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Bosch feilt weiter am Diesel
Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung von Robert Bosch, bei der Bilanzpressekonferenz auf dem Bosch-Forschungscampus in Renningen. Er führte unter anderem vor, wie sich Bosch das autonome Fahren vorstellt. Foto: dpa
Stuttgarter Zulieferer kritisiert die Kaufprämie für E-Autos

Bosch feilt weiter am Diesel

Die vom Bund beschlossene Förderung von Elektrofahrzeugen stößt bei Bosch auf Kritik. Dort hält man den Ausbau der Lade-Infrastruktur für wichtiger.

28.04.2016
  • ANDREAS BÖHME

Stuttgart. Lange hatte Bosch darauf gehofft, der Bund mache sich stark für den Ausbau der Infrastruktur, also Stromtankstellen, Ladesäulen oder Induktionsschleifen. Auch verkehrsrechtliche Regelungen hätte sich einer der weltgrößten Autozulieferer gewünscht, zum Beispiel eigene Fahrspuren und Parkplätze nur für Stromautos. Doch dafür, klagte gestern der Vorsitzende der Geschäftsführung, Volkmar Denner, "gab es lange keine politische Entscheidung." Stattdessen beschlossen Kanzlerin und die Chefs der großen Autofirmen in der Nacht zum Mittwoch eine 4000 EUR schwere Kaufprämie.

"Nicht nachhaltig" sei dies, moniert Denner, "das wirkt wie ein Strohfeuer." Gerade in Städten wie dem Stammsitz Stuttgart mache E-Mobilität wegen der Feinstaubbelastung Sinn. Aber fehlende Lademöglichkeiten am Straßenrand stünden der Verbreitung im Weg.

Noch verdient Bosch sein Geld allerdings ganz wesentlich mit dem klassischen Verbrennungsmotor, nicht zuletzt dem Diesel. Zum Rekordergebnis trugen auch die rund 55 000 Mitarbeiter (von weltweit 375 000) der Dieselsparte bei, die zentrale Komponenten von der Einspritzung über die Motorsteuerung bis zum Abgasmanagement entwickelt und produziert.

Die Abgasaffäre des Kunden VW wirkt sich zwar indirekt auch auf Bosch aus, indem sie Rückstellungen für Streitfälle in Höhe von bis zu 650 Mio. EUR einschließlich separater Kartellrechtsverfahren erzwingt. Eine genaue Zahl nennt Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer wegen "sensibler Rahmenbedingungen" jedoch nicht. Seit längerem schon prüft Bosch, das die grundlegende Software an VW lieferte, die Vorgänge intern, bislang aber ohne Ergebnis : "Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen", so Denner.

Ist der Diesel damit tot? Nein, im Gegenteil. "Die VW-Affäre hat keine Auswirkungen auf den Diesel-Anteil in Europa", versichert Rolf Bulander, Chef des Unternehmensbereichs Fahrzeugtechnik. Denner ergänzt: "Ohnehin wird der Diesel mit seiner hohen Effizienz für den Klimaschutz noch lange gebraucht. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Kunden daran, dass er eine gute Zukunft hat."

Bosch biete die Technik, um nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch im realen Verkehr die strengen Grenzwerte der Euro-6-Norm einzuhalten. An diese Zukunft glaubt nicht zuletzt auch Daimler: Fünf Jahre hat Mercedes am neuen OM 654 entwickelt und sagenhafte 2,6 Mrd. EUR in den neuen Vierzylinder-Diesel investiert, der variiert in allen Modellen eingeführt wird. Auch Daimlers Forschungsvorstand Thomas Weber ist überzeugt, der Diesel sei unverzichtbar, wenn die EU an ihren CO2 Zielen festhalten wolle.

Gleichwohl ist Bosch einer der Treiber der Elektromobilität, will unter anderem die Batteriekapazität bis Anfang des nächsten Jahrzehnts verdoppeln. Die Autotechniksparte verfolge dabei die drei Grundlinien Elektrifizierung, Automatisierung und Vernetzung. Ob klassisch, als Hybrid oder vollelektrisch: Denner will die Autos untereinander, aber auch über einzelne Verkehrsträger hinaus bis hin mit der Haustechnik im Internet der Dinge verknüpfen.

So ziemlich alles Notwendige liefert das eigene Haus: Kameras und Sensoren, Leit- und Haustechnik. 40 Prozent der gesamten Produktion sind bereits heute internetfähig. Zwei Beispiele: Das Auto, schwärmt Denner, übernimmt fortan die Rolle der Kommunikationszentrale. Fährt es autonom, hat der Fahrer Zeit, ferngesteuert dem Paketmann die Haustür zu öffnen.

Stefan Hartung, in der Geschäftsführung zuständig für Gebäude und Sicherheitstechnik, weiß, dass es dazu allerdings noch gesetzlicher Grundlagen bedarf. Noch ist die Frage ungeklärt, wem beispielsweise die allein schon vom Auto erhobene Datenflut gehört.

Gesichert seien hingegen die Daten aus der Haustechnik: Die bleiben, in einer gesicherten Box, innerhalb der eigenen vier Wände, sofern der Eigentümer dies wünscht. Das andere Beispiel: Für den Großraum Stuttgart arbeitet Bosch an einem Mobilitätsassistenten, der die beste Route wählt: Intermodal mit dem eigenen Auto zum Parkhaus und weiter mit Bus und Bahn oder dem Fahrrad. "Eine App genügt, um den Verkehr in der Stadt mit den meisten Staus zu entlasten."

Bosch sei das weltweit einzige Unternehmen, "das auf solch breiter Basis das Internet der Dinge erschließt." Vergleichbar mit dem Ditzinger Werkzeugmaschinenbauer Trumpf, der am Dienstag auf der Hannover Messe seine eigene Cloudlösung präsentierte, arbeitet auch Bosch an einer eigenen Datenwolke.

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28.04.2016, 06:00 Uhr

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