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Nicht erklärbare Werte bei VW

Bis zu 800.000 Autos mit Problemen bei CO2-Ausstoß

Volkswagen droht erneut Ungemach: Erst erheben die US-Abgaswächter neue Manipulationsvorwürfe. Dann räumen die Wolfsburger am Abend ein: Es gibt jetzt auch Probleme bei den CO2-Werten.

04.11.2015
  • DPA

Wolfsburg Der Abgas-Skandal im VW-Konzern erreicht eine neue Dimension. VW musste nun auch Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten einräumen - außerdem sind damit erstmals auch Benziner und nicht nur Dieselfahrzeuge betroffen. Dabei geht es um den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) - und damit um den Spritverbrauch.

"Nach derzeitigem Erkenntnisstand können davon rund 800 000 Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns betroffen sein", heißt es in einer Mitteilung vom Dienstagabend in Wolfsburg. "Die wirtschaftlichen Risiken werden in einer ersten Schätzung auf rund zwei Milliarden Euro beziffert." Im Rahmen der derzeit laufenden Überprüfungen aller Prozesse und Abläufe bei Dieselmotoren ist laut VW aufgefallen, dass bei der CO2-Zertifizierung einiger Fahrzeugmodelle zu niedrige CO2- und damit auch Verbrauchsangaben festgelegt wurden. Betroffen seien ganz überwiegend Fahrzeuge mit Dieselmotoren. Es gehe um Autos der Typen Polo, Golf und Passat, sagte ein VW-Sprecher. Bei der VW-Tochter Audi seien A1- und A3-Modelle betroffen. Bei Skoda gehe es um den Octavia und bei Seat um den Leon und den Ibiza. Auch bei einem Benzinmotor mit Zylinderabschaltung habe es Auffälligkeiten gegeben, sagte der Sprecher. Es handele sich dabei aber um eine geringe Stückzahl. Bei den Dieselmotoren seien 1,4-, 1,6- und 2,0-Liter-Varianten betroffen. Alle Aggregate stammen einem Sprecher zufolge aus dem Wolfsburger Stammhaus von VW.

Zuvor hatte die US-Umweltbehörde EPA im Zusammenhang mit dem Diesel-Skandal neue Anschuldigungen erhoben. "Falls sich die Vorwürfe bewahrheiten, kommt Volkswagen in erhebliche Erklärungsnot", sagt Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Im Kern steht Aussage gegen Aussage. Die EPA, die im September die erste Stufe des Dieselgate-Skandals lostrat, legte nach. Neben den Vierzylinder-Motoren mit 2 Litern Hubraum älteren Datums soll der VW-Konzern auch bei Sechszylindern mit 3 Litern eine illegale Software nutzen. Dabei geht es um aktuellere Motoren und vor allem: Es geht neuerdings auch um Modelle der VW-Renditeperlen Porsche und Audi, mit denen der Konzern überall viel Geld verdient. Von den EPA-Ermittlungen sind wohl etwa 3000 Dieselfahrzeuge von Porsche betroffen.

Während die EPA schwere Geschütze auffuhr, entgegnet VW, es sei keine Software da, "um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern". Damit herrscht Uneinigkeit. VW erklärte, die EPA habe VW mitgeteilt, es gebe eine Software-Funktion, "die im Genehmigungsprozess nicht hinreichend beschrieben worden sei". Bei "nicht hinreichend" hat die EPA eine Perspektive, die sich so liest: VW habe Zusatzinstrumente zur Abgas-Kontrolle bei der Zulassung der Modelle "nicht offengelegt, beschrieben und begründet". VW muss nun erklären, warum die Funktion, die die EPA als eindeutige Prüfstandserkennung beschreibt, nichts mit einer gezielten Reaktion auf die Laborsituation zu tun hat. Und wenn der Autobauer die Software tatsächlich gegenüber der EPA nicht ausgewiesen hat, warum er Informationen vorenthielt.

Bis zu 800.000 Autos mit Problemen bei CO2-Ausstoß
Nun auch noch Porsche? Der Volkswagen-Konzern bestreitet den Einsatz von Mogel-Software bei dem Stuttgarter Autobauer. Foto: dpa

  • Regulierer Die Environmental Protection Agency – kurz EPA – ist so ziemlich die letzte US-Aufsicht, mit der Unternehmen sich anlegen wollen. Die 1970 als unabhängige Umweltschutzbehörde der US-Regierung gegründete Institution gilt als knallharter Regulierer. Politiker kritisieren die weitreichenden Kompetenzen der EPA immer wieder und sehen ihre Macht als Gefahr für die Wirtschaft. Unterstützer betrachten die Behörde als durchsetzungsstarke Instanz, die auch ausländische Konzerne ins Visier nimmt.
  • >Milliardenstrafen Die EPA verteidigt Umweltschutzgesetze wie etwa den „Clean Air Act“ gegen den der Autobauer Volkswagen verstoßen haben soll. Dabei benutzt sie teils auch drastische Mittel wie Milliardenstrafen und strafrechtlicher Verfolgung. dpa

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04.11.2015, 12:00 Uhr

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