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Bis zum bitteren Ende
Leitartikel zum US-Wahlkampf

Bis zum bitteren Ende

Das zweite TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump müsste eigentlich zu einer Vorentscheidung im Rennen um die amerikanische Präsidentschaft geführt haben. Clinton blieb sachlich und war in den Themen sattelfest. Von persönlichen Attacken gegen Ehemann Bill wegen Affären, die er vor mehr als 20 Jahren hatte, ließ sie sich nicht aus der Ruhe bringen.

11.10.2016
  • PETER DETHIER

Washington. Auch blieb sie cool, als Trump behauptete, sie habe als Außenministerin versagt und im Zusammenhang mit dem Terrorangriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi absichtlich mehr als 30 000 E-Mails gelöscht. Im Gegenzug nutzte Clinton das zuletzt aufgetauchte Video mit sexistischen Äußerungen Trumps, um ihren Gegner wegen seiner Hasstiraden gegen Frauen, Mexikaner, Afro-Amerikaner, Muslime und selbst US-Kriegshelden insgesamt an den Pranger zu stellen.

In jedem anderen Wahljahr wäre auch tatsächlich eine Vorentscheidung gefallen. Zwar spricht mittlerweile alles für einen Clinton-Sieg. Dieses Jahr aber sind die Karten neu gemischt. Populismus, Ausländerhass und protektionistische Parolen sind in den USA hoch im Kurs. Trump nutzt diese Stimmung zur Profilbildung. Obendrein hat er es geschafft, mit seinem flegelhaften Benehmen und vulgären Entgleisungen die Latte so niedrig zu hängen, dass es schon als Erfolg gilt, wenn er in einer Debatte nicht komplett die Selbstbeherrschung verliert und implodiert. So gesehen ist es kein Wunder, dass jene Ja-Sager, mit denen er sich umgibt, den jüngsten Auftritt bejubeln. Zwar hat Trump zweifellos bei seinem Stammpublikum gepunktet. 30 Tage vor der Wahl genügt das aber nicht annähernd. Er braucht auch Stimmen von Frauen und ethnischen Minderheiten. Bei denen ist er aber chancenlos.

Die Republikaner dagegen haben ein noch größeres Problem. Nicht weniger als 16 Senatoren aus seiner eigenen Partei haben Trump den Rücken gekehrt und ihn aufgefordert, das Handtuch zu werfen. Sie bangen um die eigene Wiederwahl und die republikanischen Mehrheiten im Kongress. Trump aber wird nicht gehen. Schlimmstenfalls kann der Parteivorstand ihm zwar den Geldhahn abdrehen. Das aber würde den Trotzkopf in seinem Vorsatz, bis zum bitteren Ende im Rennen zu bleiben, eher noch bestärken.

Wie ungeeignet der Immobilienunternehmer für das Amt ist, das sehen Amerikas Wähler mittlerweile nicht nur an seinem Benehmen. Mindestens ebenso besorgniserregend ist Trumps pure Ignoranz in außen-, sicherheits- und wirtschaftspolitischen Themen. Ob er auf Syrien, die Flüchtlingskrise, den IS oder erneuerbare Energien angesprochen wird: Es bleibt bei auswendig gelernten Plattitüden und scharfen Attacken gegen den Status quo. Konstruktive Alternativen bietet er keine an.

Clinton liegt mittlerweile in sämtlichen relevanten Umfragen in Führung. Dass ihr Vorsprung nach dem zweiten Duell mit dem immer wieder ungehalten und kindisch auftretenden 70-Jährigen schrumpfen wird, ist kaum mehr vorstellbar. Vor allem in den strategisch wichtigen Staaten mit einem hohen Anteil an Wechselwählern hat sie nach dem Video-Skandal nun die Nase vorn. Nicht auszuschließen ist, dass die ehemalige First Lady am 8. November sogar einen Erdrutschsieg feiern wird.

leitartikel@swp.de

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11.10.2016, 06:00 Uhr

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