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Bier vom Roboter
Die Hannover Messe zeigt schlaue Motoren und Vorteile durch 3-D-Druck

Bier vom Roboter

Ein Hauch von Zukunft weht durch die Hallen der Hannover Messe. Roboter stehen hinter einer Bar und Autos können mit Solarkraft fahren.

26.04.2016
  • MIRIAM KAMMERER

Hannover. Vielleicht ist es keine schlechte Idee eine Rundtour über die weitläufige Hannover Messe mit einem Kaffee zu beginnen. Und weil auf der Messe in diesem und den vergangenen drei Jahren irgendwie alles mit Industrie 4.0 zu tun hat, ist es nur logisch, dass es auch einen Coffee 4.0 gibt.

Zu sehen ist das am Stand des Roboterspezialisten Kuka aus Augsburg. Zwei Roboter befüllen hier Kaffeebecher mit simplem Kaffee, Latte Macchiato oder Cappuccino. Jeder Kaffeebecher hat einen QR-Code, also einen Code, der Informationen an Maschinen weitergeben kann. Mit dem Smartphone kann der Kunde über den Code scannen und dann auf einer App seine Wünsche eingeben: zum Beispiel die Milchmenge. Wer möchte kann nach der Bestellung den Status seines Kaffees auf seinem Bildschirm verfolgen. So ist das auch in einer industriellen Produktion möglich. Wenn das ersehnte Getränk dann fertig ist, wird der Kunde auch auf seinem Smartphone informiert.

Diese vereinfachte Darstellung von Industrie 4.0 lässt sich auf andere Fertigungsprozesse übertragen. Auch die heutzutage stark nachgefragte Losgröße 1 (nur ein individuelles Stück wird produziert) kann man hier beobachten. Mehrere Becher können sich gleichzeitig in der Produktion befinden und doch ist jedes Getränk anders.

Auf dem Stand von Volkswagen sehen Besucher erstmals den Tiguan GTE, ein Hybridmodell, mit einen Solardach. Die Solarzellen ermöglichen bis zu 1000 Kilometer emissionsfreie Fahrt jährlich. Werner Schreiber, der für VW den Bereich Virtuelle Technik verantwortet, erklärt, dass für den Konzern vor allem zwei Säulen wichtig sind: Die Elektromobilität und die Digitalisierung. Für ersteres steht zum Beispiel der Tiguan. In der Digitalisierung könnte es nächsten Sommer so weit sein, dass Datenbrillen zur Planung eingesetzt werden. Jetzt schon sitzt ein Mitarbeiter am Stand, der eine Virtual-Reality-Brille trägt. Er greift mit seinen Händen scheinbar immer wieder ins Nichts. Die Brille versetzt ihn in eine virtuelle Realität und mit den komisch wirkenden Gesten kann er richtige Arbeit leisten. Die Technik, die aus dem Computerspielbereich kommt, kann auch für die Produktionsplanung interessant sein. Mit Gesten könnte man komplexe Planungen gestalten.

Der französische Softwareentwickler Dassault Systèmes hat auf die Messe ein sehr großes Anwendungsbeispiel mitgebracht. Mitten in der Halle steht ein grasgrüner Heuwender des Landmaschinenherstellers Claas aus Nordrhein-Westfalen. Claas ist ein Kunde von Dassault. Georg Kraft, verantwortlich für den Bereich 3D Experience, zeigt ein Beispiel, bei dem mit 3D-Druck ordentlich Gewicht gespart werden kann. Ein 8 Kilo schweres Gelenkteil des Heuwenders, an dem die ganze Kraft des Geräts hängt, wurde durch biometrische Simulation analysiert und dann mit einem 3D Drucker hergestellt. Jetzt wiegt es nur noch ein Kilo und ist genauso leistungsfähig. Claas spart also ganze 80 Prozent Material.

Der Energie- und Automatisierungskonzern ABB aus Zürich zeigt einen Motor, der sich selber überwachen kann. Dazu werden smarte Sensoren außen am Motor angebracht. Die Sensoren sind nicht mal so groß wie ein Smartphone und liefern Daten zu Betrieb- und Zustandsparametern, Temperatur, Energieverbrauch und Überlastung. Diese Daten werden dann in verwertbare Informationen für den Anlagenbetreiber verwandelt und helfen ihm bei der Wartungsplanung. Hans-Georg Krabbe, ABB-Chef, verspricht Stillstandzeiten um bis zu 70 Prozent zu reduzieren und die Lebensdauer der Motoren um bis zu 30 Prozent zu verlängern.

Sportlich geht es beim Walldorfer Softwarekonzern SAP zu. Dort wird die vernetzte Fertigung von Schrittzählern gezeigt. Zwei Roboter fertigen die kleinen Kästen nach Kundenwunsch. Das Besondere: Die Prozesse sind auf verschiedene Stellen aufgeteilt und verzahnt. Auf einem Bildschirm lassen sich alle Schritte beobachten. Losgröße 1 kann hier in hoher Geschwindigkeit produziert werden.

Wer nach dem Rundgang Lust auf ein Bier hat, ist wieder bei Kuka richtig. Dort steht ein Roboter hinter der Bar und schenkt stilecht ein Weizen ein. Ein orange und matt silbern schimmernder Roboterarm greift dabei das Glas, der andere die Flasche. Allerdings ist es ratsam etwas Geduld mitzubringen, der Roboter ist noch etwas langsamer als ein menschlicher Barkeeper.

Analoges Malheur

Siebzehn riesige Hallen, ein großes unübersichtliches Gelände, die Hannover Messe. Das kann selbst für eingefleischte Kenner im Orientierungschaos enden. Ein überdimensionales 4.0-Labyrinth quasi. Schwierig wird es vor allem dann, wenn es darum geht, in der jeweiligen Halle den richtigen Stand zu erwischen. So irrte sich auch Messe-Pressesprecher Onuora Ogbukagu als er eine Gruppe Journalisten über das Gelände führte. Ganz ohne 4.0-Schnick-Schnack verließ sich der Pressesprecher altmodisch auf sein Gedächtnis und lief mit einem großen, roten Schild in der Hand wie ein Touristenführer durch die Ausstellungshallen. Ein analoger Spaziergang mitten durch die Welt des digitalen Wettrennens. Ob das kleine Malheur passiert wäre, wenn ein Smartphone den Weg angezeigt hätte? Wohl eher nicht. Höchstens der Akku hätte schlapp gemacht. Was hin und wieder ja vorkommen soll.

Trotz des kleinen Umwegs fand die Gruppe zu ihrem Ziel: dem Stand des Augsburger Roboterherstellers Kuka. Vielleicht war der Geruch eines frisch von einem Roboter eingeschenkten Weizens beim Finden des Wegs behilflich. Unklar. Aber ein Smartphone hätte das Bier weder riechen noch später genussvoll trinken können. Ein Prosit also auf den Menschen und seine Sinne. MIRIAM KAMMERER

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26.04.2016, 06:00 Uhr

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