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Blutiger Anschlag
Riesiges Polizeiaufgebot: Teile der Heidenheimer Innenstadt waren gestern zeitweise abgesperrt, die Polizei fahndete nach den Tätern. Foto: Markus Brandhuber
Opfer sollen zu den United Tribuns gehören, die Täter zu den Black Jackets

Blutiger Anschlag

Gestern wurden in Heidenheim zwei junge Männer angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Opfer und Täter sollen Mitglieder rivalisierender Banden sein. Die Polizei nahm drei Tatverdächtige vorläufig fest.

08.04.2016
  • SILJA KUMMER

Heidenheim. Die Menschen entlang der Clichystraße sind schockiert: Schüsse auf offener Straße in der Heidenheimer Innenstadt, zwei schwerverletzte Männer, 25 und 29 Jahre alt, werden mit dem Rettungswagen abtransportiert. Viermal soll es laut geknallt haben, erzählen Anwohner. Die beiden jungen Männer, die vor einem Friseursalon auf dem Bürgersteig standen, wurden aus einer Gruppe von drei anderen Männern heraus angeschossen. Die Täter flüchteten in einem dunklen Auto, so die Polizei.

Kurze Zeit später läuft die Großfahndung, ein Hubschrauber kreist über der Stadt, zahlreiche Streifenwagen sind unterwegs. Der Verkehr stockt, es kommt im ganzen Stadtgebiet mitunter zu erheblichen Behinderungen, bedingt durch Sperrungen und Kontrollen. Am Tatort sichern Kriminaltechniker noch stundenlang Spuren.

Schnell macht auf der Straße das Wort Bandenkriminalität die Runde, die Zuordnung ist auch getroffen: Die Opfer seien Mitglieder der United Tribuns, die Täter von den Black Jackets, erzählen zwei Männer, die noch mit einem der Verletzten gesprochen haben wollen. Das bestätigt die Polizei so nicht, aber: "Bandenkriminalität ist als Hintergrund des Verbrechens nicht auszuschließen", sagt Polizeipressesprecher Rudi Bauer.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei der Schießerei um eine gezielte Aktion handelte. Deshalb heißt es auch von Anfang an, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe, obwohl die Täter auf der Flucht waren.

Am Abend scheint Giengen zum Schwerpunkt der Ermittlungen zu werden: Augenzeugen berichten von Hausdurchsuchungen und SEK-Einsätzen im Bereich der Schwagestraße. Gegen 21 Uhr teilt die Polizei auf Nachfrage unserer Zeitung mit, dass drei Tatverdächtige vorläufig festgenommen wurden. Dass der Zugriff in Giengen erfolgte, wurde am Abend nicht bestätigt, mehr Informationen sollen heute folgen.

Parallel dazu hatten sich Mitglieder der United Tribuns vor dem Klinikum versammelt. Sie waren aus ganz Süddeutschland, angereist, wie die Aufnäher an ihren Kutten verraten. "Wir sind hier, weil ein verletztes Member im Krankenhaus liegt", sagte einer. Mit ihm wollen die Männer Solidarität demonstrieren - vielleicht aber auch zeigen, dass sie viele sind an vielen Orten. Polizeibeamte in Schutzkleidung und mit Helmen stehen vor der Klinik und haben ein Auge auf die spontane Versammlung.

Schon seit einigen Monaten gibt es Anzeichen, die auf einen Bandenkrieg in der Region hindeuten. Im vergangenen Jahr wurden Molotow-Cocktails auf das Gelände eines Autohändlers geworfen, dessen Bruder der lokale Chef der United Tribuns ist. Im Sommer klingelte die Polizei dann bei Tatverdächtigen aus der Rockerszene und durchsuchte insgesamt zehn Wohnungen. Mitglieder von zwei nicht näher genannten Gruppierungen waren damals das Ziel der Ermittlungen. Die Durchsuchungen fanden in Heidenheim statt, aber auch in Stuttgart, Aalen, Neu-Ulm und anderen Orten. Gefunden wurden nach Angaben der Polizei Messer, Schlagwerkzeuge, Anabolika und Amphetamin. Mit diesen Durchsuchungen brachte die Polizei auch zwei Anschläge in Ulm in Verbindung (siehe Info-Kasten).

Auch im Zusammenhang mit einem Treffen der United Tribuns Ende Januar im Heidenheimer Teilort Oggenhausen wurde ein Brandsatz geworfen: Damals kamen 300 Mitglieder der Gruppierung zu einer Party. Wie die Polizei sechs Wochen später mitteilte, flog in der Nacht vor dem Treffen ein Molotow-Cocktail aus einem fahrenden Auto heraus an die Hauswand der Gaststätte, in der die Veranstaltung stattfinden sollte. Nur weil das Fenster verfehlt wurde, kam es nicht zu einem Brand. Die Mitglieder der United Tribuns kommen nach eigenen Aussagen aus der Bodybuilder-Szene und sind zum Teil im Türsteher-Bereich, auch im Rotlicht-Milieu, tätig. Im Kreis Heidenheim trat die Gruppe mit dem Treffen erstmals öffentlich in Erscheinung.

Kampf um die Vorherrschaft

Machtkampf Erst Anfang dieser Woche hat die Polizei davor gewarnt, sich beim Thema Rocker in Sicherheit zu wiegen. Die Schüsse in Heidenheim zeigen, wie gefährlich der Machtkampf um die Vorherrschaft in der Region geführt wird. Im vergangenen Sommer war es in Ulm zu einem Sprengstoffanschlag auf eine Shisha-Bar gekommen, außerdem wurde scharf auf ein Bordell im Ulmer Westen geschossen. Als Hintergrund für die Angriffe wird vermutet, dass die United Tribuns ein in den letzten Jahren durch zahlreiche Verhaftungen und Verurteilungen von Rockergrößen entstandenes Machtvakuum in Ulm und der umliegendenRegion ausfüllen wollen.

Burgfrieden In Ulm haben sich daraufhin bislang verfeindete Gruppierungen wie die Rock Machine, die Bandidos und die Black Jackets zu einer Art Burgfrieden zusammengeschlossen, um gemeinsam die Angriffe der Tribuns abzuwehren. Hinter den Anschlägen in Ulm werden die Tribuns vermutet, die jetzt in Heidenheim aber offenbar zu den Opfern gehören.

Chapter Eine strenge Trennung der Gebiete ist schwer möglich, zumal es viele persönliche Verbindungen und Kontakte der Tribune und der Black Jackets zwischen Ulm und Heidenheim gibt, dem Gründungsort der Jackets 1985.

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08.04.2016, 06:00 Uhr

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