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Gewalt

Blutbad hinter Gittern in Brasilien

Der Justizvollzug in Brasilien ist außer Kontrolle: Schon wieder gibt es viele Tote bei einem Bandenkrieg. Menschenrechtler nennen die Zustände mittelalterlich.

17.01.2017
  • DPA

Natal. Bei erneuten schweren Kämpfen zwischen rivalisierenden Gangs sind in einem brasilianischen Gefängnis 26 Menschen ums Leben gekommen. Die Identifizierung der Opfer sei schwierig, weil die meisten Leichen geköpft und verstümmelt worden seien, teilten die Sicherheitsbehörden des Bundesstaats Rio Grande do Norte mit.

Zu den blutigen Auseinandersetzungen war es gekommen, nachdem Gangmitglieder in den Bereich einer anderen Bande eingedrungen waren. Im Morgengrauen stürmte die Militärpolizei die Haftanstalt Alcaçuz im Nordosten des Landes. Die Kämpfe zwischen den Banden wurden offenbar von Gangmitgliedern außerhalb der Haftanstalt unterstützt. Kurz zuvor hatten sich Männer in einem Auto dem Gefängnis genähert und Waffen über die Mauer geworfen.

Das Gefängnis Alcaçuz ist von Sanddünen umgeben. Von dort lassen sich Gegenstände recht leicht über die Mauer werfen. Außerdem wurde vor Beginn der Auseinandersetzung der Strom abgestellt. Deshalb funktionierten die Störsender nicht mehr, die die Kommunikation per Handy in dem Gefängnis verhindern sollten.

Im südbrasilianischen Bundesstaat Paraná erschoss die Militärpolizei unterdessen zwei Häftlinge auf der Flucht. Zuvor waren dort 30 Gefangene aus einer Anstalt getürmt, nachdem Bandenmitglieder die Gefängnismauer von außen gesprengt hatten.

In den vergangenen zwei Wochen kamen bei Kämpfen in brasilianischen Gefängnissen schon mehr als 120 Menschen um. Kriminelle Banden ringen um die Kontrolle des Drogenhandels. Längst werden zahlreiche Gefängnisse de facto von kriminellen Organisationen verwaltet.

Zudem sind die Haftanstalten extrem überfüllt. Laut Justizministerium sitzen 622 000 Häftlinge in Gefängnissen mit einer Gesamtkapazität von nur 372 000 Plätzen ein. „Uns fehlen damit 300 000 Haftplätze“, klagt Justizminister Alexandre de Moraes. „Das hat das System in ein Pulverfass verwandelt.“ Staatspräsident Michel Temer rief angesichts der jüngsten Ereignisse die Sicherheits- und Justizminister der Bundesstaaten für heute zu einer Krisensitzung zusammen.

In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Häftlinge in Brasilien nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) um 85 Prozent. Vor allem die restriktive Drogenpolitik mit Freiheitsstrafen selbst für Konsumenten hat demnach die Zahl der Gefangenen in die Höhe schnellen lassen. Die Haftbedingungen beschreibt HRW als „mittelalterlich“. dpa

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17.01.2017, 06:00 Uhr

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