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Digitale Anteile wachsen

Bibliotheksausstatter EKZ über die Zukunft des Buches

„Bücher gibt es auch in 50 Jahren noch“, ist EKZ-Geschäftsführer Jörg Meyer überzeugt. Doch die digitalen Marktanteile wachsen.

03.08.2012
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Auch in öffentlichen Bibliotheken, die der Reutlinger Anbieter EKZ ausstattet, werden E-Books „immer wichtiger“, sagt Meyer. 2007 startete die EKZ ein Modellprojekt zur E-Book-Ausleihe mit vier Bibliotheken, mittlerweile sind bundesweit über 400 beteiligt. Freilich: „Die mediale Aufmerksamkeit geht nicht einher mit den Umsätzen.“ Die lagen 2011 bei ein bis zwei Prozent von zehn Milliarden Euro Gesamtumsatz im Buchhandel. Bei digitalen Ausleihen sind die Prozente ähnlich.

2012 wird erwartet, dass sich der Marktanteil der E-Books auf vier Prozent verdoppelt. Studien zufolge sind 2015 zehn bis 20 Prozent des deutschen Buchmarkts digital. „Was stark wachsen wird, ist der Online-Handel mit klassischen Büchern“, sagt der Geschäftsführer voraus. „Der stationäre Buchhandel wird verstärkt unter Druck geraten.“ Da der größte Wettbewerber der EKZ der lokale Buchhandel sei, komme die Entwicklung dem Bibliotheksausstatter gelegen; Meyer erwartet steigende Absätze. Die Schattenseite: „Inhabergeführte Buchläden sterben aus.“ Mit dieser Entwicklung veränderte sich das Gesicht der öffentlichen Bibliotheken.

Die „sind keine Bücher-Aufbewahrungsorte mehr. Sie werden immer mehr zu Aufenthaltsstätten“, so Meyer. Dabei sind ungewöhnliche Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten gefragt; Zonen, in denen Gruppen ungestört kommunizieren können. Entsprechend hat die EKZ die im vorigen Herbst eröffnete Stuttgarter Stadtbibliothek eingerichtet – 2011 das größte Projekt des Dienstleisters.

Bibliotheken wollen heute Raumkonzepte

Es ist auch der „Ausdruck einer steigenden Individualisierung im Bibliothekswesen“, sagt Meyer. „Früher haben wir Regale verkauft, jetzt verkaufen wir gemeinsam mit Architekten Innenraumkonzeptionen.“ Die EKZ möchte jetzt auch ihre eigene Vorführ-Bibliothek am Unternehmenssitz den neuen Anforderungen gemäß exemplarisch umgestalten. „Wie viele Bücher übrig bleiben werden, kann ich noch nicht sagen“, so Meyer. Es werden aber weniger,

Denn schon ein Drittel der Ausleihen in den öffentlichen Bibliotheken Deutschlands sind neue Medien wie Spielekonsolen, DVDs und CDs – wobei letztere wegen der Herunterlademöglichkeiten aus dem Internet schon auf dem Rückzug sind. Auch die Ausleihen bei Sachbüchern sind stark rückläufig – immer mehr machen sich online schlau. Klassische Medien würden zunehmend „substituiert“, so hat die Online-Enzyklopädie Wikipedia für viele längst das Lexikon ersetzt.

Wobei Andreas Mittrowann, der Bibliothekarische Direktor der EKZ, wenig von Ausleihzahlen als statistischem Indikator hält. Denn sie spiegeln das geänderte Nutzerverhalten kaum wieder. „Es kommen mehr Leute als je zuvor in die Bibliotheken – aber sie nutzen sie ganz anders.“ 2011 zählten die Statistiker 250 Millionen Besucher in den öffentlichen Büchereien Deutschlands – laut der EKZ mehr als Kinogänger oder Besucher in der Fußball-Bundesliga.

Die Bibliotheken reagieren auch mit Computer-Angeboten. Weniger, indem sie PC aufstellen, die bald veraltet sind, eher mit kostenfreiem W-Lan oder dem Zugang zu digitalen Zeitungsarchiven. In Stuttgart kann man beispielsweise an einem Automaten Notebooks ausleihen.

Der deutsche Buchmarkt ist laut der EKZ stabil mit jährlich rund 95 000 Neuerscheinungen. Die meisten Bestseller kommen auch als E-Books heraus. Schlechter sehe es bei älteren Titeln aus. Wer wissenschaftlich arbeite, brauche weiter das herkömmliche Buch. Zudem werde der digitale Markt atomisiert, weil viele Verlage eigene Plattformen gründen.

Bibliotheksausstatter EKZ über die Zukunft des Buches
Vom Reutlinger Büchereiausstatter EKZ stammt auch die Inneneinrichtung der hier abgebildeten neuen Stuttgarter Stadtbibliothek.Bild: EKZ

Die EKZ (Einkaufszentrale) mit Zentrale in Reutlingen ist ein Komplettanbieter für öffentliche Bibliotheken. Sie stattet diese aus: mit elektronischen RIFD-Erfassung bis zu den Regalen, mit Medien und digitalen Inhalten.
Das Geschäftsjahr 2011 ist bei der EKZ „stabil gelaufen“, sagt Geschäftsführer Jörg Meyer. Der Umsatz stieg von 47 auf über 48 Millionen Euro, der Gewinn von 2,4 auf 2,7 Millionen. 2012 peilt die EKZ die 50-Millionen-Umsatzmarke an. Trotz knapper Etats bei öffentlichen Bibliotheken habe die EKZ ihren Marktanteil gehalten, der derzeit bundesweit bei 30 Prozent liege. Das Unternehmen hat über 270 Mitarbeiter (darunter acht, ab September zwölf Azubis) und 10 000 Kunden in Europa. 85 Prozent des Umsatzes macht die EKZ im Inland. Ins Ausland liefert sie fast ausschließlich die Ausstattung.

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03.08.2012, 12:00 Uhr

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