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Europas Stahlbranche in der Dauerkrise

Billige China-Exporte drücken auf den Markt

Die deutsche Stahlindustrie spürt Gegenwind. Chinas Überproduktion belastet jetzt auch sie. Europaweit steckt die Branche in der Dauerkrise.

10.11.2015
  • DPA

Düsseldorf Die Stahlkonjunktur hat sich in Deutschland in den vergangenen Monaten eingetrübt. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl rechnet deshalb nicht mehr damit, dass die Stahlproduktion in diesem Jahr das Vorjahresniveau von 42,9 Mio. Tonnen übertreffen wird, wie noch zum Jahresanfang erwartet.

Die Entwicklung der Auftragseingänge liege im bisherigen Jahresverlauf um 5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im dritten Quartal betrage das Minus sogar 11 Prozent, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung, Hans Jürgen Kerkhoff. "Über die Stahlindustrie sind weltweit dunkle Wolken aufgezogen. Auch die wettbewerbsstarke Stahlindustrie in Deutschland kann sich davon nicht vollständig entkoppeln", sagte der Verbandschef.

Hintergrund seien dramatisch gestiegene chinesische Stahlexporte, die zu Dumpingpreisen auch auf den europäischen Markt geworfen würden. Die Rede ist von einer Überproduktion von 200 Mio. Tonnen in China - das ist mehr Stahl als derzeit in ganz Europa pro Jahr hergestellt wird. Die Überproduktion versuchen die Chinesen im Ausland loszuwerden, was dort die Preise verdirbt. Deshalb ist auch in Europa viel zu viel Stahl auf dem Markt. Deshalb stehen die Preise unter Druck.

Angesichts der Flut von chinesischem Billigstahl fordert Kerkhoff eine konsequentere und raschere Anwendung des handelsrechtlichen Schutzinstrumentariums durch die EU - vor allem in Form von Antidumping- und Antisubventionsmaßnahmen. Andernfalls drohten Kapazitätsstilllegungen und Arbeitsplatzverluste in Europa. Allein in Deutschland hat die Branche rund 90 000 Mitarbeiter.

Dabei geht es den Stahlkonzernen hierzulande bis zuletzt noch vergleichsweise gut. Dank der robusten deutschen Konjunktur konnten sie ihre Auslastung hoch halten. Dem branchenweiten Preisdruck können aber auch sie sich nicht entziehen. Inzwischen hat sich aber der Wind gedreht. Die deutsche Nummer zwei, Salzgitter, musste bereits die Prognose für das laufende Jahr senken. Branchenführer Thyssen-Krupp reduziert die Arbeitszeit. Und selbst Weltmarktführer Arcelor Mittal hat in Europa 4 von 25 Hochöfen stillgelegt.

Vor diesem Hintergrund könne die europäische Stahlindustrie keine weiteren Belastungen durch die Energie- und Klimapolitik verkraften, betont Kerkhoff.

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10.11.2015, 12:00 Uhr

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