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23.11.2015

Das Belastungsmaterial ist eindeutig: Zwölf CDs mit über tausend Fotos und einigen grobkörnigen Videoclips haben die Ermittler im Folterskandal von Abu Ghraib ausgewertet. Einige sind weltberühmt geworden: Ein Gefangener mit Kapuze und Decke verhüllt und mit Drähten an den Fingern („er sah aus wie Jesus Christus“), ein Gefangener an einer Hundeleine, eine Art Pyramide aus nackten Gefangenen.

Im ersten Dokumentarfilm, der je im Berlinale-Wettbewerb lief und gleich einen Silbernen Bären abräumte, zeichnet der US-Regisseur Errol Morris nach, wie die Bilder zustande kamen. Es waren vor allem zwei Soldatinnen, die gelegentlich geradezu um die Wette knipsten. Die Fotos wurden kopiert und rumgemailt – da wundert man sich, wie lange es dauerte, bis die Misshandlungen öffentlich wurden. Morris hat ein knappes Dutzend Täter/innen und einen Ermittler ausführlich interviewt, aufwändig ausgeleuchtet und fett mit Musik unterlegt. Zwischendrin spielen Schauspieler einige Szenen nach. Das ist manchmal unnötig dick aufgetragen – als ob Morris der Wucht der echten Fotos nicht traut, die man nun schon oft gesehen hat, und die einen nun, in Übergröße im Kino, doch wieder vor Entsetzen sprachlos machen.

Sprachlos machen einen freilich auch die Interviews. Selbst mit einigen Jahren Abstand sehen sich alle Täter/innen zu Unrecht (oder zumindest zu hart) bestraft, alle geben ihren Kameraden die eigentliche Schuld, alle verharmlosen das Geschehene. „Wir haben sie ja nicht getötet, sondern nur weich gemacht für die Verhöre.“ Und, die Standard-Rechtfertigung aller willigen Vollstrecker und Schreibtischtäter: „Es war ein Befehl. Ich konnte nichts dagegen tun.“ Man denkt an das legendäre Milgram-Experiment, 1970 verfilmt als „Abraham – ein Versuch“.

Die US-Militärführung hat für den Skandal die sadistischen Machtphantasien und sexuellen Perversionen einiger einfacher Soldaten verantwortlich gemacht. Doch Morris macht klar, dass vieles von oben gedeckt war, und dass es sogar noch schlimmere Folterungen gegeben haben muss – an Gefangenen, die die CIA nie offiziell registrieren ließ. Doch davon sind noch keine Fotos bekannt geworden.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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