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Blutiger Kampf rund um den Goldberg
Das Diorama mit 1200 Zinnfiguren stellt die Schlacht von Böblingen dar. Museumsleiterin Cornelia Wenzel hält die ehemalige Zehntscheuer für den perfekten Ort, um an den Aufstand zu erinnern. Foto: Barbara Wollny
Geschichte

Blutiger Kampf rund um den Goldberg

Das Bauernkriegsmuseum in Böblingen feiert sein 30-jähriges Bestehen. Die Ausstellung erinnert an eine blutige Entscheidungsschlacht vor fast 500 Jahren.

03.03.2018
  • BARBARA WOLLNY

Böblingen. Böblingen besitzt das einzige Museum zum Bauernkrieg in Westdeutschland. Mit einer Sonderausstellung, Vorführungen alter Handwerkstechniken und Mitmachprogrammen für Kinder wird am Wochenende das 30-jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert.

Das Museum erinnert an die Schlacht vom 12. Mai 1525, eines der düstersten Ereignisse der Stadtgeschichte. Damals hatten 15 000 notdürftig mit Mistgabeln oder Spießen ausgestattete Bauern auf dem Goldberg Quartier bezogen und eine Wagenburg errichtet. Eine der blutigsten Entscheidungsschlachten des Bauernkriegs wurde an dem Tag auf dem Gelände zwischen Böblingen und Sindelfingen ausgetragen. Den Bauern gegenüber stand der „Schwäbische Bund“. Das zahlenmäßig viel kleinere Heer der württembergischen Adligen mit 6000 Soldaten und Reitern war bestens mit Waffen ausgestattet und von Rüstungen geschützt.

Nachdem sich die Stadt Böblingen, die anfangs auf Seiten der Bauern stand, ergeben hatte und ihre Pforten öffnete, konnten die Soldaten mit vier Kanonen vom Schlossberg auf die Bauern feuern. Es dauerte es nicht lange, bis sich die Bauern ergeben mussten und grausam niedergemetzelt wurden. Zu den Glücklichen zählte, wer sich in die Wälder retten konnte. Mehr als 3000 Bauern verloren ihr Leben, auf Seiten des Schwäbischen Bundes wurden nur 50 Tote gezählt.

Das Deutsche Bauernkriegsmuseum wurde in der vor dreißig Jahren aufwendig sanierten ehemaligen Zehntscheuer auf dem Schlossberg untergebracht. „Die Zehntscheuer war früher das Finanzamt. Hier mussten die Bauern einen Großteil ihrer Ernte abliefern. Da große Armut und Rechtlosigkeit eine der Hauptursachen für den Bauernkrieg waren, ist dieses Haus der perfekte Ort“, erklärt Cornelia Wenzel. Sie leitet seit 2006 das Museum.

„Unsere Herausforderung ist es, die Erinnerung an diese größte Massenerhebung der deutschen Geschichte wachzuhalten und einen Dialog herzustellen“, erklärt Wenzel. „Der Aufstand der Bauern bietet viele Parallelen zur Gegenwart. Auch Anfang des 16. Jahrhunderts war die Welt stark im Umbruch.“

„Wir wollten Geschichte aus der Sicht der armen Leute zeigen“, erinnert sich Günter Scholz, der vor dreißig Jahren das Museum aufbaute, das 1988 öffnete. Während in der DDR das Gedenken an den Befreiungskrieg hochgehalten worden sei, sei dieser Umsturzversuch der frühen Neuzeit in der BRD kaum thematisiert worden.

Der Historiker wurde 1981 von der Uni Tübingen nach Böblingen geholt. Er sollte in der rasant wachsenden Wirtschaftsgemeinde für den kulturellen Ausgleich sorgen und wurde mit der Konzeption des Hauses beauftragt. „Das war damals aus zwei Gründen nicht ganz einfach. Zum einen, war es die Zeit, in der sich Baden-Württemberg mit opulenten Staufer-Ausstellungen selbst feierte und man beim Thema Bauern eher die Nase rümpfte.

Zum anderen war es mühsam, weil kein einziges Ausstellungsstück vorhanden war,“ beschreibt Scholz den Anfang. Auf Auktionen, bei Privatsammlern und Archiven konnten mittlerweile etliche Originalstücke angekauft werden. In einem großen beleuchteten Schaukasten wird mit weit über tausend Zinnfiguren die Böblinger Schlacht nachgestellt. „Es geht uns aber nicht allein um dieses Ereignis. Wir wollen visualisieren, dass damals erstmals neben dem Kampf mit Waffen auch der Kampf über das Wort eine zentrale Rolle spielte“, sagt Scholz, der heute als Vorsitzender der Böblinger Museumsfreunde die Arbeit weiter begleitet.

Am Modell einer Buchdruckpresse können im Museum die Flugblätter gedruckt werden, mit denen 1525 die Bauern ihre Forderungen verbreiteten und sich dabei stark auf Martin Luther beriefen. Wie die Geschichte weiterging, ist bekannt. Luther ergreift Partei für die Obrigkeit, die erste politische Massenbewegung im deutschen Raum scheitert.

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03.03.2018, 06:00 Uhr

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