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Uhland zeigt sich gut gerüstet

Bronzedenkmal am Anlagenpark wird wieder aufgefrischt

Ein Baugerüst umfängt zur Zeit den standhaften Ludwig Uhland auf seinem Postament am Platz der Stadt Monthey. Nachdem das Denkmal nicht nur Patina angesetzt hat, sondern auch sichtbar abblätterte und vor sich hinbröselte, wird es jetzt gründlich restauriert.

27.06.2014
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. „Excuse me“, sprach mich neulich ein junger Tourist höflich von der Seite an, „this guy there – it is Schopenhauer?“ Die leichte Enttäuschung war ihm anzumerken. Ludwig Uhland, von dem hatte er noch nie gehört.

Dabei war der einzige gebürtige Tübinger unter all den Geistesgrößen dieser Stadt in seinem Jahrhundert eine ganz große Nummer. Volksdichter, Liberaler, nationale Identifikationsfigur, liberaler Freigeist, Gelehrter – kein Wunder, dass nur eine Woche nach Uhlands Tod im November 1862 der Aufruf eines „Vereins für Uhland‘s Denkmal“ verkündete: „Wenn irgend ein deutscher Mann es verdient, daß sein ehernes Standbild vor den Augen der Mit- und Nachwelt aufgerichtet werde, so ist es Ludwig Uhland.“

Unterzeichnet hatten neben dem Stadt-Schultheiß, wie der Oberbürgermeister damals noch hieß, vor allem Honoratioren der Universität (darunter ein „Prof. Dr. von Palmer“). Auch in anderen Städten wurde fleißig gesammelt für das „weithin schimmernde Erinnerungszeichen, daß einst ein bedeutender Mensch hier gewandelt“: In Wien kümmerte sich etwa Franz Grillparzer um die Denkmal-Spenden. Nur wenige Monate später hatte der Verein die erkleckliche Summe von 32 237 Gulden zusammen.

Dafür leistete man sich, nach einem Künstlerwettbewerb, schließlich mit Gustav Adolf Kietz den bedeutendsten Denkmalbauer seiner Zeit, von dem auch das Weimarer Goethe- und Schiller-Denkmal, das Wormser Luther-Reformationsdenkmal und das Braunschweiger Lessing-Denkmal stammen. Auch Reutlingen hat seinen ehernen Friedrich List dem spätklassizistischen Rietschel-Schüler Kietz zu verdanken.

Abgesehen davon, dass der unglückliche Hermann Kurz sich ausgerechnet bei der Einweihung im Oktober 1873 einen tödlichen Sonnenstich einfing, gab es mehr Licht als Schatten um das herausragendste Denkmal der Stadt. Anfangs war der Standort noch umstritten, denn erst einmal stand Uhland einsam und verlassen auf der grünen Wiese. Erst nach und nach entstand die Uhlandstraße, wenn auch nicht ganz nach den einheitlichen Stadtbild-Vorstelllungen des Architekten Christian Friedrich Leins. Auch die Weg.- und Sichtachse vom Bahnhof übers Denkmal zu Neckarinsel und Burse entstand erst später und soll ja bald wiederbelebt werden.

„Sichtbarste Zeichen der Verehrung“

Überhaupt. die dringend notwendige Generalüberholung könnte der Anfang sein, den vernachlässigten Platz zu verschönern. Dazu müsste das Grün drumherum wieder besser gepflegt statt abgeholzt werden und der Parkverkehr verschwinden. Die restauratorischen Arbeiten betreffen neben der Skulptur den Steinsockel mit seinen angegriffenen Relief-Allegorien des Vaterlands, der Dichtkunst und der Gelehrsamkeit, aber auch die Einfriedung. Das Denkmal wird gründlich gereinigt und von Farbe befreit. Risse werden geschlossen; teilweise müssen die Schäden mit Mörtel verfüllt werden.

Vor zwei Jahren war für die Renovierung des Denkmals gesammelt worden. Ganz so viel wie 150 Jahre zuvor kam nicht zusammen, auch eine großzügige private Einzelspende wie im Fall der Danneckerschen Nymphengruppe blieb aus. Die Aktion erbrachte einen Erlös von 500 Euro. Deshalb hat die Stadt die erforderliche Summe von 40 000 Euro springen lassen. Dafür, dass sie gerade Uhlands Geburtshaus verkauft hat, immerhin ein Bekenntnis zum großen Sohn der Stadt: „Das Denkmal in der Uhlandstraße“, heißt es aus dem Rathaus, „ist bis heute das sichtbarste Zeichen der Verehrung des Dichters und Politikers Ludwig Uhland.“

Bronzedenkmal am Anlagenpark wird wieder aufgefrischt
Droben stehet Ludwig Uhland, schauet still gen Steinlachtal.Bild: Sommer

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27.06.2014, 12:00 Uhr

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