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Zutritt ausdrücklich erwünscht

Biosphärengebiet (2): Der Münsinger Bahnhof

Wie kann der Mensch im Einklang mit der Natur leben und nachhaltig wirtschaften. Das soll in Modellregionen wie dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb erprobt werden. Was auf dem Weg dahin schon geschehen ist, zeigen 16 Informationszentren (die Zentrale im Alten Lager von Auingen inklusive). Eines davon ist der Münsinger Bahnhof.

16.08.2012
  • Bernd Ulrich Steinhilber

Münsingen. Neben Bad Urach und Römerstein ist Münsingen eine der drei „Gründerkommunen“ des Biosphärengebiets Schwäbische Alb – eine Stadt mit touristischem Potenzial, was ihr zu Bundeswehrzeiten noch niemand zugetraut hatte. Dank Biosphärengebiet, dank des integrativ betriebenen Ferienhofs Hopfenburg und nicht zuletzt der Schwäbischen Alb-Bahn entwickelt sich das 15 000 Einwohner große Städtchen zu einer Hochburg des Albtourismus. Vor drei Jahren hat die Unesco das Biosphärengebiet anerkannt, und schon 2011 verzeichnete man gegenüber dem Vorjahr ein Plus bei den Übernachtungen von 45 Prozent. 12 123 Ankünfte wurden 2010 gezählt, 17 930 waren es schon ein Jahr später und 43 370 Übernachtungen insgesamt. Im Vorjahr waren es erst 29 823.

Wie viel davon dem Münsinger Bahnhof zuzuschreiben ist, hat niemand herausgerechnet. Dort rechnet man mit anderen Zahlen: mit 5000 Besuchern jährlich im Informationszentrum, mit 44 000 touristischen Fahrgästen und mit 165 000, Schülerverkehr inklusive.

Bernd Matthias Weckler, 37, Münsinger Tourismuschef und leidenschaftlicher Eisenbahner, führt im Informationszentrum Regie, und unentgeltlich tut er das im Bahnhof für die Schwäbische Alb-Bahn – beides in einem Ambiente, das noch der Königlich-Württembergischen Staatseisenbahn KWStE entstammt, das detail- und farbgetreu in lichtem Ocker und Englischrot restauriert wurde. Das Empfangsgebäude, das Dienstwohngebäude, der im alten Stil neu gebaute Lokschuppen, der Güterschuppen, das Lagerhaus mit Dachlaterne bilden als geschütztes Ensemble einen stilvollen Rahmen für das Info-Zentrum.

Als die Eisenbahn von Reutlingen nach Schelklingen angelegt wurde, war der Münsinger Bahnhof einer der ersten entlang der Strecke – einer jener Einheitsbahnhöfe aus den Jahren 1892 bis 1903. Wer genau hinschaut, wird vor dem Bahnsteig den „Engländer“ entdecken, eine Doppelkreuzweiche, die aus dem Stuttgarter Neckarhafen stammt.

Oder das Läutwerk, eine Leihgabe aus Leonberg, und wenn er Glück hat, den Münsinger Tourismuschef Weckler: „Wir haben einen wunderschönen Bahnhof“, schwärmt er und kann ausdauernd davon erzählen, wie die von Stilllegung bedrohte Strecke reaktiviert wurde, sich der Verein Schwäbische Alb-Bahn der Sache annahm, kein Geld in der Kasse war und dann doch eines zum andern kam, bis im Münsinger Bahnhof wieder Züge abgefertigt, der Freizeitverkehr und Schülerverkehr auf die Schiene gesetzt wurden. Heute ist die Eisenbahn ein Teil des Alb-Bahn- und Freizeitnetzes und der Bahnhof ein Drehkreuz für Fahrten mit dem Bus ins Lautertal und um den ehemaligen Truppenübungsplatz herum.

Seit 2006 beherbergt der Bahnhof das von der Stadt eingerichtete und von der Bundesumweltstiftung geförderte Zentrum für Umwelt, Natur und Tourismus. Seit drei Jahren wird es als Informationszentrum vom Geo-Park Schwäbische Alb in Beschlag genommen und seit Mitte diesen Jahres auch vom Biosphärengebiet. Nicht dass sich deshalb schon viel geändert hätte, aber „seit wir zum Biosphärengebiet gehören, kommen mehr Besucher hierher“, stellt Weckler fest.

An drei Tagen in der Woche ist das Informationszentrum besetzt, das, „alle Sinne ansprechen“ und zeigen soll, was die Münsinger Alb an Kulinarischem und Kulturellem zu bieten hat. „Reiseziel Natur“ hat man sich als Motto gegeben. Doch dabei bleibt es nicht. Auch der Bahnhof selbst versteht sich als ein herübergerettetes Relikt früher Eisenbahnerkultur. „Zutritt ausdrücklich erwünscht“ steht auf einem Schild vor dem Dienstraum. „Wirklich ein liebevoll hergerichteter Bahnhof“, womit Weckler auch das alte Kurbelstellwerk meint, das immer noch in Betrieb ist.

Damit die Besucher nicht nur Bahnhof verstehen, gibt ein altes Telefon Auskunft über die verschiedenen, das Biosphärengebiet betreffenden Themen. Die mannshohe Figur eines sprechenden Schäfers berichtet über die Schäferei auf der Alb, ein in einen Reisekoffer drapierter Steinkauz verweist auf die in Bruthöhlen lebenden Vögel, eine Computeranimation zeigt die Entstehung des Jurameeres. „Gepäckstücke zur Erdgeschichte“ finden sich in den Schließfächern: Böttinger Marmor, Zementmergel, Bohnerze und Kalktuff.

Durch Gucklöcher in einem künstlichen Gesteinsbrocken schaut man auf Felsen und Höhlen. Der neueste Biosphärenfilm läuft auch hier, und auf einer kleinen Eisenbahnanlage unter Glas fährt der „Ulmer Spatz“ von Schelklingen nach Engstingen.

Der Münsinger Bahnhof wäre kein Informationszentrum, wenn man hier keine regionalen Produkte erstehen könnte. Dass die Nudeln hier „Dampfspätzle“ heißen, ist sicher dem Ambiente geschuldet. Ansonsten handelt es sich um Alblinsen, Albdinkel, Wacholderöl und Wacholderschnaps. – Apropos Wacholder. Der spielt auf diesem Teil der Alb eine so große Rolle, dass im Bahnhof ein ganzer Raum zu einem Zugabteil umgebaut wurde, aus dessen stilisierten Fenstern man auf die Fotos prächtiger Wacholderheiden blickt.

Bistro und Bahnsteigterrasse nebenan sind von Mai bis Ende Oktober sonn- und feiertags, 10 Uhr bis 17.30 Uhr, geöffnet. Auch hier steht alles im Zeichen der Biosphäre. Man speist nicht an gewöhnlichen Tischen, sondern blickt durch eine Glasplatte auf alte Obstsorten, Weizen und Dinkelmehl regionaler Produktion. Und zu den jeweils verschiedenen Themen passen die Serviettenhalter.

Biosphärengebiet (2): Der Münsinger Bahnhof
Birgit Digel verkauft im Münsinger Bahnhof Fahrkarten und regionale Produkte. Bild: Haas

Das Informationszentrum Münsinger Bahnhof hat von Mai bis Ende Oktober geöffnet und zwar mittwochs 9 Uhr bis 12 Uhr, samstags 10 Uhr bis 16 Uhr sowie sonn- und feiertags 10 Uhr bis 17.30 Uhr. Das Bistro mit regionalen Speisen öffnet sonn- und feiertags (Gruppen jeweils auf Anfrage).
Siehe auch www.bahnhof-muensingen.de und www.biosphärengebiet-alb.de sowie www.geopark-alb.de.

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16.08.2012, 12:00 Uhr

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