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In die Enge getrieben

Bodo Kirchhoff las bei Osiander aus „Die Liebe in groben Zügen“

Tübingen. Fast sieben Jahre schrieb Bodo Kirchhoff an seinem neuesten, über 650 Seiten starken Roman. Sechs Mal arbeitete er sein Material komplett um. Kirchhoffs Partnerin und Test-Leserin Ulrike Bauer fand es nicht radikal genug.

22.11.2012

Es geht um die Liebe. In groben Zügen. Eine langjährige Ehe, Älterwerden, Affären und Verletzungen.

Am Dienstag las Kirchhoff - nach eigenen Angaben Jahrgang 1948 und seit 25 Jahren verheiratet - auf Einladung der Buchhandlung Osiander im Uhlandsaal des Museums. Und er vertraute den 100 Zuhörern auch gleich an, dass viel persönliche Erfahrung in den Roman eingeflossen sei, wenn auch auf mehrere Figuren aufgespalten und fiktionalisiert. Zahlreiche Eckdaten aus Kirchhoffs Biografie tauchen auf. Das Ehepaar Vila und Renz lebt in Frankfurt und am Gardasee. Beide arbeiten fürs Fernsehen - sie moderiert die „Mitternachtstipps“, er schreibt Drehbücher für Vorabend-Soaps.

Ein wohlsituiertes Leben, zusammengehalten von einem Korsett aus Freundespaaren. Als Tochter Katrin ein Kind abtreibt, wird das Leben von Vila und Renz erschüttert. Statt Großeltern geworden zu sein, verlieben sich beide. Bühl, Vilas Geliebter, ist ein vom Dienst beurlaubter Lehrer, der ein Buch schreibt über die „lebenslange Sehnsuchtsbeziehung“ zwischen Franz von Assisi und der heiligen Klara. Marlies wiederum, die Renz‘ „nächste Kurzaffäre“ hätte werden sollen, stellt sich als unheilbar krebskrank heraus. Und Renz übernimmt die Verantwortung für die Sterbende.

Kirchhoff liest mit einem unablässig direkten, fast konfrontativen Tonfall, lässt wenig Pausen, schlägt meist gleich den Bogen zum nächsten Satz. Die Erzählweise des Romans ist durch die mehrfache Verdichtung ähnlich komprimiert und detailreich. Nach „Infanta“ und „Parlando“ ist „Die Liebe in groben Zügen“ Kirchhoffs bislang ehrgeizigstes und umfassendstes Buch. Die Sehnsüchte, Ambivalenzen und Zerreißproben einer langjährigen Beziehung sind psychologisch gut beobachtet: das paradoxe Ineinander von Allzubekanntem und Entfremdung.

Jedes alltagsrealistische Detail erzählt seine eigene Geschichte. Es geht ans Eingemachte, lebensklug und oft schonungslos. Dennoch gäbe es in seinem Buch auch immer wieder „Momente des Glücks“, kommentierte Kirchhoff im anschließenden Publikumsgespräch. Die „einzige Moral“ des Romans: „rückhaltlose Offenheit“. Befragt, wie er sich in weibliche Figuren hineinversetzen könne, meinte Kirchhoff: „Ich kenne Frauen sehr viel besser als Männer, sie haben mir in meinem Leben mehr zugesetzt und mich mehr in die Enge getrieben.“

Von einer Zuhörerin darauf hingewiesen, dass seine „Formulierung nicht sehr positiv“ klinge, antwortete Kirchhoff: „Ja und nein. Beim Sex wird man auch in die Enge getrieben.“ Achim Stricker

Bodo Kirchhoff las bei Osiander aus „Die Liebe in groben Zügen“
Bodo Kirchhoff: „Beim Sex wird man auch in die Enge getrieben.“Bild: Metz

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22.11.2012, 12:00 Uhr

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