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Hilft bei Trockenheit

Biokohle soll die Landwirtschaft revolutionieren

Sie macht den Boden fruchtbarer, verlangsamt den Treibhauseffekt¨– und keiner weiß genau wieso. Ein Schweizer Forscher sprach im Wilhelm-Schickard Institut über seine ersten Erkenntnisse.

25.09.2010
  • Lutz Bergmann

Tübingen. Biokohle könnte den landwirtschaftlichen Anbau grundlegend verändern und verbessern. Der Düngerersatz macht den Boden fruchtbarer. Dieser Meinung ist Claudio Niggli vom Delinat Institut für Ökologie und Klimafarming in der Schweiz. Der stellvertretende Institutsleiter hielt am Donnerstag auf dem studentischen Umweltkongress einen Vortrag über den Düngerersatz.

Er testet seit einigen Jahren Biokohle auf den Weinbergen des Instituts. Ein größeres Forschungsprojekt hat jüngst auch die Tübinger Uni gestartet. Das Testgelände stellte der Geoökologie-Student Nicolas Hagemann vor.

Das große Interesse an der schwarzen Kohle kam erst in den letzten Jahrzehnten auf. Dabei gibt es den Stoff schon seit Jahrhunderten. „Es existieren archäologische Funde auf jedem Kontinent“, berichtet Niggli. Früher stellten die Menschen den Dünger mit Feuer her. Dabei entwich CO2. Heute wird der Stoff in einem Schweizer Reaktor hergestellt. In den Prototyp werfen die Betreiber Bioabfälle aller Art. Diese erhitzt die Maschine ohne Sauerstoff auf 400 bis 450 Grad Celsius.

Forschungsteam nimmt sich des Mysteriums an

Diese Form der Herstellung hat den Vorteil, dass das CO2 in der Kohle bleibt und so über 1000 Jahre im Boden lagern kann. Neben diesem positiven Effekt hat die Kohle noch weitere gute Eigenschaften: Die vielen Poren auf ihrer Oberfläche speichern langfristig Wasser. Das ist in Zeiten des Klimawandels von großem Vorteil. Denn künftig wird es immer öfter Dürreperioden geben. Böden mit Biokohle profitieren dann, weil sie der Bauer seltener gießen muss.

Hagemann lauschte dem Vortrag des Gastes genau. Er selbst betreut das Forschungsprojekt Biokohle an der Tübinger Uni. Mit einem Freund hat er mehrere Professoren für das Projekt erwärmt. „Wir hatten einfach Bock drauf“, sagt der Student, der gerade seinen Bachelor in Geoökologie gemacht hat.

Bisher ist Biokohle ein unbeschriebenes Blatt. Man kennt die positiven Effekte wie die längere Wasserspeicherung, hat aber kaum wissenschaftliche Erklärungen dafür. Das wollen die Studenten ändern.

Die Vorstellung des Forschungsprojekts Biokohle war eine der öffentlichen Veranstaltungen des Tübinger Umweltkongresses. Der am Montag gestartete Gipfel hat 80 Studenten aus 30 Nationen zusammengebracht. Sie diskutieren über Umweltprobleme und wollen ein globales studentisches Netzwerk einrichten. Neben den Debatten hören sie sich Vorträge von Experten an. So sprach am Donnerstagnachmittag Gabriel Chan von der Harvard University über die Energiewirtschaft und neue Innovationen.

Hoher CO2-Gehalt verursacht Klimawandel

Am heutigen Samstag endet das Treffen. Auf der Abschlussveranstaltung um 20 Uhr in der Neuen Aula wird Tübingens grüner Bundestagsabgeordneter Winfried Hermann sprechen. Zudem hält Bill McKibben, Gründer der Webseite 350.org, einen Vortrag per Videobotschaft. Der US-Amerikaner teilt die Meinung vieler Wissenschaftler, dass der CO2-Gehalt in der Luft den kritischen Wert überschritten hat. Das werde die Erwärmung der Erde und das Abschmelzen der Polkappen beschleunigen. Die Redner halten ihre Vorträge auf Englisch.

Biokohle soll die Landwirtschaft revolutionieren
Claudio Niggli (Hut) berichtet von seinen Erfahrungen mit dem Düngerersatz. Nikolas Hagemann (links) füllt die Kohle zum Herumreichen in Schälchen. Bild: Metz

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25.09.2010, 12:00 Uhr

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