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Bolz-Platz-Open-Air: Harter Rap und sanfte Balladen
„Zu schnell vorbei“ sang Clueso – viele Fans fanden das auch.
Clueso und Joris begeisterten am zweiten Abend des Rottenburger Sommer Open Airs mit ihren Auftritten

Bolz-Platz-Open-Air: Harter Rap und sanfte Balladen

Drei heiße Abende hielten die Besucher des Rottenburger Sommer Open Airs auf dem Eugen-Bolz-Platz in Atem. Anastacia, Clueso und Rea Garvey lockten rund 7500 Zuhörer in die Bischofsstadt. Doch auch die Vorgruppen konnten sich sehen lassen.

09.08.2015
  • Dunja Bernhard

Rottenburg. Nur ein Zehntel der rund 2500 Zuhörer kam Samstagabend aus Rottenburg. Viele von ihnen reisten erst zu Clueso an. Dabei stand im Vorprogramm mit Joris ein Newcomer auf der Bühne, der seine Fans von der ersten Minute an begeisterte. Mit „Herz über Kopf“ landete der blonde Westfale dieses Frühjahr einen Hit unter den Top 20 der deutschen Charts. Sein Album „Hoffnungslos hoffnungsvoll“ kletterte auf den dritten Listenplatz. Der Titel charakterisiert treffend die lyrischen Texte des Songwriters, die von (un)erfüllter Liebe und tiefer Sehnsucht erzählen. Seine Musik lädt zum Tanzen ein und so hüpfte das Publikum schon zum ersten Lied willig mit – trotz brütender Hitze über dem Platz. Der besungene „Sommerregen“ hätte gut getan.

Der Absolvent der Mannheimer Popakademie kann nicht nur singen und dazu Gitarre spielen. Zu „Bittersüß“ setzte er sich ans Klavier. „Das Gefühl in ihren Augen und der verlorene Blick, lieb sie mehr mit jedem Fehler, das macht sie nur perfekt . . .“– Joris weiß, wie Mann Frauenherzen erobert. Dazu blieb ihm nur gut eine halbe Stunde Zeit.

Denn Punkt 20.30 Uhr ging es mit dem nächsten Star weiter: In weißem T-Shirt und grauer Jeans betrat Clueso so unscheinbar die Bühne, dass der Applaus einen Moment auf sich warten ließ. Doch schon beim ersten Lied „Pack meine Sachen“ ging das Publikum mit. Im zweiten Song lässt er vorab schon mal das Fazit folgen, das viele Konzertbesucher am Ende gezogen haben dürften: „Zu schnell vorbei“.

Seit fast 20 Jahren steht der 35-jährige Erfurter auf der Bühne. Für sein neues Album „Strandlichter“ ließ er sich drei Jahre Zeit. Von Bühnenmüdigkeit war jedoch nichts zu spüren am Samstagabend. Clueso, der aus der Hip-Hop-Szene kommt, bedient heute mit seinem Repertoire, das vom Rap über Rock bis zur tiefgründigen Ballade reicht, fast alle Altersgruppen. Unter den Zuschauern waren sowohl Jugendliche, Familien mit Kindern als auch über 60-Jährige. Sie alle tanzten gemeinsam zu Partysongs wie „Freidrehen“.

Ein 16-jähriger Reutlinger war mit Schwester und Mutter beim Konzert. Sie sei eigentlich nur für jemanden eingesprungen, der an dem Abend arbeiten musste, sagte die Reutlingerin, die später ausgelassen tanzte. „Es war aber nicht schwer, mich zu überreden.“

Sophia und Clara waren extra aus Würzburg angereist, um Clueso live zu hören. Am Nachmittag trafen sie den Musiker ganz unverhofft schon vor dem Konzert. Sie picknickten vor dem Bischöflichen Palais, als Clueso bei seinem Stadtbummel an ihnen vorbeilief. Ihre Einladung zum Picknick habe er jedoch abgelehnt, erzählte Sophia.

Caro und Merve kamen ganz nebenbei in den Genuss eines Konzertabends. Sie sammelten in einer blauen Mülltonne die Pfandbecher. Der Erlös geht an „Viva con Agua“. Der Verein setzt sich dafür ein, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser in Entwicklungsländern zu fördern.

Zum „Mitnehm“-Song liefen Videosequenzen mit Clueso, der eigentlich Thomas Hübner heißt, über die Leinwand hinter der Bühne – Clueso joggend im Wald und beim Wellenreiten. Bei dem von Udo Lindenberg gecoverten Song „Der Mann mit dem Cello“ verwandelte sich die Bühne in einen Saal mit Kronleuchter. Bandmitglied Christian Kohlhaas (Koli) ersetzte mit einem Posaunensolo den Cellopart. Das Publikum johlte begeistert.

Je weiter die Dämmerung voranschritt, desto eindrucksvoller wirkte die Lightshow. Neben „Strandlichter“ aus Cluesos gleichnamigen neuen Album und den bekannten Songs „Chicago“ und „Gewinner“ kam ein viertelstündiges Rap-Medley, zusammengefügt aus dem 2001 erschienen Debütalbum „Text und Ton“, besonders gut bei den Zuhörern an. Die obligatorische Frage ans Publikum „Rottenburg, wo seid ihr?“ durfte natürlich nicht fehlen. Tausende Hände gingen hoch und wippten im Takt. Der Musiker suchte die Nähe zum Publikum und stellte sich direkt vor die erste Reihe auf die Absperrung. Nicht nur junge Mädchen rissen ihre Handys in die Höhe, um den smarten Sänger ganz nah abzuspeichern.

Zum Abschluss zündete Clueso mit Band noch einmal ein musikalisches Feuerwerk. In der Zugabe ging es – mit frischem T-Shirt – ruhiger weiter. Nur mit Gitarrist und Schlagzeuger performte er „Barfuß“ und philosophierte: „Und so erscheint, dass nichts so bleibt, wie es ist, fast schon wie gewohnt.“ Um kurz darauf zu verkünden „Ich hab noch kein‘ Bock zu geh’n, ist doch klar, dass ich noch bleib“ – ein Song aus seinem zweiten Album von 2004. Selbst als das Mischpult schon fast abgebaut war, ließ er sich nochmal herausklatschen. Doch Punkt 22.30 Uhr war wie an den anderen Abenden Schluss.

Bolz-Platz-Open-Air: Harter Rap und sanfte Balladen
Eugen-Bolz-Platz am Samstagabend: Mit seinem Repertoire, das vom Rap über Rock bis zur tiefgründigen Ballade reicht, bedient der 35-jährige Thomas Hübner alias Clueso fast alle Altersgruppen. Bilder: Kuball

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09.08.2015, 12:00 Uhr

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