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Boschs Heimroboter liest Kindern Geschichten vor
Dieser drollige Kerl namens Kuri hat einiges unter seinem Hütchen. Aber ob es wirklich zum Familienmitglied reicht? Foto: Bildquelle
Technologie

Boschs Heimroboter liest Kindern Geschichten vor

Der Autozulieferer und Hausgeräte-Hersteller erfindet sich neu. Digitale Assistenten gelten als Milliardenmarkt.

28.01.2017
  • THOMAS VEITINGER

Stuttgart. Bremse ziehen, auf „Go“ drücken, Gas geben. Schwierig ist es wirklich nicht, mit dem Roller – der heutzutage Scooter heißt – loszubrausen. Damit das elektrische Gefährt im 80er-Jahre-Design am Ende der Fahrt ausgeht, reicht es, den Ständer auszuklappen. „Wir sind mit 200 Scootern im August in Berlin gestartet und vom Erfolg überrascht“, berichtet Mat Schubert. „1000 Nutzer haben ihn bereits per Handy-App gemietet“, sagt der Bosch-Verantwortliche für Mobile Services. Die Hauptstadt eine halbe Stunde auf zwei Rädern zu erkunden, kostet 3 EUR.

Geradezu begeistert gibt sich Bosch-Chef Volkmar Denner von der dazu nötigen schnellen Anmeldung per Video-Chat. Im Laufe des Jahres werde die Flotte in Berlin aufgestockt, verrät er. An dem Roller eines koreanischen Herstellers ist nichts von Bosch – nur das Geschäftsmodell.

In die digitale Zukunft brausen

Was die Stuttgarter damit verdienen, bleibt geheim. Viel kann es nicht sein. Aber darum geht es nicht. Bosch möchte in die digitale Zukunft brausen. Und da ist es auch nicht wichtig, dass schon viele Unternehmen Produkte zur gemeinsamen Nutzung anbieten, wie etwa Daimler mit seinen Car2Go-Smarts. „Bosch befindet sich inmitten des größten Transformationsprozesses der Unternehmensgeschichte“, wird Denner nicht müde zu betonen: „Vom Hersteller von Kraftfahrzeugkomponenten auch zum Anbieter von Mobilitätslösungen. Vom Technologieexperten für Autos, Hausgeräte und Elektrowerkzeuge auch zum Treiber der Vernetzung im Internet der Dinge.“

Etwa mit Kuri. Der 50 Zentimeter große Roboter aus den Räumen des Silicon-Valley-Start-ups Mayfield Robotics von Bosch soll laut Denner nicht nur ein „Gerät“ sein, sondern ein „Familienmitglied“. Mit seinem kindlich-vermenschlichten Aussehen liest er Kindern Gutenachtgeschichten vor, überwacht die Fenster der Wohnung und informiert Eltern bei ihrer Arbeit, ob Sohn und Tochter bereits von der Schule da sind. Kuri soll mit Lautsprecher, Mikrofon, Kamera und Sensoren Ende des Jahres für 699 Dollar (660 EUR) zunächst durch amerikanische Wohnungen rollen.

Künstliche Intelligenz ist wichtig für Bosch. In diesem Monat wurde ein eigener Bereich gegründet: Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI). Im indischen Bangalore, amerikanischen Palo Alto und heimischen Renningen sollen zunächst 100 Experten Anwendungen erfinden, damit das Unternehmen in fünf Jahren ein Zehntel seines Umsatzes mit künstlicher Intelligenz erzielt. 300 Mio. EUR fließen ins BCAI, die Zahl der Mitarbeiter soll sich bald vervielfachen. Schon heute ist künstliche Intelligenz bei der Bilderkennung des automatisierten Fahrens im Einsatz. Eine wichtige Übernahme war laut Denner die Ingenieursgesellschaft für technische Kybernetik mit 900 Softwarespezialisten, die sich um die Automatisierung und Vernetzung von Fahrzeugen kümmert. Mit dem Computerspielern bekannten Chiphersteller Nvidia wurde eine Partnerschaft geschlossen.

Beim Elektroantrieb sei der entscheidende Faktor die Batterie. Ob Bosch groß in die Entwicklung von Batteriezellen einsteigt, ist noch nicht entschieden.

Überhaupt – das Auto. Noch immer stammen 44 Mrd. der 73,1 Mrd. EUR Umsatz aus dem Bereich Mobile Lösungen. Zwar investiert Bosch in die „Küchenelfe Mykie“, die beim Kochen hilft und Rezepte für Lebensmittel präsentiert, die sich noch im Kühlschrank befinden. Auch Rauchmelder, die zusätzlich nach Einbrechern Ausschau halten und ein Atemanalysegerät aus dem Gesundheitsbereich werden von den Stuttgartern angeboten. Aber das Auto steht im Mittelpunkt. 400 Mio. EUR investieren die Stuttgarter jährlich in die Elektromobilität. Die Erforschung synthetischer Kraftstoffe, die ressourcenschonend und CO2-neutral sein sollen, wird vorangetrieben. Auch in die Weiterentwicklung des klassischen Verbrennungsmotors fließt viel Geld: „Wir sollten keinen Technologiebruch erzwingen, bevor alle ökologischen und ökonomischen Auswirkungen umfassend bewertet und berücksichtigt worden sind“, sagt Denner. Der Diesel-Antrieb sei auch künftig wichtig, um Klimaziele zu erreichen.

Die Folgen des Dieselskandals bei Volkswagen sind nach wie vor schwer absehbar. Im vergangenen Jahr hatte Bosch seine Rückstellungen für Risiken auf 750 Mio. EUR aufgestockt. Ob dies ausreicht, dazu äußert sich Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer nicht. Auch zu der Frage, ob weitere Gelder zurückgestellt werden, ist nichts zu erfahren.

Bosch hat die Software entwickelt, mit deren Hilfe VW die Abgasreinigung bei Dieselfahrzeugen manipuliert hatte. In den USA laufen noch zivil- und strafrechtliche Verfahren. Vor Weihnachten hatte Bosch eine Grundsatzeinigung mit US-Klägern erzielt, die dem Zulieferer eine aktive Rolle zuschreiben. Details dazu sollen aber erst bis Ende des Monats ausgearbeitet und vermutlich im Februar der Öffentlichkeit präsentiert werden. US-Medien hatten berichtet, ein Vergleich könnte das Unternehmen mehr als 300 Mio. Dollar (280 Mio. EUR) kosten. Gleichzeitig laufen die internen Ermittlungen im Unternehmen und die der US-Behörden weiter. Ob es bereits personelle Konsequenzen bei Bosch gegeben hat, wird nicht veröffentlicht.

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28.01.2017, 06:00 Uhr

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