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Das Karl-Adam-Haus in Stuttgart heißt jetzt Rupert-Mayer-Haus

Bischof Fürst benennt Wohnheim um

Das bisherige Karl-Adam-Haus in Stuttgart trägt jetzt den Namen des Jesuitenpaters Rupert Mayer. Damit reagiert Bischof Gebhard Fürst auf zwei Offene Briefe des Rottenburger BfH-Stadtrats Albert Bodenmiller.

02.10.2010
  • Gert Fleischer

Stuttgart. Das Karl-Adam-Haus mit dem Sitz der Katholischen Hochschulgemeinde, der Telefonseelsorge sowie der Psychologischen Beratungsstelle „Ruf und Rat“ „trägt ab sofort den Namen des 1987 selig gesprochenen Jesuitenpaters und Gegners der Nationalsozialisten, Rupert Mayer“. Diesen Entschluss gab Bischof Gebhard Fürst am Donnerstag in Rottenburg bekannt.

Rupert Mayer wurde 1876 in Stuttgart geboren; sein Elternhaus steht dort am Marktplatz. Im September wurde vor der katholischen Marienkirche in Stuttgart ein neu gestalteter Rupert-Mayer-Platz eingeweiht.

Mayer verbrachte Kindheit und Schulzeit in Stuttgart. Danach studierte er in Fribourg, München und Tübingen katholische Theologie und wurde 1899 in Rottenburg zum Priester geweiht. Ein Jahr später trat er dem Jesuitenorden bei und kam nach Jahren als Volksmissionar in der Schweiz, in Deutschland und den Niederlanden 1912 als Männerseelsorger nach München. Im Ersten Weltkrieg erlitt er eine lebensgefährliche Verletzung im rumänischen Sultatal, weil er sich schützend über einen Soldaten gebeugt hatte; sein linkes Bein musste amputiert werden.

Nach dem Ersten Weltkrieg, so schreibt das Bischöfliche Ordinariat in seiner Pressemitteilung weiter, wurde Mayer in München als Präses der Marianischen Männerkongregation zur „Stimme der Katholiken“. Früh warnte er vor den Gefahren des Nationalsozialismus. 1937 wurde er zum ersten Mal verhaftet. 1939 verurteilte ihn das NS-Regime zu sieben Monaten Isolationshaft im Konzentrationslager Sachsenhausen.

Nach der Freilassung mit der Auflage eines Predigtverbots musste Mayer die Zeit bis Kriegsende unter Gestapo-Bewachung im Kloster Ettal verbringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete der durch die Haft gesundheitlich schwer angeschlagene Pater wieder als Seelsorger in München; 1945 starb er. Begraben ist Rupert Mayer in der bayerischen Landeshauptstadt in der Bürgersaalkirche der Marianischen Männerkongregation. 1987 sprach ihn Papst Johannes Paul II. selig.

Das bisherige Karl-Adam-Haus der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Hospitalviertel der Landeshauptstadt erinnerte an den 1966 verstorbenen gleichnamigen Tübinger Theologie-Professor. Der 1876 in der Oberpfalz geborene und als theologischer Denker weithin geachtete Professor „hatte in der NS-Zeit völkisch, rassistisch und antisemitisch geprägte Aussagen gemacht“, schreibt das Bischöfliche Ordinariat. In der verstärkten Auseinandersetzung der vergangenen Jahre mit der NS-Geschichte war Adams Haltung inner- und außerhalb der Kirche kritisiert worden.

„Adam kann als politisch und weltanschaulich in Teilen irregeleitetes Kind einer unseligen Zeit für heutige Generationen keine Orientierung bieten“, betonte Bischof Fürst. Rupert Mayer dagegen sei ein starkes Vorbild an Mut und Standhaftigkeit gegenüber unmenschlichen Ideologien. Unbenommen davon seien die theologischen Leistungen Adams als eines der damals meist gelesenen Theologen zu würdigen. Die Umbenennung des Hauses soll demnächst in angemessenem Rahmen offiziell vorgenommen werden.

Albert Bodenmiller hatte in Offenen Briefen im Juli und im September die Katholische Kirche aufgefordert, ihre eigene NS-Vergangenheit öffentlicher aufzuarbeiten, sich von Karl Adam zu distanzieren und das nach ihm benannte Studentenheim in Stuttgart anders zu benennen.

Bodenmiller zitierte Adam unter anderem mit dieser 1933 gemachten Aussage: „Nach den biologischen Gesetzen kann es keinen Zweifel geben, dass der Jude rassefremd ist und rassefremd bleiben muss.“ Im gleichen Jahr trat Adam, damals einer der angesehensten katholischen Theologen Deutschlands, der NSDAP bei. Adam lehrte seit 1919 in Tübingen und blieb auch nach 1945 unangefochten dort auf dem Dogmatik-Lehrstuhl. In Tübingen gibt es bis heute eine Karl-Adam-Straße.

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02.10.2010, 12:00 Uhr

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