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Bob Dylan schweigt zum Nobelpreis

Der Songwriter ist bei seinem ersten Konzert nach der Auszeichnung cool wie eh und je.

15.10.2016
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Las Vegas. War was? Bei seinem ersten Auftritt nach dem Gewinn des Literaturnobelpreises gibt sich Bob Dylan cool wie immer. Kein Wort sagt der 75-jährige Sänger und Songwriter in Las Vegas, wo er am Donnerstagabend in der Konzerthalle eines Casinos spielt, zu der Auszeichnung, über die die Literatur- und Musikszene heftig diskutiert. Sollte der Gewinn der höchsten literarischen Anerkennung der Welt irgendwelche Gefühle bei ihm hervorrufen, so lässt er sie sich jedenfalls nicht anmerken.

Stattdessen spult die Rock-Legende mit der fünfköpfigen Band das gewohnte Programm runter. In einem perlgrauen Anzug, die Haare von den Scheinwerfern zu einem struppigen Heiligenschein erleuchtet, spielt Dylan an Klavier, Gitarre und Mundharmonika sowie mit seiner krächzenden Stimme eine Auswahl der Werke seiner mehr als 50-jährigen Karriere.

Die Ovationen des Publikums, die Rufe „Nobel laureate“ (Nobelpreisträger) – Dylan ignoriert sie. Erst als er zu den Zugaben kommt, ändert sich der Ton: Dylan weicht vom Programm ab, das er schon bei seinem vorherigen Konzert gespielt hat. Nun gibt es unter dem begeisterten Jubel der 2000 Besucher die berühmte Protesthymne „Blowin‘ in the Wind“ aus dem Jahr 1963.

In Dylan war erstmals ein Songwriter mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden. Er schweigt dazu. Lediglich auf seinem Twitter-Kanal wird unter Berufung auf die Schwedische Akademie verkündet: „Bob Dylan wurde der #Literaturnobelpreis 2016 „für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition“ verliehen.“ Etwas später teilt der Künstler – oder ein Mitarbeiter – einen Glückwunsch-Tweet von US-Präsident Barack Obama „an einen meiner Lieblingsdichter“.

Download-Zahlen steigen

Dylan hat schon viele Preise erhalten – oft ist er nicht zur Verleihung erschienen. Ob sich die Schwedische Akademie Sorgen macht, er könne sich die Reise im Dezember nach Stockholm sparen? Vielleicht kann Dylans letztes Stück beim Konzert in Las Vegas als Botschaft verstanden werden – warum wollt ihr jetzt versuchen, mich zu ändern, fragt er mit einem Lied, das Frank Sinatra einst sang: „Why Try To Change Me Now?“

Das Interesse an der Musik des 75-jährigen Songwriters hat der Nobelpreis sofort stark angeheizt. Die Download-Zahlen seiner Veröffentlichungen kletterten bereits kurz darauf deutlich in die Höhe, berichtete GfK Entertainment in Baden-Baden gestern. Die Best Of-Platte „Dylan“ sei am Donnerstag das am häufigsten heruntergeladene Album in Deutschland gewesen. Beim führenden Streaming-Musikdienst Spotify wurde seit der Bekanntgabe des Gewinners sechs Mal so viel Musik von Dylan abgespielt wie sonst. dpa

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15.10.2016, 06:00 Uhr

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