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„Brandenburg. Es kann so einfach sein“
Experte Martin Pross kennt sich mit Landes-Slogans aus. Foto: Privat
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„Brandenburg. Es kann so einfach sein“

Das Bundesland im Osten hadert mit seinem Slogan. Im Südwesten gab es mal eine ähnliche Debatte.

28.03.2018
  • Mathias Hausding

Potsdam/Stuttgart. Seit fast 20 Jahren ist Baden-Württemberg bundesweit eng mit dem Spruch „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ verknüpft. Er gilt als Musterbeispiel für einen gelungenen Landes-Slogan. Genau das macht ihn dieser Tage am anderen Ende der Republik zu einem heißen Gesprächsthema. Denn in Brandenburg sind viele Menschen tief unglücklich mit dem, was ihnen gerade als Slogan für die neue Image-Kampagne des Landes vorgesetzt wurde. Selbst der Potsdamer Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) lehnte jüngst auf Nachfrage mit zusammengepressten Lippen jeglichen Kommentar zu jenem Satz ab, der seit seiner Vorstellung vor zehn Tagen nur wenige Freunde gefunden hat: „Brandenburg. Es kann so einfach sein.“

Als nichtssagend, einfallslos, völlig verfehlt oder sogar beleidigend wird der Spruch empfunden. Hauptziel der Kampagne ist, die Mark als Wohnort für gestresste Berliner ins Gespräch zu bringen. Aber wer will als „einfach“ abgestempelt werden, sagen die einen Kritiker. „In Brandenburg ist nichts einfach. Schaut euch den Flughafen an“, finden die anderen. Und neidisch gehen die Blicke von Bürgern und Landespolitikern nach Süden, wo es diesen tollen Spruch gibt. Übrigens entwickelt von genau jener Agentur, Scholz & Friends aus Berlin, die für ihre neueste Kreation, den Brandenburg-Spruch, so viel Ärger bekommt.

Nicht die einzige Parallele. Um die Wogen im seenreichen Bundesland zu glätten, hat sich jetzt einer der Erfinder des „Alles außer Hochdeutsch“-Slogans zu Wort gemeldet. Martin Pross, Vater etlicher Mercedes-Kampagnen, kann sich noch erinnern, dass es mit dem Baden-Württemberg-Slogan ebenfalls alles andere als gut anfing. „Es war fürchterlich. Wir als Agentur und das Gremium, das den Slogan abgesegnet hat, erlebten nach der Präsentation einen Sturm der Entrüstung“, sagt Pross. „Das Wort Shitstorm war damals noch nicht erfunden. Aber genau das war es. Und zwar in Orkanstärke.“

Das Problem sei gewesen, dass die Menschen im Ländle die Botschaft bierernst nahmen. „Sie erklärten uns im feinsten Schwäbisch, dass sie sehr wohl Hochdeutsch können.“ Der Wind habe sich erst gedreht, als Lob von außen kam. „Eine Hamburger Tageszeitung schrieb, dass man sich eine solche Kampagne auch für die Hansestadt wünsche. Das Spiel mit Selbstdistanz und Selbstironie kam im Norden gut an.“ Danach habe der Slogan auch in Baden-Württemberg mehr und mehr Anklang gefunden.

Martin Pross hofft, dass es dem Brandenburger Slogan ähnlich ergeht und er die „Geburtswehen“ übersteht. „Es ist ein guter Spruch“, sagt er. „Er beschreibt das Land durchaus treffend, ist zurückhaltend und enthält im Kern eine Wahrheit.“ Pross weiß, wovon er spricht: „Ich habe seit einigen Jahren selber ein kleines Häuschen in Brandenburg und genieße die weite unverbaute Landschaft und die freundlichen und unkomplizierten Menschen. Brandenburg ist da sehr besonders, und dazu passt eben der Spruch.“

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28.03.2018, 06:00 Uhr

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