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Brisanter Verdacht
Wurden solche Kalaschnikow-Sturmgewehre von einem Mann aus Magstadt nach Paris verkauft? Foto: © denisismagilov - Fotolia
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Waffenlieferung nach Paris

Brisanter Verdacht

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat einen Mann aus Magstadt verhaftet. Der Verdacht: Er soll vier Sturmgewehre nach Paris geliefert haben. Waren es Waffen, mit denen die Terroranschläge verübt wurden?

28.11.2015
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart. Zwei Wochen nach den Terroranschlägen von Paris ermitteln die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Landeskriminalamt wegen einer möglichen Waffenlieferung aus Baden-Württemberg. "Wir haben den Verdacht, dass ein 24 Jahre alter deutscher Staatsangehöriger aus Magstadt im November vier Sturmgewehre an eine Pariser Lieferadresse geschickt haben könnte", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart der SÜDWEST PRESSE.

Kamen die Waffen für die Pariser Anschläge damit aus Schwaben?

So weit will die Staatsanwaltschaft nicht gehen. Für einen direkten Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Frankreich gebe es "momentan keine Anhaltspunkte", sagte der Sprecher. Man ermittle aber mit Hochdruck - auch in diese Richtung. Tatsächlich scheint ein konkreter Verdacht zur Verbindung mit den Terroristen bislang nicht vorzuliegen, da die Bundesanwaltschaft auch nach Sichtung der Akten den Fall bisher nicht an sich gezogen hat.

In Untersuchungshaft sitzt der 24-jährige Sascha W. zunächst wegen eines anderen Waffendelikts: Er steht in dringendem Tatverdacht, in mehreren Fällen Schreckschusspistolen ungenehmigt zu illegalen Schusswaffen - offenbar vom Typ Walther - umgebaut und diese über das Internet verkauft zu haben. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung am Montag fanden die Ermittler weitere Waffen, die Rede ist von 16 Schusswaffen. Auf die Spur des Mannes war eine auf Internet-Kriminalität spezialisierte Ermittlergruppe aus dem hessischen Gießen gestoßen, die Aktivitäten mehrerer Waffenhändler auf illegalen Plattformen entdeckt hatte.

Der Beschuldigte besitzt offenbar weder eine Waffenbesitzkarte noch eine Erlaubnis für den Waffenhandel. Nähere Angaben zur Person oder zum Typ der sichergestellten Waffen machte die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.

Die Verbindungen nach Paris haben sich offenbar am Freitag klarer herauskristallisiert. Noch am Vormittag sprachen die Ermittler davon, dass es nur einen "Anfangsverdacht" gebe, dass der schwäbische Kleinkriminelle Sturmwaffen nach Paris geliefert haben könnte. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, dass die Auswertung des Smartphones des Festgenommenen ergeben habe, dass er vier Sturmgewehre an einen "Araber in Paris" verkauft habe. Den Bericht bestätigte die Staatsanwaltschaft nicht. Aus ihrem zunächst geäußerten, eher vagen "Anfangsverdacht" wurde im Lauf des Tages aber ein "Verdacht". Die Indizienkette für eine Verbindung der Waffenlieferung nach Paris war anscheinend dichter geworden.

Laut dem "Bild"-Bericht sollen französische Ermittler davon ausgehen, dass die Waffen vom Typ Kalaschnikow bei den Anschlägen in Paris, bei denen islamistische Terroristen 130 Menschen getötet hatten, benutzt worden seien. Ob der Waffenhändler Verbindungen zu Islamisten hatte oder selbst der Szene zugerechnet wird, wird noch ermittelt. Die knapp 9000 Einwohner zählende Kleinstadt Magstadt vor den Toren Stuttgarts ist bisher jedenfalls nicht als Sitz islamistischer Gruppierungen aufgefallen.

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28.11.2015, 08:30 Uhr

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