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Lauffen am Neckar

Brandsätze in Moschee geworfen

Ein Anschlag in Lauffen am Neckar löst Entsetzen aus. Die Polizei ermittelt wegen Mordversuchs.

10.03.2018

Von HGF

Aufräumarbeiten nach dem Anschlag. Foto: Hans Georg Frank

Lauffen am Neckar. Yasar Tokmuk, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde in Lauffen am Neckar (Kreis Heilbronn), kann sich nicht erklären, wer den Anschlag auf seine Moschee verübt haben könnte. „Es ist noch nie etwas passiert bei uns“, sagte der 51-jährige Türke. Er hatte sich auch sicher gefühlt, weil das Polizeirevier gleich um die Ecke ist.

Gestern, am frühen Morgen, hatten Unbekannte Steine und drei Molotowcocktails durch die Scheiben in das Erdgeschoss eines siebenstöckigen Gebäudes geworfen. Starke Verrußungen und Scherben zeugen von dem Verbrechen. Die Polizei schätzte den Sachschaden auf 5000 Euro. „Es ist pures Glück, dass keine Personen zu Schaden gekommen sind“, erklärte Bekir Altas, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Milli Görus. Es handle sich um einen „feigen und niederträchtigen Angriff“. Weil der Imam und seine Frau im Gästezimmer des betroffenen Bereichs schliefen, hat die Staatsanwaltschaft Heilbronn auch ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des versuchten Mordes eingeleitet. Hinweise auf Täter und Motiv gebe es nicht, sagte ein Polizeisprecher: „Es ist alles Spekulation.“

Einige Gemeindemitglieder sind sicher, dass es sich nicht nur um einen Brandanschlag gehandelt hat: „Das war ein Mordanschlag, weil es nur eine Tür ins Freie gibt.“ Der Imam hatte selber gelöscht und Schlimmeres verhindert.

Die früheren Läden sind seit etwa 15 Jahren in ein Gemeindezentrum mit einer Gebetsstätte umgewandelt, auch Gemeinschafts- und Fortbildungsräume gibt es. Direkt hinter der beschädigten Tür liegt ein Schulraum.

„Wir sind sehr besorgt über die steigende Brutalität der Angriffe auf Muslime und ihre Einrichtungen“, ließ der Generalsekretär wissen. 2017 habe es knapp 1000 solcher Übergriffe in Deutschland gegeben. Es müsse jedoch von einer weit höheren Dunkelziffer ausgegangen werden, weil deutsche Behörden „eine islamfeindliche Motivation häufig nicht erkennen und nicht jede Straftat zur Anzeige gebracht wird“. hgf

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Erstellt:
10. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
10. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. März 2018, 06:00 Uhr

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