburg und in der Narrenzunft.

Sein politisches Leben ist von der Agenda 2010 geprägt. Er habe einst Gerhard Schröder gewählt, sagt Schäfer – doch dann kamen die Hartz-Gesetze: „Sie haben die Gesellschaft komplett verändert. Es gab eine Entsolidarisierung, die Gesellschaft ist kälter geworden.“ Er engagierte sich bei der Montagsdemo, die auch nach zehn Jahren noch weitermacht, obwohl nie eine große Bewegung aus ihr entstand. „Was geschehen ist, darf nicht in Vergessenheit geraten“, findet Schäfer. Außerdem honorierten es die Leute, wenn man durchhält. Und die Montagsdemo sei auch ein gutes Instrument, sich zu bekennen: „Es hat sich nichts verbessert in den zehn Jahren, eher verschlechtert.“ Der Rottenburger wirft seiner Partei aber vor, auf eine Koalition mit der SPD zu schielen und deshalb nicht mehr voll hinter dem Protest gegen Hartz IV zu stehen.

Schäfer will sich für die Interessen von Armen und Arbeitern stark machen, obwohl er selbst kein Arbeiter ist – allerdings ein Arbeiterkind. Als solches und als Angehöriger des geburtenstarken Jahrgangs 1958 sei er auf fast allen Rottenburger Schulen gewesen. Nach dem Hauptschulabschluss ging er auf die Berufsfachschule und machte eine Lehre als Bankkaufmann.

„Ich möchte das System durchbrechen“, sagt Schäfer. „Wer immer nur ausgetretene Wege benutzt, wird immer dort ankommen, wo alle anderen schon waren“ – so sein Wahlspruch. Statt im Wahlkampf Prospekte zu verteilen, müsse man zu den Leuten hin, mit ihnen reden, ihnen helfen. Er hat einen Verein mitgegründet: Siam (Selbsthilfe Initiative Aktiver Menschen). Jetzt will er über seiner Partei eine Solidaritäts-Aktion mit Postkarten starten, um griechische Tafeln zu unterstüzen.

Bewerber um die Landtagskandidatur der Tübinger Linken (2): Wolfgang Schäfer
Wolfgang Schäfer, 56. Bild: Metz

Haben Sie politische Vorbilder?
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht haben mir imponiert. Ebenso Mahatma Gandhis Kampf gegen die englische Besatzung. Jutta Ditfurth als aufrechte, ehrliche Fundamentalistin ist ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte.

Wo verorten Sie sich im Spektrum Ihrer Partei?
Ganz in der linken Ecke. Ich bin in der Antikapitalistischen Linken (AKL) und in der Landesarbeitsgemeinschaft gegen Hartz IV. Aber ich komme mit taktischen Spielchen zwischen Strömungen nicht zurecht. Von Kindheit an bin ich vom Kommunismus geprägt. Beim Bund Deutscher Pfadfinder, obwohl evangelisch, hatte ich zum ersten Mal das „Kapital“ in Händen. Das hat mich nicht mehr losgelassen. Ich bin Kommunist!

Warum wollen Sie in den Landtag?
Ich möchte die Ressourcen, die ein Landtagsmandat bietet, vor Ort im Kampf um soziale Gerechtigkeit einsetzen. Ich möchte eine Mieterhilfe einrichten und eine Sozialberatung – vor allem auf dem Land und nicht nur in der Stadt Tübingen.

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