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Wird das Frühjahr warm und trocken, kann sich der Holzschädling explosionsartig vermehren

Borkenkäfer schwärmen aus

Die Voraussetzungen sind da, dass sich der Borkenkäfer im Frühjahr explosionsartig vermehrt. Waldbesitzer sind aufgerufen, ihre Bestände zu kontrollieren. Auch die Landwirte haben "ihre" Schädlinge im Blick.

04.04.2016
  • PETRA WALHEIM

Stuttgart. Die meisten Menschen haben jetzt genug vom Winter, sehnen sich nach Frühling, Wärme, Sonne. Selbst auf dem Feldberg ist gestern die Skisaison zuende gegangen. Zu denjenigen, die den Wunsch nach Wärme und Trockenheit nicht so intensiv spüren, gehören Förster und Waldbesitzer - allerdings aus rein beruflichen und wirtschaftlichen Gründen. Sie blicken mit Sorge darauf, was der Borkenkäfer macht. Buchdrucker und Kupferstecher könnten nach heißem Sommer und mildem Winter in diesem Frühjahr beste Bedingungen für eine explosionsartige Vermehrung finden. Vorausgesetzt, das Frühjahr wird warm und trocken. Wird es kühl und nass, hat der Käfer eher schlechte Karten.

Die Grundlagen für eine Borkenkäfer-Plage sind gelegt. Der Sturm Niklas, der im März 2015 in Oberschwaben und am Bodensee tobte, sowie ein Tornado, der im Mai im Hochschwarzwald wütete, warfen viele Bäume um. 2015 gab es im Land eine Sturmholzmenge von mehr als 1,1 Millionen Festmetern. "Das entspricht mehr als der achtfachen Menge des Vorjahres", informierte die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA).

Dazu kam der heiße, trockene Sommer. "Außerordentlich gute Bedingungen" für den Käfer. Je nach Höhenlage entwickelten sich beim Buchdrucker, der auf starke Fichten steht, bis zu drei Generationen und bis zu zwei Geschwisterbruten. Die Meldungen über Flächen im öffentlichen Wald, auf denen der Kupferstecher aktiv war, haben sich nach Auskunft der FVA 2015 gegenüber dem Vorjahr verzehnfacht. Der Kupferstecher befällt jüngere Fichten, die durch Trockenheit geschwächt sind.

Das bedeutet, dass der Schädling schon mit hohen Populationen in den Winter gegangen ist. Da der sehr mild war, haben ihn Jungkäfer wie auch Larven und Puppen gut überstanden. Sie warten nur darauf, dass es wärmer wird.

Thomas Deines, Sprecher des Landesbetriebs Forst (Forst BW) im Wald- und Naturschutz-Ministerium, rechnet damit, dass am Wochenende die ersten Käfer ausgeflogen sind. "Wir wollen das Thema nicht verharmlosen, aber auch keine Panik schüren", sagt er. Doch in den nächsten Monaten müssten Förster und Waldbesitzer die Bäume wöchentlich kontrollieren, ob sich Borkenkäfer-Männchen eingebohrt haben. "Das sieht man am Sägemehl", sagt Deines. Ist das Männchen hinter der Rinde, folgt meist rasch das Weibchen. In der "Rammelkammer" paaren sich die Käfer. Danach legen die Weibchen in den Gängen, die sie in die Rinde fressen, ihre Eier ab.

Sobald ein Baum befallen sei, müsse er sofort aus dem Wald entfernt werden, sagt Deines. Das gelte auch für geschlagenes Holz, das noch im Wald liege. "Dann besteht Hoffnung, die Populationen im Griff zu behalten." Explodiere die Käferpopulation, hätten auch gesunde und starke Bäume kaum mehr eine Chance, sich zu wehren. "Sie können die ersten 1000 Käfer noch mit ihrem Harz stoppen. Doch die nächsten 1000 Käfer kommen durch", sagt Deines.

Ganz so bedrohlich ist die Lage in der Landwirtschaft nicht. Die Obstbauern haben vor allem die Kirschessigfliege im Blick. Ihr ist der Winter egal, für ihre Vermehrung ist das Wetter im Frühjahr und Sommer entscheidend. "Bei Temperaturen über 28 Grad ist sie nicht aktiv", sagt Kathrin Walter, Geschäftsführerin des Landesverbandes Erwerbsobstbau. Aber bei 23 bis 28 Grad "fühlt sie sich pudelwohl". Werde der Sommer so heiß wie 2015, sei die Fliege lahmgelegt.

Für den Getreide-, Gemüse- und Salatanbau könnten Blattläuse zum Problem werden, sagt Marco Eberle, Fachreferent beim Landesbauernverband. Durch den milden Winter habe sie schon früh begonnen, sich zu vermehren. Wenn es gut läuft, wächst mit dem Blattlaus-Bestand auch die Zahl der Marienkäfer, die die Tiere fressen. "Wenn aber der Befall massiv wird, müssen wir mit Pflanzenschutzmitteln reagieren", sagt Eberle. Auch Feldmäuse könnten in diesem Jahr zur Plage werden. Die fressen auf Äckern und Wiesen die Wurzeln der Pflanzen ab und unterhöhlen mit ihren Gängen die Flächen. Wie im Wald gilt auch auf dem Feld, dass genau beobachtet werden muss wie sich die Schädlinge entwickeln. Der Wunsch nach einem warmen Frühling bleibt.

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04.04.2016, 06:00 Uhr

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