Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Mit Gen und Technik gegen Gentechnik

Bioinformatikfirma Computomics bezieht eigene Räume / Verfahren hilft Pflanzenzüchtern

Gene von Pflanzen mit viel Technik analysieren und damit der natürlichen Züchtung helfen, auch als Alternative zur Gentechnik – das ist das Geschäftsmodell der jungen Tübinger Firma Computomics, die jetzt erstmals eigene Räume bezogen hat.

24.07.2015
  • Gernot Stegert

Tübingen. So stellt man sich Büroräume von Start-up-Unternehmen vor: Ein großer Raum mit sechs offenen Abteilen, in denen Schreibtische mit Computern stehen, alles in Weiß und Hellgrau, Stehtische für kurze Konferenzen, drei extra Besprechungsräume, ein Vorraum mit Tischkicker, Tischtennisplatte und Kraftgerät. Die Firma Computomics hat ihre ersten eigenen Räume im Altbau in der Tübinger Christophstraße 32 nach ihren Vorstellungen umgestaltet. Vormieter war das „Institut für Kulturaustausch“, das nach Lustnau umgezogen ist. „Wir haben jeden Tag viel Spaß in den Räumen“, sagte Geschäftsführer Sebastian Schultheiss.

Zur Feier am Mittwoch waren fast 100 Nachbarn und Mitarbeiter, Vertreter aus Politik und Wirtschaft, darunter viele aus der Tübinger Gründerszene, gekommen. Festredner überschütteten das drei Jahre junge Unternehmen mit Lob. Für Oberbürgermeister Boris Palmer ist die Bioinformatik-Firma Zeichen dafür, dass die Biotech- wie die IT-Branche in Tübingen boomt. Klaus Eichenberg, Geschäftsführer der Bioregio Stern, bezeichnete Computomics als „prima Beispiel dafür, wie Biologie und Informatik verbunden werden können“. Christine Decker von der Technologie-Förderung Reutlingen-Tübingen sagte, durch solche Firmen „strahlt der Standort in die Welt hinaus“. Den spektakulärsten Auftritt hatte jedoch das Wetter. Gerade als Schultheiss zur Begrüßung ans Mikrophon trat, erscholl der erste Donnerschlag des Gewitters vom Mittwoch. Ein Zufall wie von perfekter Regie geführt, der viele Lacher auslöste.

Was macht Computomics eigentlich so interessant, was führt so viele Menschen zur Eröffnung und löst so große Worte aus? Schultheiß erklärte es einfach: „Wir ermöglichen es, so viel wie möglich über Pflanzen herauszufinden.“ Die Mitarbeiter analysieren und interpretieren mit Computern die Genome von Nutzpflanzen, nachdem diese unter anderem von Unternehmen wie der Tübinger Cegat sequenziert worden sind. Computomics untersucht also das Erbgut und erkennt darin, welche Eigenschaften angelegt sind.

Die Aufgabe ist komplex. Das Erbgut, Genom genannt, besteht aus Basenpaaren. Beim Menschen sind es drei Milliarden Basen, Pflanzen liegen aber meist darüber. Beim Weizen sind es 17 Milliarden Basenpaare, erklärte Schultheiss und ergänzte: „Das macht den Weizen nicht zum besseren Menschen.“ Es zeige aber die Herausforderung für Computomics.

Schultheiss erläuterte: Die Analyse der Basen führe zu mehr Wissen über das Keimen, Wachsen und Blühen von Pflanzen, die Widerstandsfähigkeit in verschiedenen Umgebungen, über Eigenschaften von Früchten (beispielsweise Aroma) und mehr. Das könne beispielsweise im Kampf gegen Hunger helfen.

Dabei sind Schultheiss ethische Maßstäbe wichtig. Computomics untersuche Gene und gebrauche zur Analyse Technik, aber mit Gentechnik habe das nichts zu tun. In seiner Begrüßung hatte Palmer sich noch „als grüner OB“ von Gentechnik distanziert und von Computomics Arbeit als „guter grüner Gentechnik“ gesprochen. Schultheiss stellte klar: Gene werden nicht verändert, manipuliert. Diesen Eingriff ins Erbgut lehne er ab. Die Tübinger Firma bleibt bei der Analyse, auf deren Grundlage dann ganz natürlich gezüchtet werden kann. Der Vorteil gegenüber der traditionellen Züchtung ist die Zeitersparnis: „Unsere Kunden wollen gerne bei der Pflanzenzüchtung schnellere Entscheidungen treffen können.“ Das biete Computomics an. Der Firmenchef selbstbewusst: „Damit sind wir in Europa ein einzigartiger Dienstleister.“ Offenbar mit Erfolg: Computomics verdiene bereits Geld, der Umsatz 2014 betrug 932.000 Euro. Und gerade hat ein Gründer-Fonds des Bundes Geld zugesagt. Neun Mitarbeiter sind fest angestellt, hinzu komme viele freie.

Bioinformatikfirma Computomics bezieht eigene Räume / Verfahren hilft Pflanzenzüchtern
Blicken voller Hoffnung in die Zukunft: die Computomics-Geschäftsführer Tobias Dezulian (links) und Sebastian J. Schultheiss. Bild: Metz

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.07.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball