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Isländer haben Zitter-Gene entdeckt

Biostatistiker Hjörvar Petursson über Gen-Datenbanken, den isländischen Winter und Ursachen des Zitterns

Die genetischen Ursachen des Zitterns erforscht Hjörvar Petursson. Der Biostatistiker aus Reykjavik wurde im April für ein Tübinger Forschungsprojekt engagiert: Er bringt das Wissen und Know-how der isländischen Firma Decode Genetics ein – einer der führenden Firmen in der Gen-Analyse.

10.02.2010
  • Angelika Bachmann

SCHWÄBISCHES TAGBLATT: Herr Petursson, in den kommenden Tage soll es nochmal richtig kalt werden. 4 bis 10 Grad minus sind für Ende der Woche angesagt. Fühlen Sie sich gerade wie zu Hause?

Hjörvar Petursson: Ach, bis 10 Grad minus, das gibt es bei uns zu Hause schon. Aber eigentlich bin ich an übermäßig kalte Winter gar nicht so gewöhnt. Die isländischen Winter sind zwar lang und dunkel, aber vergleichsweise mild – dafür, dass Island so weit nördlich liegt. Das liegt vermutlich am Insel-Klima. Man hat die warmen Meeresströme.

Schade, dann haben Sie jetzt gar keine Tipps für uns, wie man sich gegen die anrollende Kältewelle wappnen kann.

(Lacht) Warme Socken anziehen! Der klimatische Hauptunterschied zwischen Deutschland und Island ist eigentlich, dass wir nur drei Jahreszeiten haben: Frühling, Herbst und Winter. Im Sommer wird es bei uns selten wärmer als 20 Grad.

Dann hat sie der mitteleuropäische Sommer ganz schön ins Schwitzen gebracht?

Ich glaube, der kritische Wert liegt bei 28 Grad. 27 Grad ist gerade noch o.k. Aber 28 Grad sind einfach zu viel.

Sie sind Biostatistiker bei der isländischen Firma Decode und arbeiten seit April für ein Forschungsprojekt der Medizinischen Genetik an der Uni Tübingen. Was genau machen Sie da?

Die Firma Decode Genetics hat Methoden zur Analyse des menschlichen Erbguts entwickelt und Schlüssel-Risikofaktoren für bestimmte genetisch bedingte Krankheiten entdeckt. Im Tübinger Projekt geht es darum, die genetischen Ursachen von Erkrankungen herauszufinden, bei denen das Zittern als Symptom auftritt. Zum Beispiel der Parkinson-Erkrankung. Aber auch des essentiellen Tremors, der Schüttellähmung, der bei manchen Menschen auftritt, wenn sie zum Beispiel ein Essbesteck oder einen Stift halten.

Wie gehen Sie da vor?

Die Doktoranden in dem Projekt sammeln Datenmaterial über die Erkrankung und über die Art des Zitterns, auch familiäre Informationen. Parallel dazu wird die DNA der Patienten analysiert. Es gibt Millionen von Markern, die sich auf dem gesamten Erbgut verteilen. Wir versuchen Zusammenhänge und Risikofaktoren herauszufinden.

Sind Sie dann Angestellter der Universität oder der Firma Decode Genetics?

Während der zwei Jahre, die ich hier in Tübingen bin, bin ich von der Universität angestellt, das Forschungsprojekt wird mit EU-Geldern finanziert. Ich bringe das Know-how und auch die zum Teil patentierten Analyse-Methoden ein, die meine Kollegen bei Decode entwickelt haben.

Island verfügt über eine außergewöhnliche und weltweit einzigartige Gen-Datenbank, in der genetische Merkmale und Erkrankungen von Isländern in anonymisierter Form über mehrere Generationen hinweg gespeichert und nachvollziehbar sind.

Das war sicher für die Firma in ihrer Gründungsphase eine gute Startbedingung, dass sie Zugriff auf diese Daten hatte.

Für Forscher mag das ein Paradies sein, für Datenschützer eine Horrorvorstellung. Was passiert denn mit den Daten, die in dem Tübinger Forschungsprojekt gesammelt werden?

Ich arbeite hier nur mit den Methoden, die bei Decode entwickelt wurden. Nicht mit identifizierbarem persönlichen Datenmaterial. Und die Daten die im Zusammenhang mit dem Projekt gesammelt werden, sind Teil des Forschungsprojekts. Sie gehen natürlich nicht in den Datenpool der Firma über.

Ihre Firma hat die Risiko-Gene für den essentiellen Tremor entdeckt. Aber das Zittern bei Kälte hat andere physiologische Ursachen. Oder?

Da muss ich jetzt überlegen. Wie war das nochmal? Wenn man vor Kälte zittert, sind das unwillkürliche Muskelkontraktionen. Dadurch verbrauchen die Muskeln Energie und erzeugen Wärme.

Die Fragen stellte Angelika Bachmann

Biostatistiker Hjörvar Petursson über Gen-Datenbanken, den isländischen Winter und Ursachen des
Ist an lange Winter gewöhnt: der Isländer Hjörvar Petursson forscht zurzeit in Deutschland.

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10.02.2010, 12:00 Uhr

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