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Weiber-Wirtschaft

Botschafter mit Stick

Dezent oder auffallend: Es gibt viele Möglichkeiten‚ Textilien so zu veredeln, dass sie zur Unternehmens- und Markenkommunikation passen. „Corporate fashion liegt im Trend“, sagt Geschäftsführerin Sadeta Löcklin. Sie wurde jüngst von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zur „Vorzeige-Unternehmerin“ ausgezeichnet. Nun folgt Tochter Alina Wöppel in die Führungsebene.

22.05.2015
  • TEXT: Evi Miller | FOTOS: Erich Sommer, Unternehmen

Seit über 15 Jahren begleitet die Reutlinger Firma Satema Unternehmen in Sachen Mitarbeiterkleidung, Promotionsbekleidung und Corporate Fashion. Sämtliche Veredelungsverfahren kommen dabei zum Einsatz: Sticken, drucken, plotten, labeln und applizieren auf Textilien – beispielsweise auf funktionale Laufshirts, Hemden, Damenblusen, Polo-Shirts, werbewirksame Caps und Mützen. Außerdem veredelt Satema Arbeitskleidung für Industrie und Handwerk, konfektioniert individuelle Textilien und Kollektionen. Zu den Kunden gehören das Tübinger Klinikum, der Uni-Shop der Universität Tübingen, die Kreissparkasse Reutlingen, die RSV Reutlingen, die Firma Bosch, Elring-Klinger, Euronics und Media-Markt.

„Textil am Körper als Werbemedium ist ein Trend, den sich die Unternehmen zunutze machen,“ sagt Firmengründerin Sadeta Löcklin und fügt hinzu: „Die Mitarbeiter sind stolz auf ihre Firma und zeigen es. Sie tragen ihre Arbeitskleidung bestenfalls auch in der Freizeit.“ Die Werbung in eigener Sache und auf Textilien sei für jede Firmengröße interessant: „Auch eine kleine Firma kann sich durch Arbeitskleidung professionell in Szene setzen! Es ist eher ein Zeichen der Professionalität und des Stils, als der Firmengröße.“

Mit Erfolgsgeschichten kennt sie sich aus: Ihre eigene Firma hat Sadeta Löcklin 1999 in einer ehemaligen Textilfabrik in Reutlingen gegründet. Seither wächst das Unternehmen stetig. Das Umsatzwachstum beträgt seit mehreren Jahren 20 bis 40 Prozent, der Umsatz liegt heute im siebenstelligen Bereich. Die Anzahl der Mitarbeiter wuchs auf 15 an.

Mit der Auszeichnung zur »Vorbild-Unternehmerin« zollte Sigmar Gabriel der Unternehmensgründerin Sadeta Löcklin öffentliche Anerkennung. „Wir haben uns ausreichend Zeit genommen, um diesen Erfolg zu erklimmen“, sagt Sadeta Löcklin und sieht darin den typischen Unterschied zwischen einer Männer und einer Frauen Geschäftsgründung. „Männer gehen mit vollem Risiko rein. Frauengründungen berücksichtigen oftmals die familiäre Situation im Einklang mit Kindern und Familie. Wir sind organisch und nachhaltig gewachsen.“

Auf Wachstumskurs

Den richtigen Riecher für ihre Geschäftsidee hatte sie bereits Mitte der 90er Jahre, damals noch in einer Werbeagentur beschäftigt. „Während der Markt für Fashion zurückging, und viele Firmen ihre Produktion ins Ausland verlagerten, bekamen wir immer mehr Anfragen für Corporate Wear“, sagt die Geschäftsgründerin.

2008 expandierte das Unternehmen und investierte einen sechsstelligen Betrag in den Aufbau einer modernen Internetpräsenz mit Shop. Der Umzug in die Wannweiler Straße folgte: 500 Quadratmeter Fläche mit modernen Büroräumen, großzügigen Produktionsräumen, Lager, Versand, einer Ausstellung und Musterräumen stehen seither zur Verfügung. Heute macht das überregionale Internetgeschäft 80 Prozent des Umsatzes aus. Trotzdem oder gerade deshalb will das Unternehmen die regionale Bekanntheit weiter stärken und investiert in die lokalen Ausstellungsräume sowie in fachkompetente Beratung vor Ort.

Doppelspitze mit Mutter und Tochter

Als Tochter Alina Wöppel 2012 ihr Studium in Textiltechnologie und -management in Reutlingen abgeschlossen hatte, sah sie im Familienunternehmen eine interessante berufliche Perspektive. „Die Firma war an einem Punkt angelangt, da konnte ich was bewegen,“ sagt die 29-jährige. Trotz anderer interessanter Angebote entschied sie sich für Satema. Seit zwei Jahren ist sie im Unternehmen als Vertriebsleiterin tätig, ihren Master in Textilmanagement macht sie nebenher. Im Sommer folgt sie ihrer Mutter in die Führungsebene. Geplant ist eine Doppelspitze von Mutter und Tochter.

Kann das funktionieren oder sind Spannungen vorprogrammiert? „Ich habe keine Probleme abzugeben“, sagt Sadeta Löcklin und setzt auf eine klare Aufgabenteilung: Während Personal, Personalführung und -entwicklung das Steckenpferd von Alina Wöppel ist, sieht Sadeta Löcklin ihre Stärke in der strategischen Planung, in der Betreuung der Großkunden und im Bereich Finanzen.

„Den Blick zu zweit“ finden beide enorm hilfreich. „Der junge, frische Blick auf den Markt und das Unternehmen und meine enorme Erfahrung sind eine erfolgreiche Kombination“, so Löcklin. Der Einstieg der Tochter wird von einem professionellen Coach begleitet und unterstützt. Im Konfliktfall gilt für die Firmengründerin: „Keine Beziehung der Welt ist wichtiger, als die Beziehung zwischen Mutter und Tochter.“

Eine Bestätigung, dass Frauen Erfolgsgeschichte schreiben können, war ihr auch die jüngste Auszeichnung zur Vorzeigeunternehmerin. „Ich bin stolz auf meine gelungene Integration und auf meine Leistung als Frau und Mutter. Familie ist mir wichtig“, so Löcklin. Privat hätte sie sich auch über eine andere Auszeichnung gefreut: „Ich würde mir eine Auszeichnung für die Integrationsleistungen von ausländischen Bürgern wünschen“, so Löcklin. „Die Hindernisse und Herausforderungen von nicht hier geborenen Menschen sind enorm und die Erfolgsstorys gehören publiziert.“ Sadeta Löcklin kam als neunjähriges Mädchen von Mazedonien nach Deutschland. Gelernt hat sie schnell und viel. Heute fühlt sie sich bestens integriert. Dass die 15 Mitarbeiter von Satema aus sechs Nationen stammen ist eher Zufall. „Bei unseren Bewerbungsgesprächen steht grundsätzlich die Qualifikation im Vordergrund“, so Alina Wöppel, die Personalverantwortliche. Das multikulturelle Arbeitsumfeld erleben wir als bereichernd und fruchtbar.“ Um sich persönlich auszutauschen, frühstücken Mitarbeiter und Geschäftsleitung einmal in der Woche zusammen. „Hier bekommen wir die kulturellen Unterschiede durch die internationale Küche präsentiert“, so Löcklin und fügt hinzu: „Für uns ist das gemeinsame Frühstück eine weitere Möglichkeit, das Familiäre mit unserer Betriebsfamilie zu leben. Denn Satema ist ein Familienunternehmen und stolz darauf.“

Botschafter mit Stick
Mit Corporate Fashion

Botschafter mit Stick

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22.05.2015, 12:00 Uhr

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