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Budenzauber zwischen Gewinn und gutem Zweck
Budenaufbau für einen Weihnachtsmarkt. Darf's ruhiger sein auf dem Dorf oder lieber mit viel Rummel? Foto: dpa
Weihnachtsmärkte

Budenzauber zwischen Gewinn und gutem Zweck

In großen Städten sind sie ein Millionengeschäft, auf dem Dorf gibt es Glühwein und Handgemachtes oft für soziale Belange.

02.12.2016
  • MADELEINE WEGNER

Wannweil. Zur Adventszeit gehört er wie das Plätzchenbacken und die Suche nach passenden Geschenken – der Weihnachtsmarkt. Seit gut einer Woche locken viele Städte im Land mit Lichterglanz und Budenzauber: Allein in Baden-Württemberg gibt es über 300 Weihnachtsmärkte.

Während in Städten wie Stuttgart, Esslingen, Freiburg, Ulm, Ludwigsburg und Heilbronn die Märkte einen Monat lang täglich tausende Besucher anziehen, ist der Zauber in den kleineren Orten nach einem Tag schon wieder vorbei. Während sich hier viele ehrenamtlich engagieren, bringen die professionellen Märkte viel Geld in die städtischen Kassen.

Über den Dächern der üppig dekorierten Stände auf dem Ludwigsburger Marktplatz breiten Engel ihre leuchtenden Flügel aus. Seit 1994 wirbt die Stadt mit ihrem Weihnachtsmarkt im Zeichen des Barock – von der Kulisse über Bühnenprogramm bis zu Buden. Seitdem ist der jährlich gewachsen, mittlerweile gibt es rund 180 Marktstände. „Jetzt ist die maximale Ausdehnung erreicht“, sagt Beate Schweickhardt vom städtischen Eigenbetrieb Tourismus und Events. Im vergangen Jahr hat die Stadt 475 000 Euro eingenommen und 240 000 Euro Gewinn gemacht. Dabei gibt es jedes Jahr deutlich mehr Bewerbungen als Standplätze vorhanden sind.

Im Werben um Besucher und Touristen aus dem Ausland machen Städte ihre Märkte zur Marke: Esslingen setzt auf Mittelalter, Stuttgart wirbt als einer der ältesten und größten Märkte in Europa. Das Konzept geht auf: 3,5 Millionen Besucher in Stuttgart, eine Million jeweils in Esslingen und Ludwigsburg. Darunter sind viele Touristen aus der Schweiz und aus Italien, Busunternehmen bieten spezielle Reisen an. „Das ist auch für unsere Hotels wichtig“, sagt Schweickhardt.

Für die Marktkaufleute ist es sogar existentiell. „Früher ist man auch so über den Winter gekommen“, sagt Sabine Schelkle, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute. Mittlerweile sei die Adventszeit ebenso wichtig wie die großen Volksfeste. „Ohne den Weihnachtsmarkt geht es nicht mehr“, sagt Schelkle.

Seit zwei, drei Jahren beobachten die Händler mit gewisser Sorge, dass es über den klassischen Glühwein hinaus immer mehr alkoholische Angebote wie Glüh-Caipirinha oder Glüh-Mojito gibt. Schelkle befürchtet eine „Verballermannisierung“ der Weihnachtsmärkte.

„Wir wollen kein Fress- und Saufmarkt sein, sondern ein Kreativmarkt“, sagt Volker Steinmaier. Er organisiert seit 32 Jahren den eintägigen Weihnachtsmarkt in Wannweil (Landkreis Reutlingen). Was an den 40 Ständen rund ums Rathaus verkauft wird, soll selbst gemacht sein. So wirbt die DLRG-Jugend hier für ihre selbstgebastelten Adventskränze, am Stand des Katholischen Kindergartens verkaufen Eltern zusammen mit ihren Kindern Glühwein und handgestrickte Socken, ein paar Schritte weiter gibt es selbst gemachten Blütensirup und Krippenfiguren.

Doch das Besondere in dem Ort mit seinen 5200 Einwohnern ist: Der Weihnachtsmarkt sammelt vor allem Geld für soziale Projekte. Über eine Büchertombola, Waffel-Verkauf und Spenden der Besucher sowie von Vereinen, Verkäufern und einer ortsansässigen Firma sind in diesem Jahr 5050 Euro zusammengekommen. Ein Drittel geht an ein Projekt, das sich für Waisenkinder in Westafrika einsetzt, zwei Drittel sind für Wannweiler Familien mit geringem Einkommen bestimmt. Freilich gibt es auch auf den großen Märkten Möglichkeiten, in der Vorweihnachtszeit Gutes zu tun.

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02.12.2016, 06:00 Uhr

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