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Altpapier

Blaue Tonne kommt – und die Vereine sammeln weiter Altpapier

Am Donnerstagabend kam es zwischen der Landkreisspitze und den Vereinen zu versöhnlichen Tönen.

26.11.2016

Von Lorenzo Zimmer

Fröhlich waren die Gesichter der rund 50 Vereinsvertreter, die am Donnerstagabend in den Großen Sitzungssaal des Landratsamtes gekommen waren, nicht. Denn eins scheint klar: So wie es in den letzten Jahren mit der samstäglichen Papiersammlung der Vereine gelaufen ist, wird es nicht weitergehen. Gerüchte, der Landrat habe eine Vereinbarung mit den Vereinen seinerseits gekündigt, um Geld zu sparen oder selbst durch blaue Tonnen Einnahmen zu generieren, wies Joachim Walter von sich: „Es geht nicht ums Sparen, sondern wir sind mit unserem Modus in einer Sackgasse und müssen einen Ausweg suchen.“

In die Sackgasse ist der Landkreis aus Sicht der Verwaltung durch eine Klage eines Anbieters von Altpapiertonnen geraten. Vor einigen Jahren verbat der Kreis Privatanbietern, Tonnen aufzustellen. Dieses Verbot wurde vom Verwaltungsgericht Sigmaringen gekippt.

2017 wird die Bündelsammlung im Kreisgebiet an zehn Samstagen im Jahr wie gewohnt von Vereinen organisiert und durchgeführt. Wo sie nicht tätig werden, sammelt die Entsorgungsfirma, die sonst von den Vereinen das Papier entgegennimmt. Doch wie es ab 2018 weitergehen soll, ist unklar.

Bei dem Treffen wurde die Landkreisspitze durch Landrat Joachim Walter, den Bereichsleiter für Finanzen und Verwaltung Werner Walz, die Abteilungsleiterin der Abfallwirtschaft Sybille Kiefer und den Unternehmensberater Ullrich Schmidt vertreten. Schmidt berät Landkreise im ganzen Land bei der Abfallwirtschaft.

Auf Antrag des Rottenburger Oberbürgermeisters und Fraktionsvorsitzenden der Kreis-CDU, Stephan Neher, wurde eine Entscheidung für eine kommunale Altpapiertonne im ganzen Landkreis bei der letzten Kreistagssitzung vertagt. Der Termin am Donnerstag war jetzt die letzte Möglichkeit zum Gespräch mit den Vereinen vor einer Entscheidung: Sie steht am 7. Dezember bei der letzten Kreistagssitzung in diesem Jahr an.

Der Kreisverwaltung schwebt ab 2018 ein duales System vor. Doch statt alle Bürger pauschal für eine Tonne anzumelden – wer keine Tonne gewollt hätte, hätte sich aktiv regen müssen –, will man den Vereinen entgegenkommen und das Prinzip umkehren: „Wer eine Tonne haben möchte, muss auf unser Schreiben reagieren und aktiv auf uns zukommen“, so Walter.

Außerdem möchte er für die gemeinnützige Sammelaktion der Vereine werben – zum Beispiel im Abfallkalender. Das erhielt von einigen Vereinsvertretern Zuspruch: „Dass wir Abstriche bei der Menge machen müssen, ist uns allen klar. Aber wenn der Landkreis für uns wirbt, wird das schon gehen“, hofft etwa Heiko Schreiner von den Sportfreunden Bierlingen.

Ob die Bündelsammlungen aus wirtschaftlichen Gründen ab 2018 seltener stattfinden, blieb offen. So könnten Verbraucher trotz Tonne länger Bündel sammeln – die Menge bliebe im Idealfall die gleiche wie bisher. Und durch geringere Kosten beim selteneren Sammeln, etwa für die Miete des Pressfahrzeugs, könnten die Vereine sparen.

Winfried Haug vom Musikverein Wurmlingen fürchtet, dass dann erst recht mehr Altpapier in die Tonne wandert: „Wenn wir reduzieren, muss der Kunde das Papier ja ewig aufbewahren. Da schmeißt er es eher in die Tonne. Dann haben wir verloren.“

Walter glaubt an das Wohlwollen der Verbraucher: „Ich denke, wir können das hinkriegen, dass Kartons, die ohnehin viel Luft enthalten, in den Tonnen landen, und das schwere Material – Telefonbücher, Zeitungen, Illustrierte – gebündelt an die Vereine gehen.“ Nach der Erfahrung von Schmidt sei das durchaus realistisch: „In anderen Kreisen klappt das.“

Und ein weiterer Vorschlag wurde diskutiert: Zusätzlich zu den möglicherweise dann selteneren Bündelsammlungen von Altpapier, bot der Landrat den Vereinen an, in Zukunft die Sammelplätze für Altglascontainer zu reinigen. Dazu Schmidt: „Das ist ein attraktives Angebot.“ Auch das sei in anderen Landkreisen bereits Praxis für Vereine und karitative Einrichtungen. Derzeit gibt der Landkreis für diese Arbeit rund 190000 Euro aus: „Das könnte in Zukunft in die Vereinskassen fließen“, so Schmidt.

Anfang Dezember wird der Kreistag aller Voraussicht nach der Verwaltung folgen und die blaue Tonne beschließen. Bis zum Jahresende sollen die Vereine Rückmeldung geben, ob für sie eine Sammlung 2018 unter den veränderten Bedingungen noch möglich ist. Wie es wirklich weiter geht, und ob sich die Bündelsammlung noch lohnt, wird aber wohl erst die Praxis zeigen können.

Zahlen und Fakten

Derzeit sammeln circa 170 Vereine im Landkreis Altpapier. Die Jahresmenge pro Verein variiert von 6 bis 320 Tonnen pro Jahr. Abhängig von deren Sammellogistik, der Gebietsstruktur und der Auslastung der Sammelfahrzeuge schwankt der Erlös der Vereine zwischen 10 und 25 Euro pro Tonne Altpapier. Die Papierproduktion in Deutschland verändert sich: Es gibt immer mehr Kartons, die viel Platz wegnehmen, aber wenig Gewicht bringen, während die Zahlen von Telefonbüchern, Zeitungen und Illustrierten abnehmen. Mit 70000 Briefen will die Landkreisspitze im kommenden Januar im gesamten Kreisgebiet abfragen, wer eine blaue Tonne haben möchte. Zwischen Oktober und Dezember 2017 sollen die Tonnen dann ausgeliefert werden. Parallel will dazu der Kreis die Vereinssammlungen bewerben.

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Erstellt:
26. November 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
26. November 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. November 2016, 01:00 Uhr

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Albert 26.11.201612:14 Uhr

"... ln die Sackgasse ist der Landkreis aus Sicht der Verwaltung durch eine Klage eines Anbieters von Altpapiertonnen geraten."

Das ist ein kleiner Vorgeschmack auf die Auswirkungen von CETA und Konsorten.