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Breakdance-Weltmeister Thomas Stark unterrichtet in Tübingen
Breakdance-Weltmeister Thomas Stark performt hier einen Freeze in einem Circle beim freien Training im Jugendhaus in Plochingen.Bild: Zimmer
Der eingefrorene Einhandstand

Breakdance-Weltmeister Thomas Stark unterrichtet in Tübingen

Gefährliche Moves kopfüber, dynamische Drehungen auf den Händen, stylische Steps: Breakdance ist sicherlich der spektakulärste Tanzstil aus dem Hiphop-Bereich. Im September wurde die Crew „Battle-Toys“ Weltmeister – sie kommen aus der Region, einer von ihnen lehrt Breakdance in Tübingen.

11.11.2014
  • Lorenzo zimmer

Tübingen / Plochingen. Wo oben und wo unten ist, weiß man als Zuschauer der „Battle Toys“ nicht immer ganz genau – Extremitäten schwingen umher und der Tänzer versetzt seinen Körper oft auch kopfüber in Rotation. Eine weitere Königsdisziplin: Einen akrobatischen Bewegungsablauf mittendrin stoppen und einfrieren; diesen kraftaufwändigen Move nennt der Fachmann „Freeze“. Dabei geht es vor allem um Körperbeherrschung und Kraftausdauer. Brandneu ist das nicht, aber der Tanz entwickelt sich stetig weiter und steht dabei buchstäblich nie still.

Breaking entstand in den Siebziger- und Achtziger-Jahren in New York und zählt gemeinsam mit Graffiti (Malen und Sprühen), MC-ing (also Sprechgesang) und DJ-ing (das Auflegen und Scratchen von Schallplatten) zu den vier Säulen der Hiphop-Kultur.

In den späten Achtziger Jahren schwappte der Tanzstil zusammen mit der ersten Rapmusik von Amerika nach Europa. Nach einem anfänglichen Hype wurde es still um die Szene – in der breiten Öffentlichkeit fand zu Beginn der Neunziger Jahre eher die Techno-Szene mit ihren eigenen Tanzstilen und bunten Kostümen statt. Doch in der zweiten Hälfte der Neunziger kam die nächste große Breakdance-Welle: Durch große Musikhits wie „It's like that“ von Run DMC und Jason Nevins bahnte sich der Tanzstil erneut einen Weg in die Teeniezimmer und Jugendhäuser Europas.

In dieser Zeit begann auch Thomas Stark am Bahnhof in Plochingen gemeinsam mit seinen Freunden mit dem Breaken. 1997 war das und der heute 33-jährige Plochinger ist mit seiner Crew „Battle Toys“ dieses Jahr zum dritten Mal nach 2010 und 2011 Weltmeister geworden. Die Weltmeisterschaft im Breakdance fand im Rahmen der jährlichen IDO-Weltmeisterschaft in Bochum statt. Die Teilnahme läuft über eine im Dachverband ADTV (Allgemeiner Deutscher Tanzlehrerverband) eingetragene Tanzschule. Die Crew „Battle Toys“ um den Tänzer Thomas Stark trat im Namen der Tübinger Tanzschule Olaf S. an der WM an. Es nahmen rund 2800 Tänzerinnen und Tänzer in Einzel- und Gruppendisziplinen teil. Die „Battle Toys“ konnten den wichtigen Wettbewerb „Breakdance Teams Adults“ in einem knappen Finale gegen Slowenien für sich entscheiden. Die Crew tanzt seit ihren Anfängen 1997 in beinahe gleicher Besetzung – an der WM nahmen sechs der neun Stammmitgleider teil und holten sich als siebten Mann einen Tanzschüler als Verstärkung: Neben Thomas als Kopf der Truppe waren Ray, Memi, Hamza, Lukas, Timo und Viktor in Bochum dabei.

Neben seinem Beruf als Vertriebsleiter für eine Kältetechnik-Firma und seinen Teilnahmen an Tanz-Contests in ganz Europa gibt Stark sein Können bei Olaf S. an Tanzschüler weiter.

„Besonders ist am Breakdance, dass es keine festen Schrittfolgen gibt“, sagt Stark. Jeder Tänzer kann nach seinen körperlichen Voraussetzungen und seinem Belieben einen Stil entwickeln. "Deshalb sieht eine Breaking-Tanzstunde auch ein bisschen anders, als eine gewöhnliche Tanzstunde aus", so Stark. Während zum Beispiel beim Standardtanz in der Regel von einem Lehrer vor- und von den Schülern nachgetanzt wird, gestaltet sich das Breaking-Training viel freier. Das ließ sich auch beim Training in Plochingen beobachten. Ein einfühlsamer Umgang und das Eingehen auf den inviduellen Stil seiner Schüler ist für Stark besonders wichtig.

Breakdance ist entstanden um Konflikte unter Jugendlichen gewaltfrei zu lösen. Vielleicht ist auch gerade deshalb der Umgang in der Szene besonders freundschaftlich – Konkurrenzdenken ja, Gewalt und Missgunst nein.

Viel Respekt für das Können des Gegners

„Als wir 2010 schon einmal Weltmeister geworden sind, haben sich unsere deutschen Finalgegner ganz offen mit und für uns gefreut“, sagt Stark. Es sei neben verständlicher Enttäuschung deutlich zu spüren gewesen, dass man die Entscheidung der Jury voll respektiere. Das klingt nach echtem Fair Play.

Breakdance als Jugendkultur lebt von der institutionellen Unterstützung durch Tanzschulen und Jugendhäuser – so auch in Tübingen und Plochingen. Professionell davon leben kann man nicht. „Würde ich auch nicht wollen“, sagt Stark. „Ich werde bald Vater und haben einen Beruf, der mir Spaß macht – so lange ich körperlich kann wird das Tanzen mein geliebtes Hobby bleiben.“

Als nächstes möchte der gebürtige Esslinger mit seiner Crew den „Battle of the year“ gewinnen – ein weiteres szeneweit bekanntes Turnier. Um Geld geht es dabei übrigens nicht: „Im Breakdance geht es bei Contests nicht um dicke Preisgelder oder Sponsorenverträge“, sagt Stark. Das Reizvolle an den Wettbewerben sei der „Fame“ – also der Ruhm in der Szene. Und eben der Titel: Breakdance-Weltmeister.

gVideo auf www.tagblatt.de

Windmills mit dem Weltmeister

Thomas Stark wurde dieses Jahr mit seiner Battle Toy Crew Breakdance-Weltmeister. Der 33-Jährige unterrichtet an der Tübinger Tanzschule Olaf S. und gibt sein Wissen auch im Plochinger Jugendhaus an den Breakdance-Nachwuchs weiter.

© Video: Kretschmer 02:45 min

Circle: Eine durch einen Kreis aus Tänzern abgegrenzte freie Fläche, die als Bühne genutzt wird.
Headspin: Auf dem Kopf ausgeführte Drehung, ähnlich einer Pirouette beim Ballett – nur eben kopfüber.
Battle: Ein Wettbewerb oder ein in einem Circle spontan ausgeführter Contest zweier Tänzer oder Crews.
B-Boy / B-Girl: Tänzer bzw. Tänzerin
Powermove: Das spektakuläre Rotieren des gesamtes Körpers auf einer Körperstelle oder um eine Achse.
Freeze: Das Einfrieren des Körpers in einer bestimmtem Pose – etwa mitten in einem dynamischen Bewegungsablauf.
Popping: Roboterartiger Tanzstil mit mechanisch wirkenden Bewegungen.
Locking: Marionettenartiger Tanzstil, der aus dem Funk entstanden ist. Die berühmteste Figur ist das "Funky Chicken".
tight (Adj.): Synonym für gut, originell. Als Respektsbekundung verwendet.
whack (Adj.): Synonym für schlecht, abgekupfert oder lächerlich.
Fame: Respekt und Anerkennung in der Szene für Titel oder besonderen Stil.

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11.11.2014, 12:00 Uhr

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