„Bitcoins sind wie Bargeld“

27.07.2020

Von MATHIAS PUDDIG

Autorin, Podcasterin und Bitcoin-Expertin Anita Posch Foto: privat

Profitieren Digitalwährungen davon, wenn das Bargeld an Bedeutung verliert? Bitcoin-Expertin Anita Posch beobachtet einen Anstieg des Handelsvolumens.

Frau Posch, ist jetzt die Stunde der digitalen Währungen gekommen?

Im Zuge der Krise ist das Handelsvolumen auf Bitcoin-Börsen eindeutig gewachsen. In Westeuropa, in Nordamerika und vor allem in Afrika ist spürbar, dass sich die Leute mehr Kryptowährungen zulegen. Ich glaube aber nicht, dass das etwas damit zu tun hat, dass bargeldloses Zahlen hygienischer ist. Das liegt eher daran, dass vielen Leuten bewusst wird, dass Kryptowährungen eine Alternative sind, bei der sie Geld ansparen können und sich zugleich gegen einen Wertverlust des Euro und des US-Dollar absichern.

Lassen Sie uns kurz die Begriffe klären: Was unterscheidet Kryptowährungen von digitalen Währungen?

Die Worte Digitalwährung und Kryptowährung sind tatsächlich irreführend. Denn eine Währung ist ein gesetzliches Zahlungsmittel. Man sollte eigentlich von Kryptogeld sprechen, aber das hat sich anders eingebürgert. Bitcoin ist die größte Vertreterin der Kryptowährungen. Digitalwährungen sind im Gegensatz dazu digitales Zentralbankgeld.

Was ist da anders?

Digitales Zentralbankgeld, also der digitale Euro, ist die Fortführung des aktuellen monetären Systems, bloß technologisch auf Basis einer Blockchain. Im Unterschied zu Bitcoin wird der digitale Euro ein zentral organisiertes System bleiben, das von den Banken kontrolliert wird. Diese könnten damit Negativzinsen oder automatische Zahlungslimits einführen. Das gefährdet die Privatsphäre, und anonyme Zahlungen sind nicht möglich. Digitalwährungen sind im Gegensatz zu Kryptowährungen wie Bitcoin oder Monero kein Bargeldersatz.

Aber Bitcoin?

Bitcoin ist im Gegensatz dazu ein dezentral organisiertes System. Und zugleich ist Bitcoin auf dem besten Weg, Zahlungen nicht mehr nachvollziehbar machen zu können. Es ist wie Bargeld. Das kann keiner kontrollieren oder beschränken.

Also perfekt für Geldwäsche?

Natürlich können diese Dinge – wie alle Technologien – auch negative Auswirkungen haben. Aber schauen wir uns einmal China an. Die führen bald ein digitales Zentralbanksystem ein und haben jetzt schon ein Social-Credit-System. Das ist natürlich die totalitäre Version davon, bei uns ist es anders. Aber auch hier wechseln die Regierungen. Mathias Puddig

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Erstellt:
27. Juli 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Juli 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2020, 06:00 Uhr

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