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Neues Boot, neuer Törn

Blausteiner Pfadfinder nach dem Untergang ihres Schiffs 2013 jetzt wieder auf Segelreise

Sie waren mit der "Falado von Rhodos" unterwegs, bevor das Schiff 2013 vor Island sank: die Blausteiner Pfadfinder. Jetzt sind sie auf ihrem ersten Törn nach dem Untergang - auf einem neuen Schiff.

02.11.2015
  • SAMIRA EISELE

Blaustein Der Untergang dauerte lange. Nina Rudolf erinnert sich noch genau an die Nacht vom 8. auf 9. August 2013, die Nacht, in der die "Falado von Rhodos" vor Island versank. Nina lag in ihrer Koje und kämpfte mit der Übelkeit. Gegen 23 Uhr alarmierte Skipper Axel Hommel, genannt Balo, die Crew: Wasser schwappte über den Boden. Alle mussten mit anpacken - auch die seekranke Nina: "Das ging dann", sagt die damals 13-Jährige, die die Übelkeit vergaß: "Der Kopf hatte was zu tun."

Fünf Stunden schöpften die Pfadfinder vom Stamm "Gralsritter" aus Blaustein (Alb-Donau-Kreis) Wasser. Eine Motorpumpe war ausgefallen, die Crew pumpte von Hand. Aber das Segelschiff, ein 45 Jahre alter Zweimaster, war nicht zu retten.

Gruselig war das nicht, sagt Nina: "Wir haben nicht drüber nachgedacht." Skipper Balo hatte längst die Seerettung alarmiert, ein Fischerboot war in der Nähe. Am Ende brachte die isländische Küstenwache Nina, sechs weitere Jugendliche und fünf erwachsene Betreuer an Land.

Zwei Jahre später ist Nina selbst Gruppenleiterin bei den sechs- bis 13-Jährigen. Und obwohl sie selbst aus Zeitgründen nicht mitfahren kann, ist sie dabei, als der erste Törn nach dem Untergang vorbereitet wird. Mittlerweile wurde das gesunkene Schiff durch ein neues ersetzt: den englischen Segelschoner "Whydah of Bristol".

Finanziert wurde das knapp 15 Meter lange Segelschiff über Spenden, Darlehen und eine Crowdfunding-Aktion. Der Blausteiner Pfadfinder-Vorsitzende Balo hat die Spendensammlung und den Kauf mitorganisiert. Das Schiff, das einer Eignergemeinschaft unter Vorsitz von Balo gehört, kann von Pfadfinder-, Sing- und Wandervogelgruppen aus ganz Deutschland genutzt werden.

Für die Vorbereitung ihres ersten Törns haben sich die Blausteiner vor ihrem Pfadfinder-Treff "Camelot" am Ortsausgang von Arnegg versammelt. In Kluft - blaue Hemden oder Pullover, rot-weißes Halstuch und Lederhosen beziehungsweise weite Röcke - stehen die Buben und Mädchen ganz manierlich im Kreis. Skipper Balo erklärt: An drei Stationen lernen die zukünftigen Crewmitglieder zu knoten, das Seil zu werfen und die Klampen zu belegen - Taue an den entsprechenden Vorrichtungen zu befestigen. Dann geht's los mit den Übungen. Eine besondere Herausforderung ist das Werfen des Seils, mit dem beim Anlegen die Distanz zum Hafen überwunden werden muss. Die Kinder müssen ordentlich Schwung holen.

Auch Lea versucht sich an dieser Station. Sie ist acht Jahre alt und dieses Jahr die jüngste Seglerin. Es ist ihre erste große Reise mit den Pfadfindern. Als die Pfadfinder nach einer guten Stunde Übungszeit in ihrem Treff im Kreis zusammensitzen, fragt Lea sicherheitshalber nach: "Wie ist die Falado untergegangen?" Und Balo erklärt: Die Falado hatte ein Leck unter der Wasserlinie, das die Pfadfinder nicht finden konnten. Wahrscheinlich hatte die Dichtung zwischen Holzplanken nachgegeben.

Die Jugendgruppen, die die "Falado" nutzten, hatten den Zweimaster in Eigenarbeit gewartet und abgedichtet. Im Untersuchungsbericht zum Untergang wird das bemängelt. Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung diagnostiziert, dass das Schiff in "einem nicht seetüchtigen Zustand" gewesen sei und "es ausschließlich glücklichen Zufällen zu verdanken ist, dass es beim Untergang der Falado von Rhodos nicht zu einer Tragödie mit Todesopfern gekommen ist". Der Skipper sieht das anders: Die Situation sei "von vorneherein sicher" gewesen - und Rettungsinseln, die an Bord waren, habe man nicht einmal gebraucht.

Lea hakt nach: "Ist das Schiff aus Holz?" Beruhigung: Die knapp 15 Meter lange "Whydah" hat einen Rumpf aus Stahl. "Was bei der ,Falado' passiert ist, kann bei der ,Whydah' nicht passieren."

Eine Herausforderung wird die Reise für Lea trotzdem: Backbord, dicht holen, Talje, Takelage und Vorsteven - es gibt viel zu lernen, nicht nur an Seefahrts-Vokabeln. An Bord, wenn man alles vor Augen hat, klappt das, versichert Balo. Seit dem Wochenende sind die Blausteiner, eine Crew aus sieben Seglern, einem Skipper und einem Bootsmann, von Heiligenhafen aus auf der Ostsee unterwegs. Wenn die Nachwuchssegler eine Pause brauchen, legt die "Whydah" einen Hafentag ein, die Pfadfinder machen Geländespiele. "Es soll in erster Linie ein Gruppenerlebnis sein", sagt Balo.

Dass solche Segeltörns schon zahllose Jugendgruppen enger zusammengeschweißt haben, können die Blausteiner auf der Rückfahrt erfahren: Auf einem Hof treffen sich am vorletzten Herbstferientag viele ehemalige "Falado"-Segler, um in Erinnerungen zu schwelgen. Seit dem Untergang hat das Treffen noch einen neuen Beigeschmack, gerade für die Blausteiner. Denn jetzt ist der Name zumindest für die "Gralsritter" Programm: Das Treffen heißt "Falado-Überlebensfest".

Blausteiner Pfadfinder nach dem Untergang ihres Schiffs 2013 jetzt wieder auf Segelreise
Da war noch alles okay: Nina Rudolf (links unten) und andere Pfadfinder auf dem letzten Törn der Falado von Rhodos. Der Zweimaster sank am vorletzten Segeltag vor Island. Die achtjährige Lea (rechts unten) segelt dieses Jahr zum ersten Mal und übt schon mal, das Seil zu werfen. Foto: Privat (2), Oliver Schulz

Blausteiner Pfadfinder nach dem Untergang ihres Schiffs 2013 jetzt wieder auf Segelreise

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02.11.2015, 12:00 Uhr

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