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Bosch will das Lästige am Autofahren einfacher machen
Einparken? Macht das Handy. Ein mit dem Remote Park Assist System von Bosch ausgestattetes Auto parkt selbständig ein und aus. Auf dem Display ist das Fahrzeug zu sehen. Soll das Parkmanöver abgebrochen werden, lässt der Bediener die Taste los. Foto: Franziska Kraufmann/dpa
Parken wird zum Kinderspiel

Bosch will das Lästige am Autofahren einfacher machen

Bosch bietet Lösungen für zwei große Autofahrer-Probleme: Parkplatz finden - und in die Lücke hineinkommen. Noch funktioniert nicht alles, und es gibt rechtliche Probleme, aber das dürfte sich bald ändern.

09.04.2016
  • MIRIAM KAMMERER

Stuttgart. Innerstädtischer Verkehr an einem Samstagvormittag. Parkplätze leider Fehlanzeige. Und plötzlich taucht doch eine Lücke auf. Schnell setzt der Fahrer den Blinker. Doch bei näherer Betrachtung stellt er fest, die Lücke ist zu schmal. Das Auto würde schon reinpassen, aber dann käme er nicht mehr aus dem Auto heraus. Weiter geht die Suche.

Solche Situationen könnten bald der Vergangenheit angehören. Für Bosch-Geschäftsführer Dirk Hoheisel steht fest: „Parken macht niemandem Spaß.“ Trotzdem gehört das Parken am Ende einer Autofahrt dazu. Bosch-Ingenieure haben viele Lösungen erarbeitet, um Autofahrer von der Last des Parkens zu befreien. Zum einen soll die Suche nach der begehrten Fläche erleichtert werden, zum anderen das Einparken an sich automatisiert oder zumindest teilautomatisiert funktionieren. Teilautomatisiert deshalb, weil bisher der Fahrer die Verantwortung rechtlich noch nicht abgeben darf.

Hoheisel ist optimistisch, was diese rechtliche Seite betrifft. Er schätzt die Hürden bei der Zulassung des vollautomatisierten Parkens als geringer ein als beim automatisierten Fahren an sich. Weltweit stehen die Anpassungen diesbezüglich auf der politischen Agenda, sagt er.

Wer einen Parkplatz sucht, könnte zukünftig einen Parkraummanager in Anspruch nehmen. Der hilft zum Beispiel Parkhaus- oder Parkplatzbetreibern dabei, ihre Plätze optimal auszulasten. Sensoren im Boden erkennen, ob ein Parkplatz belegt ist oder nicht. Bosch hat nicht vor, eine eigene App mit dem System zu betreiben. Die Daten könnten zum Beispiel auf einer städtischen App abgerufen werden. In Stuttgart wird es hierzu im Sommer ein Pilotprojekt geben, mit 2500 Park&Ride Stellplätzen.

Noch bequemer geht es beim so genannten automatisierten Valet Parken. Was bisher nur Promis oder Besucher von Nobelhotels kennen, könnte bald Realität für alle werden: Aussteigen und sich nicht ums Einparken kümmern müssen. Auf einer Smartphone-App gibt der Fahrer dann den Befehl ein, dass das Auto sich selbst einen Stellplatz sucht. Selbstverständlich funktioniert das auch umgekehrt. Wer mit vollen Tüten vom Einkaufsbummel zurückkommt, wartet einfach vor dem Parkhaus bis sein Auto anrollt. Die Investitionen dafür halten sich für Parkhausbetreiber in überschaubaren Grenzen, sagt Rolf Nicodemus, Projektleiter „Connected Parking“. Zur Ausstattung gehören ein Router und mehrere Videokameras. Darüber hinaus braucht Bosch eine Karte des Parkhauses, um die Wege zu berechnen. Im Auto und im Parkhaus müssen Sensoren sein.

Auch das Einparken zu Hause kann seine Tücken haben. Die 30 Jahre alte Garage ist ziemlich schmal und den neuen SUV zu rangieren, ist jeden Tag aufs Neue eine Kunst für sich. Der Homezone Parkassistent könnte hier helfen. Schon 2019 könnte das System serienreif sein, sagt Carsten Rommel, Bereichsleiter Produktfeld Ultraschall. Der Assistent soll wiederkehrende Parkvorgänge übernehmen. Bis zu einer Anfahrt von 100 Metern soll das funktionieren. Dafür muss der Fahrer zunächst einmal den Weg abfahren und abspeichern. Das könnte über einen Touchscreen am Bordcomputer gemacht werden.

Ist der Weg abgespeichert, und kommt das Auto zum Startpunkt, genügt ein Klick auf dem Smartphone, damit sich das Auto selbst den Weg zur Lücke sucht. Eine Kamera im Cockpit des Fahrraums und 12 Ultraschallsensoren ermöglichen das selbstständige Einparken. Noch läuft die Fahrt von Geisterhand nicht immer optimal, aber in den meisten Fällen steht das Auto passgenau in der Lücke.

Dirk Hoheisel betont den ganzheitlichen Ansatz, den Bosch hier verfolgt. „Die Mobilität der Zukunft beginnt mit smartem Parken“, ist er sicher. Als Kunden für seine Parklösungen sieht er Fahrzeughersteller, Parkraumbetreiber, Städte und Kommunen. Schon jetzt sind Parkassistenzsysteme in Deutschland die am weitesten verbreiteten Helfer in modernen Autos. Laut einer Bosch-Auswertung auf Basis der Zulassungsstatistik 2014 kommen sie in jedem zweiten der knapp 3 Mio. im vergangenen Jahr neu zugelassenen Pkw zum Einsatz.

Ein interessanter Ansatz bei dem quasi jeder Autofahrer selbst mithelfen kann, das System zu verbessern, ist das Community-based Parking. Jeder Autofahrer könnte durch seine Parksensoren Lücken am Straßenrand erkennen. Diese werden dann anonymisiert zu einer Cloud geschickt. Dieses System wird besser, je mehr mitmachen. Viele Hersteller, so versichert Nicodemus, seien bereit, Daten einzuspeisen, da ein Nutzen für alle dabei herausspringt.

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09.04.2016, 06:00 Uhr

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